Königsschlösser, Alpseen, Berge im Sommer

Am Montag sind wir um 7.30 Uhr Richtung Bayern aufgebrochen, haben unterwegs gefrühstückt und Lina hat in Füssen endlich ihre Bratwurst gegessen. Die Tour zu Schloß Neuschwanstein haben wir uns geschenkt. Die nächste Führung wäre erst knapp drei Stunden später gewesen und das hätte unseren Zeitplan gesprengt. Also haben wir am See ein wenig gerastet und sind dann weiter in Richtung Innsbruck. Unterwegs gab’s noch Kaffee und Kuchen und gegen 18.30 Uhr sind wir endlich in Dienten angekommen. Alles sieht anders aus; ohne Schnee ist auch die Zufahrtsstraße viel breiter.

Von unseren Wirtsleuten werden wir freudig begrüßt und Anni schwenkt fröhlich meine vermeintlich im Winter vergessene Kaffeekanne. Ich erkläre ihr, dass ich sie extra da gelassen habe, da mein Hausstand zu Hause aus allen Nähten platzt und man die Kanne im Appartment gut gebrauchen kann. Also mußte sie die Stiegen auffi und das Teil wieder in den Schrank stellen.

Als wir vorm Tuenta ankommen, sitzt der Prosser Erwin vorm Jägerhaus und winkt uns zu. Ich hatte keine Ahnung, dass er meinen Namen kennt und mich im sommerlichen Outfit überhaupt erkennt. Im Winter sehen ja auch die Leute anders aus.
Wir erfahren, dass Erwin oft in Brasilien ist. Nun hat er sich von dort eine Freundin mitgebracht und plaudert mit Lina portugiesisch (NEID!!).

Wir essen beim Hochkönig im Garten und treffen einige Einheimische die sich sämtlich wundern, uns im Sommer anzutreffen. Dann gehen wir heim Fußball gucken. Lina und ich gehen ins Bett und schlafen vorzüglich. Für mich allerdings ist die Nacht um 5.00 Uhr rum. Im Sommer ist es noch lauter, als im Winter, wenn der Schneeschieber durchs Dorf donnert.
Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und setze mich auf den Balkon. Erich steht im Schlafanzug am Fenster und betrachtet den Himmel. Noch ist es bewölkt, aber die Sonne ist schon zu erahnen.

Ich dusche und gehe Brötchen holen. Um 7.30 Uhr wird ordnungsgemäß auf der Terrasse gefrühstückt. Danach geht Klaus mit Lina ins nahegelegene „Shoppingcenter“ (kleiner Adeg-Markt) und wir begrüßen Erich und Hedwig, unsere früheren Wirtsleute.
Dann bestellen wir ein Taxi und fahren zum Filzensattel. Ab hier müssen wir laufen. Nach einer 3/4 Stunde Fußmarsch kommt die Gabühel-Wirtin mit dem Auto und ich springe frech auf. Oben angekommen helfe ich, die Polster auf die Bänke zu räumen und tue ein bisschen geschäftig.

Nach einiger Zeit kommen die beiden anderen dampfend und schwitzend an. Lina muß Linzer Torte probieren und Klaus braucht ein frisches TShirt. Bei Klara gibt’s beides. Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse. Da, wo normalerweise hundert Paar Schier stehen, grasen jetzt glückliche Kühe. Alles sieht irgendwie „gesund“ aus.

Wir wollen weiter zum Grüneggbauern und Klara gibt uns den Tipp, über die Piste zu gehen, da wir sonst ein ganzes Stück des Weges zurück müssten. Ich trage wohlgemerkt Sandalen!

Scheiße, ist die Piste steil – und da fahre ich normalerweise runter?! Wir laufen durch ein Meer von Butterblumen. Als wir am ersten Elektrozaun ankommen, stelle ich fest, dass mein Mann irgendwie gefühllos ist und Lina auch. Beide fassen dran und spüren nix. Ich verlasse mich darauf, dass das Ding stromfrei ist und als ich darübersteige, bitzelt es nett im Schritt.

Im unteren Pistenbereich ist das Gras höher und ich komme zweimal ins Rutschen. Meine Jeans hat jetzt prima Grasflecken und meine Füße schmerzen. Wir haben noch ein gutes Stück Weg vor uns und die Sonne brennt.
Beim Grünegg angekommen essen wir und ich kühle meine Füße. Ich habe zwei Blasen unter der Sohle. Die Wirtin gibt mir Pflaster und zeigt uns den Weg über die Kirche zum Dorf. „Durchs Gelände zwar, aber kürzer als über die Straße“. Ich habe Bedenken wegen meiner Ötzischuhe, werde aber überstimmt. Es geht über Stock und Stein und Wurzeln und Bäche.
Ganz tolle Sache, wenn man kaum noch laufen kann!!

Ich weiß beim besten Willen nicht, was die Leute dem Bergwandern abgewinnen können. Für mich mutet das ganze an, wie eine Wehrsportübung: mit ungenügender Ausrüstung durch Stachel- und Elektrodraht und Matsch. Mit hängender Zunge erst den Berg rauf und dann wieder runter. Ich bin für diese Art Sport nicht gemacht!

Beim Adeg kaufe ich neues Pflaster und Franzbranntwein für die Muskeln. Dann warte ich, bis ich mit Duschen dran bin. Ich bin todmüde und lege mich nach der Dusche sofort ins Bett.

Die beiden anderen gehen um 16.45 Uhr rüber zu Erwin zum Fußball gucken. Sie räumen den Fernseher auf die Terrasse und machen es sich gemütlich. Ich brauche eine ganze Zeit, bis ich eingeschlafen bin und werde nach rund 20 Minuten durch ganz merkwürdige klackernde Geräusche wieder wach. Es hagelt und stürmt und es ist stockdunkel!
Ich stehe auf und schließe alle Fenster. Die Balkonstühle rücke ich noch an die Hauswand und erlebe, dass der Tisch vom Wind hochgehoben wird und ca. 10 cm über dem Boden schwebt. Der Sturm (90 km/h) fetzt um das Metalldach, dass es einem himmelangst wird. Das Telefon klingelt und unsere Hauswirtin erkundigt sich, ob wir von unserer Bergtour heil zurück sind. Vorher hatte sie schon beim Grünegg angerufen und sich nach uns erkundigt. So ein Unwetter habe sie noch nie erlebt, sagt sie.

Der Sturm läßt nach und ich lege mich wieder ins Bett. Nun geht die Sirene los und die Feuerwehr rückt aus. Mit Schlafen ist wohl nichts mehr. Also wieder raus aus der Kiste. Ich schaufele mehrere Schippen Hagelkörner vom Balkon und betrachte traurig die einstige Blütenpracht – alles ist hin. Die Blumen sind regelrecht geköpft, die Geranienblätter in tausende grüne Fitzelchen zerhackt. Ringsherum ist alles wieder weiß – wie im Winter.
Als der Spuk vorbei ist, gehe ich rüber zur Pizzeria.
Die haben es gerade noch geschafft, den Fernseher wieder nach innen zu räumen. Kurzzeitig war auch der Strom weg und an den Bäumen haben es einige Äste nicht überlebt.
Brasilien geann 3:0, Lina unterhält sich mit der bras. Freundin von Erwin, der „ein solch ein Sauwetter“ auch noch nicht erlebt hat. Wir essen noch eine Pizza und gehen heim (und ich endlich wieder ins Bett).

Am nächsten Morgen regnet es und es ist ziemlich frisch. Trotzdem sind alle mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Ich hole Brötchen und lasse mir in der Bäckerei einige Pflaster zuschneiden – wir haben leider keine Schere. Nach dem Frühstück noch ein kurzer Plausch mit Monika. Sie freut sich, dass ich blumenmäßig schon einige Schäden beseitigt habe. Dann brechen wir nach Salzburg auf.

Fortsetzung folgt.

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