Zeltfußball

Bei uns ist Kerb (Kirmes, Rummel – oder wie Ihr sonst dazu sagt) und die Kerbegesellschaft hat sich nun doch dazu durchgerungen, eine Leinwand aufzustellen und die Spiele im Zelt zu übertragen.
Da saßen wir nun gemütlich warm, im molligen Kerbe-Outfit und harrten der Dinge, die da kamen. Ich hatte mir – da ich wegen der Kleiderordnung mein Deutschland-TShirt nicht anziehen konnte) die Fingernägel schwarz-rot-gold lackieren lassen und trug zwei lustig wippende Fußbällchen auf dem Kopf. Unsere Jubeltüte stand griffbereit, es konnte also nichts schiefgehen.

Die erste Torchance für Deutschland habe ich leider verpaßt, durfte aber das Tor der Argentinier miterleben. Püppi lag vorsichtig gespickt vor uns und nun schoben wir ihr die Nadeln etwas tiefer ins Fleisch. Dann kam das 1:1 und weil wir unseren Jungs (und natürlich auch uns) die Strapazen der Verlängerung ersparen wollten, legten wir nach. Fünf Nadeln haben wir zur Verfügung und die wollen wohlplaziert sein. Mach‘ das mal bei einem so hektischen Spiel. Püppi sieht nun aus, wie ein schweizer Käse.
Es hat alles nichts genutzt, es gab Verlängerung. Als der Sprecher dann noch erklärte, dass Argentinien bei einer WM noch nie ein Elfmeterschießen versemmelt hat, wurde mir ganz schlecht. Es blieb uns nicht erspart. Ihr kennt das Ergebnis: Lehmann heißt der neue Fußballgott! (Wer zum Teufel ist eigentlich Olli Kahn??)

Der Jubel im Zelt war unbeschreiblich. Sonst eher müde Zeitgenossen sprangen auf, tobten und fielen sich in die Arme.
Zwei Bänke weiter wurde klammheimlich eine argentinische Fahne eingerollt.

Nach diesem Wahnsinn mußten wir erst mal etwas essen (und ganz dringend aufs Klo). Das restliche Abendprogramm der Kerb wurde immer wieder durch Schlachtgesänge unterbrochen. In einer Ecke des Zeltes wurde noch das Italienspiel übertragen, ohne Ton und nur für die hardcore-Fußballgucker. Beim 3:0 sind wir gegangen. Mir war die Aufregung aufs Gedärm geschlagen und ich mußte dringend nach Hause.

Und nun muss ich ins Bett. Gute Nacht und träumt süß vom Finale Deutschland : Brasilien!

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Königsschlösser, Alpseen, Berge im Sommer

Am Montag sind wir um 7.30 Uhr Richtung Bayern aufgebrochen, haben unterwegs gefrühstückt und Lina hat in Füssen endlich ihre Bratwurst gegessen. Die Tour zu Schloß Neuschwanstein haben wir uns geschenkt. Die nächste Führung wäre erst knapp drei Stunden später gewesen und das hätte unseren Zeitplan gesprengt. Also haben wir am See ein wenig gerastet und sind dann weiter in Richtung Innsbruck. Unterwegs gab’s noch Kaffee und Kuchen und gegen 18.30 Uhr sind wir endlich in Dienten angekommen. Alles sieht anders aus; ohne Schnee ist auch die Zufahrtsstraße viel breiter.

Von unseren Wirtsleuten werden wir freudig begrüßt und Anni schwenkt fröhlich meine vermeintlich im Winter vergessene Kaffeekanne. Ich erkläre ihr, dass ich sie extra da gelassen habe, da mein Hausstand zu Hause aus allen Nähten platzt und man die Kanne im Appartment gut gebrauchen kann. Also mußte sie die Stiegen auffi und das Teil wieder in den Schrank stellen.

Als wir vorm Tuenta ankommen, sitzt der Prosser Erwin vorm Jägerhaus und winkt uns zu. Ich hatte keine Ahnung, dass er meinen Namen kennt und mich im sommerlichen Outfit überhaupt erkennt. Im Winter sehen ja auch die Leute anders aus.
Wir erfahren, dass Erwin oft in Brasilien ist. Nun hat er sich von dort eine Freundin mitgebracht und plaudert mit Lina portugiesisch (NEID!!).

Wir essen beim Hochkönig im Garten und treffen einige Einheimische die sich sämtlich wundern, uns im Sommer anzutreffen. Dann gehen wir heim Fußball gucken. Lina und ich gehen ins Bett und schlafen vorzüglich. Für mich allerdings ist die Nacht um 5.00 Uhr rum. Im Sommer ist es noch lauter, als im Winter, wenn der Schneeschieber durchs Dorf donnert.
Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und setze mich auf den Balkon. Erich steht im Schlafanzug am Fenster und betrachtet den Himmel. Noch ist es bewölkt, aber die Sonne ist schon zu erahnen.

Ich dusche und gehe Brötchen holen. Um 7.30 Uhr wird ordnungsgemäß auf der Terrasse gefrühstückt. Danach geht Klaus mit Lina ins nahegelegene „Shoppingcenter“ (kleiner Adeg-Markt) und wir begrüßen Erich und Hedwig, unsere früheren Wirtsleute.
Dann bestellen wir ein Taxi und fahren zum Filzensattel. Ab hier müssen wir laufen. Nach einer 3/4 Stunde Fußmarsch kommt die Gabühel-Wirtin mit dem Auto und ich springe frech auf. Oben angekommen helfe ich, die Polster auf die Bänke zu räumen und tue ein bisschen geschäftig.

Nach einiger Zeit kommen die beiden anderen dampfend und schwitzend an. Lina muß Linzer Torte probieren und Klaus braucht ein frisches TShirt. Bei Klara gibt’s beides. Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse. Da, wo normalerweise hundert Paar Schier stehen, grasen jetzt glückliche Kühe. Alles sieht irgendwie „gesund“ aus.

Wir wollen weiter zum Grüneggbauern und Klara gibt uns den Tipp, über die Piste zu gehen, da wir sonst ein ganzes Stück des Weges zurück müssten. Ich trage wohlgemerkt Sandalen!

Scheiße, ist die Piste steil – und da fahre ich normalerweise runter?! Wir laufen durch ein Meer von Butterblumen. Als wir am ersten Elektrozaun ankommen, stelle ich fest, dass mein Mann irgendwie gefühllos ist und Lina auch. Beide fassen dran und spüren nix. Ich verlasse mich darauf, dass das Ding stromfrei ist und als ich darübersteige, bitzelt es nett im Schritt.

Im unteren Pistenbereich ist das Gras höher und ich komme zweimal ins Rutschen. Meine Jeans hat jetzt prima Grasflecken und meine Füße schmerzen. Wir haben noch ein gutes Stück Weg vor uns und die Sonne brennt.
Beim Grünegg angekommen essen wir und ich kühle meine Füße. Ich habe zwei Blasen unter der Sohle. Die Wirtin gibt mir Pflaster und zeigt uns den Weg über die Kirche zum Dorf. „Durchs Gelände zwar, aber kürzer als über die Straße“. Ich habe Bedenken wegen meiner Ötzischuhe, werde aber überstimmt. Es geht über Stock und Stein und Wurzeln und Bäche.
Ganz tolle Sache, wenn man kaum noch laufen kann!!

Ich weiß beim besten Willen nicht, was die Leute dem Bergwandern abgewinnen können. Für mich mutet das ganze an, wie eine Wehrsportübung: mit ungenügender Ausrüstung durch Stachel- und Elektrodraht und Matsch. Mit hängender Zunge erst den Berg rauf und dann wieder runter. Ich bin für diese Art Sport nicht gemacht!

Beim Adeg kaufe ich neues Pflaster und Franzbranntwein für die Muskeln. Dann warte ich, bis ich mit Duschen dran bin. Ich bin todmüde und lege mich nach der Dusche sofort ins Bett.

Die beiden anderen gehen um 16.45 Uhr rüber zu Erwin zum Fußball gucken. Sie räumen den Fernseher auf die Terrasse und machen es sich gemütlich. Ich brauche eine ganze Zeit, bis ich eingeschlafen bin und werde nach rund 20 Minuten durch ganz merkwürdige klackernde Geräusche wieder wach. Es hagelt und stürmt und es ist stockdunkel!
Ich stehe auf und schließe alle Fenster. Die Balkonstühle rücke ich noch an die Hauswand und erlebe, dass der Tisch vom Wind hochgehoben wird und ca. 10 cm über dem Boden schwebt. Der Sturm (90 km/h) fetzt um das Metalldach, dass es einem himmelangst wird. Das Telefon klingelt und unsere Hauswirtin erkundigt sich, ob wir von unserer Bergtour heil zurück sind. Vorher hatte sie schon beim Grünegg angerufen und sich nach uns erkundigt. So ein Unwetter habe sie noch nie erlebt, sagt sie.

Der Sturm läßt nach und ich lege mich wieder ins Bett. Nun geht die Sirene los und die Feuerwehr rückt aus. Mit Schlafen ist wohl nichts mehr. Also wieder raus aus der Kiste. Ich schaufele mehrere Schippen Hagelkörner vom Balkon und betrachte traurig die einstige Blütenpracht – alles ist hin. Die Blumen sind regelrecht geköpft, die Geranienblätter in tausende grüne Fitzelchen zerhackt. Ringsherum ist alles wieder weiß – wie im Winter.
Als der Spuk vorbei ist, gehe ich rüber zur Pizzeria.
Die haben es gerade noch geschafft, den Fernseher wieder nach innen zu räumen. Kurzzeitig war auch der Strom weg und an den Bäumen haben es einige Äste nicht überlebt.
Brasilien geann 3:0, Lina unterhält sich mit der bras. Freundin von Erwin, der „ein solch ein Sauwetter“ auch noch nicht erlebt hat. Wir essen noch eine Pizza und gehen heim (und ich endlich wieder ins Bett).

Am nächsten Morgen regnet es und es ist ziemlich frisch. Trotzdem sind alle mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Ich hole Brötchen und lasse mir in der Bäckerei einige Pflaster zuschneiden – wir haben leider keine Schere. Nach dem Frühstück noch ein kurzer Plausch mit Monika. Sie freut sich, dass ich blumenmäßig schon einige Schäden beseitigt habe. Dann brechen wir nach Salzburg auf.

Fortsetzung folgt.

Abbelsaft, Zigaretten und Schampus

Mannomann, das war ein Spiel! Um halb fünf klingelten die Fußballgucker an der Tür, stürzten ins Wohnzimmer und plazierten sich in der ersten Reihe. Wir reichten schnell noch ein paar Getränke, Nervennahrung und stellen die Aschenbecher bereit. Dann gings los.

Wie aufgedreht drosch unsere Elf gegen den Ball. Gerade noch rechtzeitig habe ich unser Gag-Bag an mich gerissen, um es bei dem ersten Tor aufreißen und etwas quietschig Nationalhymne, tosenden Applaus und Schiedsrichterpfiff erschallen lassen zu können. Kaum hatte ich das Ding wieder zu, fiel das zweite Tor. Püppi hat ganze Arbeit geleistet! Ein echt schönes Spiel und die Schweden sahen ganz schön alt aus. :DD
Habe gestern einen neuen Text auf den altbekannten Schlachtruf „Zieht den Bayern die Lederhosen aus …“ gehört, nämlich: „Dreht den Schweden die Schrauben aus dem Schrank …“. Klar, den haben wir angestimmt. Unser Publikum bestand aus einem Bosnier, einem Italiener, einer Brasilianerin und einer Deutschen mit amerikanischem Pass. Alle haben sich mit uns gefreut und – bis auf eine Ausnahme – mit uns gemeinsam auf den brasilianischen Schiedsrichter geschimpft. >:-(
Als die Schweden dann nur noch mit 10 Mann auf dem Platz waren, wurden sie ganz schön bissig. Hat ihnen aber nix genutzt, unsere waren eindeutig besser und haben verdient gewonnen.

Der Wasser-, Apfelsaft- und Zigarettenverbrauch stieg ins unermäßliche und als dann alles rum war, gab es ein Tässchen Sekt (von der neu erworbenen Henkellbrause – super lecker!). Die Gäste hatten sämtlich noch Folgetermine (Hochzeitsfeier, Konzert etc.) und wir waren bald wieder allein. Andernfalls wären wir vermutlich prima versackt. So haben wir schnell den Grill angeworfen und ein paar Bratwürste gebrutzelt. Lina war jetzt drei Tage „ohne“ und hatte schon ziemliche Entzugserscheinungen. Dem haben wir jetzt abgeholfen und nach dem Sekt tat uns etwas feste Nahrung auch gut. 😳

Nun sehen wir uns Argentinien gegen Mexiko an und schauen, was uns als nächstes blüht. Im Moment steht es 1:1 und alles ist möglich (ich persönlich sehe ja auch gerne Elfmeterschießen. Das geht zügig und Mann gegen Mann, da kann sogar ich als normalerweise Nicht-Fußballgucker mitreden).

Liebe Grüße und einen schönen Abend!

Saudi Arabien : Spanien (0:1)

Um 13.00 Uhr sind Klaus und ich nach Kaiserslautern aufgebrochen. Vorher haben wir Lina noch die Funktionsweise von Gegensprechanlage und Mikrowelle erklärt und Steckbriefe der Personen angefertigt, die sie ‚rein lassen darf. Dann ging’s auf die Autobahn.

Unsere Tickets hatten grüne Punkte und das bedeutete, dass wir der grünen P+R-Beschilderung zu folgen hatten. Einmal haben wir kurz gezuckt, als an einer Ausfahrt ein dickes FIFA-Schild mit Pfeil zu sehen war. Das stand da aber nur, um die ausländischen Gäste in die Irre zu führen. Wir sind stur weiter gefahren und das war auch gut so. Wir wurden auf einen Parkplatz eingewiesen und saßen drei Minuten später im Bus und waren rund 15 Minuten später vorm Stadion. Tickets und Taschen wurden überprüft, dann konnten wir aufs Gelände.
Ich habe eigentlich nur rot gesehen. Die Spanier – oder die, die sich dafür hielten – waren einheitlich in rot-gelb gekleidet und ich stellte fest, dass ich nicht ordnungsgemäß kostümiert war. Gottlob gab es einen Fan-Stand, an dem man sich schnell noch mit diversen Devotionalien ausstaffieren konnte. Nun bin ich also im Besitz eines zwar roten, ansonsten jedoch parteilosen TShirts (man weiß ja nie!). Wir passierten die zweite Kontrolle, ergatterten noch einen Brezel und etwas zu trinken und erklommen die vier Stockwerke zu unserer Tribüne. Hoch beglückt stellte ich fest, dass tatsächlich Sitzplätze vorhanden waren. Etwas hart zwar und mit nicht sonderlich viel Beinfreiheit, aber immerhin. Außerdem saßen wir im Schatten. Für mich gab’s also wieder nix zu meckern.
Neben mir ließen sich zwei junge Spanier nieder, neben Klaus zwei Burschen aus Saudi Arabien, von denen jeder eigentlich zwei Sitze gebraucht hätte. Der Arme war eingekeilt! Den Saudis war es wohl egal, wer gewinnt. Die waren für alles gerüstet; eine grüne und eine rot-gelbe Fahne wickelten sie sich jeweils um den Hals und weil’s schon so schön kuschelig war, wurde Klaus grad‘ mit unter die Fahne genommen. Im übrigen war’s das gleiche Procedere wie im Theater: Die mit den Plätzen in der Mitte kommen ganz zum Schluß und alle müssen aufstehen. Egal, irgendwann gings dann los. Es wurden Fahnen hereingeschleppt, die Journalisten und Mannschaften liefen ein und das Deckchen über dem Anstoßkreis (so heißt das große runde Ding in der Mitte – ich hab‘ mich erkundigt!) wurde rausgetragen. Der Anpfiff jedoch ging irgendwie im Gejohle unter.
Um es kurz zu machen, das Spiel war ausgesprochen mäßig. Die Saudis hatten zwei gute Leute auf dem Feld, nämlich den Torwart – der hatte einiges zu tun – und einen Spieler, der wenigstens ab und zu mal einen Schuß versucht hat. Der spanische Torwart stand (zumindest in der ersten Halbzei) ziemlich gelangweilt rum. In der zweiten Halbzeit hat er sich dann ab und zu bewegt.

Aufgefallen ist mir, dass so’n Spielfeld in echt ganz schön mickrig ist. Im Fernsehen sieht das viel größer aus. Das Stadion selbst ist beeindruckend und die Atmosphäre war toll. Das Spiel konnte man vergessen, aber es gab ja dumherum genug zu sehen.
Jedenfalls war der Zauber irgendwann vorbei und wir haben den Heimweg angetreten. Alles ging recht zügig vonstatten, die Busse standen bereit und ruckzuck waren wir wieder am Auto. Alles war prima organisiert (die Deutschen sind halt super gründlich).

Zurück in WI haben wir noch kurz beim Chinamann gehalten und was zu Essen mitgenommen. Nun hocken wir wieder vorm Fernseher und gucken – Ihr kommt nie drauf – Fußball. Im ORF werden beide Spiele gleichzeitig gesendet Frankreich/Togo und Schweiz/Korea. Ob ich bis zum Ende durchhalte, weiß ich noch nicht. Meine Euphorie läßt augenblicklich etwas zu wünschen übrig!

Allen, denen es besser geht, wünsche ich viel Spaß beim Zuschauen! Liebe Grüße und gute Nacht!

Kampfshoppen

Wer mich kennt weiß, wie ungern ich einkaufen gehe. Der Erwerb neuer Klamotten ist für mich der blanke Horror! >:-[
Vermutlich habe ich zu viele männliche Hormone, denn ich kann stundenlang durch Baumärkte und Gartencenter stapfen – aber Klamotten??!
Merkwürdig anmutende Teile aus überfüllten Ständern zerren, nach der vermeintlich richtigen Größe suchen (warum verdammt noch mal hat eigentlich jede Firma andere Vorstellungen von Größe 42?), Qualität, Farbe und Preis checken, noch ein paar weitere Teile suchen, rein in die (meist viel zu enge und nicht klimatisierte) Kabine, ausziehen, anziehen, gucken, entsetzt sein (meistens!), ausziehen, anziehen, zornig sein (sehr oft!!), ausziehen, anziehen usw., usw.!

Wir haben uns zwei Tage Extremshopping in einem riesigen outlet center gegeben. Ok, ok: wir waren sehr erfolgreich, aber nur, weil ich eine Freundin dabei hatte, die mich in die Kabine gestellt und Sachen herbeigeschafft hat. Ich war kurz vorm Kollaps, habe aber tatsächlich vier neue Beinkleider gefunden. Dazu noch diverse Oberteile und Schuhe. Ich habe also wirklich keinen Grund zum Meckern. Aber es war harte Arbeit und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man an so was Spaß haben kann. :no:

Unsere Brasiliengirls dagegen waren begeistert. Auch sie sind hochbeglückt mit dicken Taschen abgezogen. Drei Paar Schuhe kaufen und nur zwei bezahlen, das war so recht nach ihrem Geschmack. Keine Ahnung, wie sie die ganzen Schätze nach Hause bringen wollen. Heute ist das Töchterlein zurück nach London geflogen und es war schon spannend zu sehen, wie oft man einen Koffer umpacken muss um festzustellen, dass er tatsächlich zu klein ist. 88|

Die Männer (insbesondere meiner) haben sich’s einfach gemacht. Sie sind in eine Kneipe und haben Fußball geguckt. Püppi war ordnungsgemäß präpariert und es gab gar keinen Zweifel, dass wir gewinnen würden. Danach haben sie völlig entspannt ein paar TShirts und Socken gekauft und fertig waren sie. :>>

Weil das alles nicht genug war, mussten wir heute noch einen Ausflug zum nahegelegenen Metromarkt machen. Lina liebt Supermärkte und die Metro hat einiges zu bieten. Shopping dritter Tag! Ich hatte die Schnauze gestrichen voll und wenn ich nicht ein paar Lebensmittel gebraucht hätte, hätte ich mir’s verkniffen.

Da lobe ich mir doch mehr Veranstaltungen wie die Besichtigung der Sektkellerei Henkell mit anschließender Verkostung (Montag). Das ist so recht nach meinem Geschmack – im wahrsten Sinne des Wortes.
Auch da kann man einkaufen und das geht ziemlich flott. Ein Schächtelchen von dieser Bitzelbrause und eins von der anderen und gut ist’s.

Morgen nun muss ich mit Klaus nach Kaiserslautern. Er hat zwei Karten für das Spiel Spanien gegen irgendwen. Lina darf zu Hause bleiben und die Möbel bewachen, kann gemütlich im Garten sitzen und in der Nase bohren, während ich zwischen gröhlenden Kerlen schwitzen und aufpassen muss, dass ich nicht an der falschen Stelle applaudiere. It’s really a hard life! ;D

Harte Zeiten

Leute, ich sag’s Euch: das waren die härtesten 90 Minuten meines Lebens! Im Wiesbadener Kurpark ist zwar eine Riesenleinwand installiert, es gibt Getränke -, Freß- und Souvenierstände, aber für Sitzgelegenheiten hat es nicht mehr gereicht! Willkommen in der Weltkurstadt.:'(
Die Profi-Fußballgucker waren mit Decken und Klapphockern ausgerüstet, die Hartgesottenen standen in der Sonne und die ganz Armen – wie wir – hockten sich auf den nackten Beton! Wir saßen zwar in der ersten Reihe, besser sehen konnten wir aber nicht.
Erinnert Ihr Euch noch an die Teeniezeit, wo das Taschengeld gerade mal für die erste Reihe im Kino gereicht hat und an die Genickstarre, die sich unweigerlich nach 20 Minuten einstellt?! Ich sage Euch: Altes Herz wird wieder jung!
Heute jedoch fühlt sich mein Hinterteil an, wie nach einer langen Fahrradtour und die Hämorrhoiden jubeln.

Allerdings war das ganze schon eine Riesengaudi. Unsere Gäste konnten kaum glauben, dass es so viele Brasilianer in Wiesbaden gibt (ich übrigens auch nicht. Keine Ahnung, wo die sich sonst verstecken). Wir waren eingetaucht in ein Meer von gelb-grünen Farben. Es wurden Fähnchen und Fahnen geschwenkt und der Name „Ronaldo“ war auf jedem zweiten TShirt zu lesen.

Das Spiel selbst war in der ersten Halbzeit recht verhalten, was jedoch der Stimmung keinen Abbruch tat. Die Halbzeitpause wurde für einen schnellen Gang auf’s Klo und die Beschaffung neuer Getränke genutzt. Die auf den ganz harten Plätzen – wir – waren froh, die Knochen wieder sortieren zu können.

Die zweite Hälfte des Spieles war besser und nachdem dann endlich das erste Tor fiel, war der Jubel unbeschreiblich. Feiern können sie, die Brasilianer, das kann man nicht anders sagen! Aber die Australier haben sich auch tapfer geschlagen und gekämpft bis zum Schluß. Hat aber nix genutzt. Beim 2:0 waren die Leute nicht mehr zu halten. Es gab ein Gebrülle und Gejohle, als wäre die WM schon gewonnen!
Im Sog der Massen zogen wir vom Platz. Verkehrsregeln waren kurzfristig außer Kraft gesetzt. Vorfahrt hatte der mit der lautesten Hupe. Aufgrund unserer Brasilienfähnchen am Auto winkte und jubelte man uns freundlich zu. :wave::wave: Ganz ungewöhnlich in Deutschland, wo die meisten Zeitgenossen eher miesepetrig unterwegs sind. Ein durchaus schönes Gefühl! Man sollte öfter mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Straßen gehen/fahren. Vielleicht hilft uns die WM im eigenen Land dabei, die Mundwinkel besser unter Kontrolle zu halten.

In diesem Sinne: egal was Ihr tut, tut es mit einem Lächeln!
Euch allen einen schönen Tag und liebe Grüße.

Nachtrag zu "Faules Pack"

Na bitte, man muss die Leute nur an ihrer Ehre packen! Es funktioniert zwar offensichtlich nicht bei meinen Freunden(?), aber es gibt ja auch noch annere Leut‘. Ich danke für Eure Kommentare, auch wenn ich Euch (noch) nicht kenne!
Liebe Grüße und weiter so!