Es kommt alles wieder

Nachdem ich kürzlich in einem Blog über eine 50-Jahre-Ausstellung gelesen habe, ist mir ein Erlebnis wieder eingefallen, dass wir vor einiger Zeit hatten.

Wir hatten unser Wohnzimmer renoviert und über dem Esstisch war eine neue Lampe fällig. Wer schon mal Lampen gekauft hat weiß, wie schwierig solche Käufe sind. Im Laden baumeln hundert Lampen von der Decke und mindestens eben so viele stehen um einen herum. Man sieht nach oben und muss sehr darauf achten, keinen unbedachten Schritt zu tun, sonst ist das Chaos perfekt. Außerdem kann man sich in dem ganzen Lampenwirrwarr überhaupt nicht vorstellen, wie eine einzelne davon sich über dem heimischen Esstisch macht. Lampenkauf ist eine echte Herausforderung für die Vorstellungskraft, die Nervenstärke und nicht zuletzt für den Geldbeutel. 😐

Wir bahnen uns also einen Weg zwischen all den ausladenden Stehlampen, greifen gelegentlich zu einem Preisschild, schlucken und schlendern weiter.
Plötzlich finden wir uns vor einem Monstrum wieder, dass in unseren Augen an Scheußlichkeit kaum zu überbieten ist. Eine Tütenlampe! 88| So ein Ding, wie es unsere Eltern und die Eltern unserer Freunde früher in der guten Stube stehen hatten. Der einzige Unterschied zu früher: die Tüten waren in verschiedenen Farben, ansonsten war alles beim alten. Die biegsamen Arme, mit deren Hilfe man das spärliche Licht in die gewünschte Richtung lenken konnte, die Verschnürung, mit denen diese Arme an einem Punkt zusammengeführt wurden und der Lampenfuß. Wir standen einigermaßen fassungslos davor. ‚Das gibt’s doch gar nicht‘, schoss es uns durch den Kopf, und ‚wer kauft denn so was?‘. :??:
Aus Spaß linste ich mal auf das Preisschild und mir verschlug es die Sprache ob des astronomischen Betrags, der dafür aufgerufen wurde. Mit Grausen wandten wir uns ab.
Nach etlichen weiteren Runden durch den Laden und immer noch unentschlossen und wenig begeistert von dem Angebot kamen wir wieder an der Stelle mit dem Monstrum vorbei. Ein Pärchen – Anfang zwanzig – stand davor und war total entzückt. :yes: Wir hielten einen kleinen Abstand und lauschten unhöflicher weise ein bisschen. Die Beiden gerieten völlig aus dem Häuschen angesichts dieses Designerstückes! Sie malten sich aus, wie sich dieses Prachtexemplar wohl in ihrer Wohnung machen würde, wo es am besten platziert sein würde.
Als sie anfingen, ihre Finanzlage zu diskutieren, gingen wir kopfschüttelnd weiter und dem Ausgang entgegen – ohne Lampe. Insgeheim überlegte ich, wie lange wir unsere alte Wohnzimmerlampe wohl aufheben müssten, um sie irgendwann einmal als hochmodern wieder installieren zu können. Gefallen würde sie mir dann wohl auch nicht mehr, mal ganz abgesehen davon, dass ich soo alt gar nicht mehr werden kann. :no:

Ich habe keine Ahnung, ob das Pärchen die Lampe gekauft hat. So begeistert, wie sie waren, gehe ich aber davon aus.
Es ist wohl wirklich so, dass man alles, was man in grauer Vorzeit schon mal gehabt oder gesehen hat, nicht mehr so toll finden kann. Also weg mit dem alten Krempel – oder gaaanz lange aufheben, damit die Enkelkinder irgendwann ihre Freude daran haben. ;D

Kontakte

Heute habe ich die Kontaktabzüge unserer in der letzten Woche mit viel Mühe gemachten Bilder bekommen und ich muss sagen, gar nicht so schlecht – wenn man mal davon absieht, dass wir auf den Bildern zu sehen sind. Ich finde, ich sehe auf Bildern immer irgendwie bescheuert aus und bei meinem Göttergatten werden die Augen beim Lachen immer zu kleinen Schlitzen (dabei hat er so schöne Augen :yes:). Jedenfalls kommt nun die Qual der Wahl auf uns zu und es wird noch einige Diskussionen geben, wie ich uns kenne.
Erfreulicherweise hat die Fotografin immer rechtzeitig auf den Auslöser gedrückt, bevor uns die Gesichtszüge entglitten; auch die Schmerzen durch die verkrampfte Haltung sind nur zu erahnen. Gute Arbeit. 😀
Allerdings musste ich € 15,- Kaution für einen Bogen Kontaktabzüge in Bonsaigröße hinterlegen, was ich ziemlich bescheuert fand. Aber was soll’s.

Danach hatte ich das übliche Posterlebnis: 20 Minuten Schlange stehen um drei Päckchen aufzugeben – ich liebe es! Ich weiß nicht, warum das bei der Post immer so lange dauern muss. Es ist jedes Mal dasselbe. Die kriegen es einfach nicht hin und jetzt hat das Weihnachtspäckchen-Geschäft noch gar nicht richtig angefangen! Zum Mäuse melken, das Ganze.

So, nun muss ich mir noch geschwind ein paar Vokabeln draufpacken. Heute Abend haben wir wieder Portugiesisch und wenigstens ein paar Worte der letzten Stunde sollten bis dahin gelernt sein.
Drückt mir die Daumen, dass ein bisschen was hängen bleibt. :wave:

Eine Bettgeschichte

Heute, 6.43 Uhr.
Ich fühle mich beobachtet. Er sieht mich an, mein Gesicht, meinen Körper. Er versucht, irgendwelche Anzeichen des Erwachens bei mir auszumachen. Seine Blicke kann ich auf meiner Haut spüren. Ich atme ganz flach, stelle mich schlafend und warte ab, was weiter passiert. Sein Gesicht kommt meinem ganz nah, nun kann ich auch seinen schweren Atem spüren. Er hebt die Bettdecke und schlüpft zu mir, kuschelt sich in meinen Arm. Er „wanzt sich ran“, legt seinen Arm um meinen warmen Bauch, schlingt sein Bein um meine Beine. Ich streichle ihm den Rücken und er genießt es sichtlich. Ein paar Minuten kuscheln am frühen Morgen – pures Glück! 😀

Eine schwere Hustenattacke entreist uns der Zweisamkeit. Er ist erkältet, die Nase ist verstopft und der Husten will einfach nicht besser werden. Nase putzen ist angesagt und überhaupt hat er jetzt genug gekuschelt. 😐 Es ist kurz vor 7.00 Uhr und er will jetzt spielen. Und Hunger hat er auch. Schweren Herzens entsteige auch ich der warmen Koje. Gemeinsam kochen wir Kakao und frühstücken.
Nach Anziehen, Zähneputzen und dem ganzen unnötigen Trara am frühen Morgen beschließen wir, eine Weihnachtskrippe zu basteln. Ich! Basteln! Welche Herausforderung für meine Ungeduld!

Wir suchen uns die notwendigen Utensilien zusammen. Karton, Blei- und Filzstifte, Lineal, Schere, diverse Klebstoff und Packpapier und machen uns ans Werk. Schnippeln, malen, kleben. Ich zeichne ihm mit Bleistift ein Fenster, einen Heuhaufen, ein Spinnennetz und sogar einen Bollerwagen vor, die er dann mit Filzstift ausmalt. Ich habe nur eine vage Vorstellung davon, wie so ein Bollerwagen aussieht. Er weiß es und gibt mir genaue Anweisungen.
Das alles braucht natürlich seine Zeit und mir fällt siedendheiß ein, dass ich das Gulasch fürs Mittagessen noch anbraten muss.88| Also betraue ich ihn mit einigen Aufgaben und verziehe mich in die Küche. Es dauert nicht lange, da steht er neben mir. „Was machst Du da?“ „Ich bereite das Mittagessen vor.“ „Was gibts dazu?“ „Kannst Du Dir aussuchen. Nudeln oder Klöße.“ „Klöße! Mit Brösel drinn.“ (Wenn schon, denn schon. Da kommen jetzt auch meine Gene durch!) „Dann musst Du das Brot schneiden, ich schaffe das sonst nicht alles.“ „Ja, prima!“, antwortet er und sitzt schon am Tisch. Ich schneide die Brotscheiben, er macht daraus kleine Würfelchen.
Die Krippen-Baustelle ruht. :-/
Ich brate die Brotstückchen in Butter und er beobachtet jeden Handgriff ganz genau. Dann haben wir wieder etwas Zeit für unsere Bastelarbeit. Jetzt ist wieder kleben angesagt. Es dauert nicht lange, da klebt so ziemlich alles, was auf dem Tisch liegt. Gott sei Dank haben wir eine dicke Lage Zeitungspapier untergelegt. 🙂

Nun sind die Klöße dran. Natürlich will er auch hierbei helfen und wir machen einen Deal. Ich forme die Klöße und er schaufelt in jede Mulde eine Ladung Brösel. Dann kommen die Klöße ins Wasser. Mittlerweile hat er richtig viel Hunger, wie er immer wieder betont. Um ihm die Zeit zu vetreiben, lasse ich ihn den Tisch decken. Aus den Servietten baut er kleine Kunstwerke.
„Wo kommen die Salatschälchen hin?“, fragt er. „Oben links, neben den Teller“. „Wo ist links?“ Er arbeitet beidhändig, es ist ihm völlig wurscht, wo links und rechts ist. „Über der Gabel“, antworte ich. „Dann sag‘ das doch gleich“, mault er. Offensichtlich hatte er erst das falsche links angepeilt. 🙄

Dann konnten wir endlich essen und er schien wirklich Hunger zu haben. Zwei Klöße verschwanden in Windeseile in seinem Mund. Ich habe nur 1 1/2 geschafft. „Das schmeckt gut“, sagt er. „Wie bei meiner Oma Ull.:!: Da haben wir das auch mal gegessen.“ Ein echtes Kompliment. :>> Allerdings muss das eine ziemliche Weile her sein. Meine Mutter hat schon vor geraumer Zeit beschlossen, nicht mehr zu kochen (leider, denn sie kocht sehr gut).

Nach dem Mittagessen verziehe ich mich eine halbe Stunde ins Bett (irgendwie fehlt mir noch eine kleine Mütze voll Schlaf) und überlasse die Männer dem Tippkick-Fußballspiel.

Um halb vier kommen seine Eltern. Wir trinken noch gemeinsam Kaffee, dann fährt die Familie nach Hause. Ich sitze nun hier mit einer nicht ganz fertig gestellten Weihnachtskrippe und ein paar kümmerlichen Resten der gestern gebackenen Plätzchen.
Und es ist wieder sehr still geworden, im Haus. Schade! 😦

Geschafft …

…bin ich! Und geschafft haben wir auch eine ganze Menge.
Der Tag fing ziemlich bescheiden an; die Heizung war ausgefallen und ergo gab es kein warmes Wasser zum Duschen. >:-[ Also, erstmal in den Keller, das Ding wieder in Betrieb genommen und im Nachthemd ein paar kleinere Arbeiten erledigt, bis das Wasser einigermaßen temperiert war. Brrr! Dann gabs Frühstück und die zweite Misere: keine Butter da. >:-[ Also wieder in den Keller, ein Päckchen Butter aus der Tiefkühltruhe und ab damit in die Mikrowelle. Pünktlich zum Frühstück war sie dann streichfähig.

Gegen 11.30 Uhr rückte mein Besuch in Form meines 8-jährigen Neffen an und ich wurde erstmal zwangsbespielt. 😀 Dann gab es Mittagessen. 1 1/2 Bratwürste hat er verdrückt. Dazu Kartoffelbrei und Mischgemüse 😉 (also, ursprünglich war es Mischgemüse. Nachdem er sich ausgesucht hatte, was ihm genehm ist, hatte er nur Karotten auf dem Teller!)

Dann haben wir Plätzchen gebacken. Ich! Wo ich das so gerne mache. :-/ Aber Kinder lieben es und ich wollte ihm den Gefallen tun. Also Teig ausrollen, Herzchen, Sternchen und Bäumchen ausstechen, restlichen Teig wieder mit neuem Teig zusammenkneten, ausrollen … . Never-ending story. 😐 Zwischendurch habe ich jeweils zwei Bleche in den Ofen verfrachtet.

Zeitgleich hat mein Göttergatte beschlossen, die Weihnachtsbeleuchtung schon mal zu installieren. Es regnete gerade mal nicht und er wollte die Gunst der Stunde nutzen. Dabei wurde meine Hilfe allerdings auch benötigt. Also flitzte ich immer zwischen Küche, Keller und Vorgarten hin und her. Und zwischendurch bloß die Plätzchen nicht vergessen. ❗ ❗

Irgendwann waren alle Plätzchen gebacken, die Weihnachtsbeleuchtung hing und ich dachte, ich hätte das Schlimmste hinter mir. Babbel! Jetzt gings erst richtig los. :> Die Plätzchen mussten ja noch verziert werden. Also: Eine Matschepampe von Zuckerguß angerührt. Ich habe die Plätzchen damit bestrichen, der kleine Mann hat die Verzierung angebracht. :DD
Ich hatte Lebensmittelfarben in kleinen Tübchen gekauft und er machte damit lustige Muster. Überall. Nach ca. drei Minuten war er von oben bis unten voll mit Farbe. Gelb, rot, grün und blau. Allerliebst! :yes: :yes:
Mit Hilfe von einer Rolle Küchenkrepp konnte ich die Farbe wenigstens gleichmäßig auf ihm verteilen. Die Hände waren bis zu den Ellenbogen bunt und dass Gesicht wies ihn als ausgesprochenen Künstler aus. :>>

Ich weiß nicht, wie lange wir in der Küche gewerkelt haben. Er saß bequem auf einem Stuhl und erledigte die Feinarbeiten, während ich immer zwischen Anrichte, Ablagefläche, Tisch und Spüle hin und her sauste. Ich habe seine Geduld bewundert (meine übrigens auch). Jedenfalls, irgendwann waren alle Plätzchen bestrichen und verziert und liegen jetzt zum Trocknen auf Backpapier. Meine Küche sah aus wie ein Schlachtfeld. Alles war bunt und klebrig. 8|

Nach getaner Arbeit haben wir uns erstmal einen Kakao gegönnt, ein paar nicht so gelungene Plätzchen verspeist und Bingo gespielt. Ich war froh, endlich mal sitzen zu können. Der kleine narrische Zwockel jedoch hatte keine Ruhe im Hintern und zerrte weitere Spiele aus dem Schrank hervor. „Vier gewinnt“, „Malefitz“, „Jenga“ – das volle Programm. Ohne Unterlaß. 88|
Mir schwirrte der Kopf und ich beschloß, jetz das Abendessen vorzubereiten .
Irgendwie hatte ich die Hoffnung, ihn danach ohne Murren ins Bett zu kriegen. Denkste Puppe! Noch ’ne Runde spielen. Damit es nicht ganz so viel Spaß macht, schlug ich Wort- und Buchstabenspiele vor und: mein Plan ging auf!!! Irgendwann hatte er wirklich keine Lust mehr und ich konnte ihn ohne Probleme durchs Bad und ins Bett schleusen. :DD :DD Ich bin sowas von stolz auf meine pädagogischen Spitzfindigkeiten! 💡
Jedenfalls liegt er nun in der Falle und ich werde mich jetzt auf die Couch werfen. Ich hab’s mir verdient. :yawn:

Einen geruhsamen Feierabend Euch allen!

Tischmanieren

Gestern waren wir beim Italiener. Es ist November, also ein Monat mit R und folglich gibt es Muscheln. Wir überlegten kurz, entschieden uns dann aber doch für Mafiatorte.
Mein Göttergatte saß mir gegenüber und fing plötzlich zu grinsen an. Das war kein freundliches Lächeln. Es war ein ziemlich hämisches Grinsen, seine Augen funkelten belustigt und sein Mund zuckte. Dann plusterte er die Backen Wangen auf und stand praktisch kurz vorm Platzen. Ich hatte keine Ahnung, was ihn so amüsierte und hoffte nur, dass ich es nicht sei.
Als er sich ein wenig beruhigt hatte, sagte er:  „Das musst du gesehen haben! Hinter Dir ißt jemand Muscheln mit Messer und Gabel!“ „Häää???“  Nun konnte ich mich ja schlecht rumdrehen, um das Schauspiel zu beobachten, aber für so was hat frau ja immer einen kleinen Taschenspiegel dabei.

Ich kramte in meiner Handtasche, förderte Spiegel und Lippenstift zu Tage und begann – ganz unfein – mir am Tisch die Lippen nachzuziehen. Das kann ich normalerweise prima ohne Spiegel, aber die Lippen waren ja auch nicht der Grund für meine Aktivitäten. Es dauerte etwas, bis ich die richtige Richtung gepeilt hatte, aber das hat sich gelohnt!

Am Tisch saß eine Gruppe Leute mittleren Alters, ganz normal gekleidet. In ihrer Mitte jedoch saß ein ziemlicher Exot: ein junger Mann im Yuppie-Outfit, mit gegelten Haaren und Angeber-Armbanduhr und machte auf vornehm.   Vermutlich hat er eine Benimmschule besucht, um den Umgang mit Messer und Gabel zu lernen. Es war ein Bild für die Götter! 
Er sortierte sich die in der Soße schwimmenden Muscheln einzeln auf den eigentlich für die Schalen bestimmten Teller und sezierte sie dann. Ich konnte mich kaum satt sehen (und er ist vermutlich nicht satt geworden. Mit der Methode ißt man sich hungrig!) Ich weiß nicht, wie lange ich gebannt in den Spiegel geschaut habe, jedenfalls stupste mich mein Gatte irgendwann unterm Tisch an.

Um uns herum waren die Gespräche verstummt. Alles starrte mehr oder weniger amüsiert in Richtung des jungen Gourmets. Ich ließ mein Spiegelchen etwas kreisen und konnte beobachten, dass sich die Kellner pretty-woman-mäßig um den Tisch postiert hatten, um eventuell entflutschende Muscheln unauffällig aufzufangen.
Den jungen Mann focht das alles nicht an. Unbeirrt klemmte er die eine Hälfte der schwarzen Muschelschale zwischen zwei Zinken seiner Gabel um dann unter Zuhilfenahme des Messers die andere Hälfte etwas aufzubiegen. Dann spießte er mit der Gabel ins Muschelfleisch und versuchte mit dem Messer das Fleisch aus der Schale zu lösen. Das alles hört sich zwar einfach und ziemlich professionell an, in der Praxis sah es jedoch zum Schießen aus, weil die Muschel auf dem glatten Teller rotierte und es immer ziemlich lange dauerte, bis er sie in einer stabilen und kampfunfähigen Position hatte.

Ich sag’s Euch, nichts gegen gutes Benehmen und anständige Tischmanieren – aber man kann’s auch übertreiben! Immerhin befanden wir uns in einer stinknormalen Pizzeria und nicht im Sterne-Restaurant.

Ich hab‘ keine Ahnung, wie lange er an seinen Muscheln noch rumgepittellt hat. Wir aßen unsere Pizza und gingen höchst angeheitert nach Hause. Der Wirt verabschiedete uns mit einem Augenzwinkern und wir zwinkerten zurück – wohl wissend, dass wir nie wieder würden Muscheln essen können, ohne an diesen Abend zu denken.

Noch’n Schock

Heute waren wir beim Fotograf, mein Liebster und ich. Ich kann Euch sagen …! 88|

Eine liebe Freundin hatte uns zur Silberhochzeit einen Gutschein für professionelle Fotos geschenkt und den haben wir heute eingelöst.
Im Vorfeld wurde diskutiert, wie die Bilder denn beschaffen sein sollten.
„Lasst Euch bloß nicht aufs Bänkchen hocken … das ist was für alte Leute“, wurden wir instruiert.
„Was zieht man da bloß an?“, fragten wir uns. Wir wollten – völlig uneitel – halbwegs gut aussehen, außerdem sollte das Ganze einigermaßen natürlich wirken.
Natürlich??? 88|88| Natürlich wäre gewesen: graue ausgebeulte Jogginghose und Sweatshirt bei ihm, olle bequeme Jeans und TShirt bei mir, kombiniert mit null Makeup und Zufallsfrisur. Nein, das war uns dann doch zuu natürlich!
Wir tauchten für einige Zeit in unsere Kleiderschränke ab und hielten dann triumphierend irgendwelche Teile in die Höhe. Kopfschütteln beim Gegenüber; erneuter Versuch. Nach einigem Hin und Her hatten wir uns entschieden: Jeans und Sacko für ihn, Krempeljeans, Stiefel und Pulli für mich. Schnell noch etwas Farbe ins Gesicht und die Haare mit diversen Hilfsmittelchen auf Frisur getrimmt und ab ins Auto.

Leicht verspätet (da mein Süßer – wie so oft – wieder nur die Hälfte mitgekriegt hat und gar nicht wußte, wo das Fotostudio ist) kamen wir keuchend in dem Laden an.
„Da hinten können Sie ablegen. Da ist auch ein Spiegel, da können sie sich noch etwas aufhübschen“, 88| wurde uns beschieden. Die spinnt wohl! Wir haben uns so ’ne Mühe gegeben und besser wird’s halt nicht! Aus mir wird keine Pamella Anderson und meinen Göttergatten lassen wir auch, wie er ist.

Also wurden wir vor diversen Lampen „aufgebaut“, in Positur gestellt und verbogen, bis die Knochen krachten. Es wurde an uns gezupft, gezogen, gezerrt und die Brillen zurecht gerückt. Dann sollten wir unser stahlendstes Lächeln aufsetzen und in die Kamera schauen. Das mach mal! Vor lauter Anweisungen hatten wir das Atmen vergessen und ganz allmählich schwanden uns die Sinne. Egal, irgendwann machte es „klick“ und das erste Bild war im Kasten. Juchhu!
Die ganze Prozedur wurde noch neun mal ❗ wiederholt und irgendwann landeten wir auf einer Couch (kein Bänkchen!).
Dem Herrn Gemahl fiel inzwischen das Lächeln schwer und die Fotografin versuchte alle möglichen Tricks. Ich hatte die rettende Idee. Ich sagte ihm dass da, wo wir hingucken sollten, seine zukünftige Rente sitzt – schon strahlte er, was das Zeug hielt. Das hat dann noch ein paarmal funktioniert und irgendwann waren wir mit den Aufnahmen durch. Ufff!

Kaum waren die Lichter aus und die Kamera weg, konnten wir wieder albern und lustig sein. Ganz ohne uns zu verbiegen und ohne Tricks. Fotoaufnahmen sind richtig schwere Arbeit – für beide Seiten (glaube ich)!

Ich bin gespannt, wie die Bilder geworden sind. Anfang nächster Woche kriegen wir die Probeabzüge zu Gesicht. Ich werde Euch berichten.

Auf jeden Fall kriegt meine Freundin einen Abzug davon – egal, wie die Bilder geworden sind. Da musst Du dann durch, meine Liebe! :DD

Und Ihr? – Nein, Ihr kriegt die Bilder ganz sicher nicht zu sehen! :>>

Der arme kleine Kerl

Sonntag Morgen. Ich sitze noch im Nachthemd und mit der ersten Tasse Kaffee im Wohnzimmer und versuche, den Schlaf aus den Augen und die Müdigkeit aus dem Körper zu kriegen. :yawn: Die Nacht war wieder einmal kürzer als geplant (warum zum Teufel, werde ich immer so früh wach, wenn ich mal ausschlafen könnte?).

Ich stöbere ein bisschen in diversen Blogs, beantworte eingegangene Emails und bereite mich seelisch auf die bevorstehende Fehlersuche in meiner Buchführung und die sonstigen noch anstehenden Arbeiten vor. Ein ziemlicher Berg, der heute bewältigt werden will/soll/muss. Gegen 8.30 Uhr der erste Anruf – technische und moralische Unterstützung bei Renovierungsarbeiten. Gegen 9.00 Uhr der zweite Anruf.

„Hier sitzt ein kleiner Kerl, der mich seit drei Stunden nervt, weil er zu seiner Tante will.“
Heute? Jetzt? Zu mir? Schluck! 8|
Ich überdenke kurz meine Planung und weiß, dass es beim besten Willen nicht geht. Wenn ich heute alles sausen lasse und statt dessen mit meinem süßen kleinen Neffen spiele, kriege ich keinen Anfang mehr und die verschobenen Arbeiten türmen sich zu einem riesigen Berg auf. Nur: Wie sag‘ ich es dem Kinde? :??:

„Hallo mein Schatz. Dein Papa hat mir gesagt, dass du mich besuchen willst.“
„Ja.“ 😀
„Ich hab‘ aber heute noch ganz viel zu arbeiten und hätte gar keine Zeit für dich. Du müsstest dann ganz alleine spielen. Was machen wir denn da?“
„Weiß nicht.“ 😥
„Meinst du, du hast nächstes Wochenende auch noch Lust, mich zu besuchen?“
„Ja.“ 😦
Willst du am Samstag kommen?“
„Ja.“ 😦
Du kannst dann hier schlafen und wir haben auch noch den Sonntag zum Spielen.“
„Ja.“ 😐
„Wollen wir das so machen?“
„Ja.“ 😐
„Prima, ich freue mich auf dich.“
„Ja. Tschüß.“ 😐

Die Enttäuschung in seiner Stimme ist nicht zu überhören und bricht mir fast das Herz. Um das wieder gut zu machen, kann ich mir für das kommende Wochenende was einfallen lassen! Und ich werde mir Zeit für ihn nehmen. Keine Büro-, Haus- oder Vereinsarbeiten, keine anderen Termine. Nur ER. Ich werde auf dem Fußboden rumkrauchen, Burgen, Parkhäuser und Türme bauen, mit ihm gemeinsam Mittagessen kochen, bei guter Witterung auf den Spielplatz gehen, mir seine endlosen Geschichten anhören, und, und, und. :yes:

Ich freue mich darauf und hoffe, dass er es sich bis zum Wochenende nicht noch anders überlegt und vielleicht doch lieber zur Oma will! :-/

Zahlensalat

Mit Zahlen hab‘ ich’s nicht so. Telefon- und Geheimnummern, Geburtstagsdaten und all so was kann ich mir nur ganz schwer merken. Das hat mich schon in ziemlich missliche Situationen gebracht. :-/
Aber dafür gibt’s ja diverse Hilfsmittel und inzwischen schöpfe ich die auch alle aus. Heute stehe ich nicht mehr verzweifelt vor einem Geldautomaten und überlege, ob ich einen dritten Versuch wagen und riskieren soll, dass der Automat meine Karte frisst. An Geburtstage erinnert mich der Computer und Telefonnummern kann man inzwischen ja abspeichern. 😀
So weit, so gut.

Nun allerdings muss ich mich mit Buchhaltung beschäftigen. Ich! (Den Bock zum Gärtner gemacht, oder wie sagt man da?)
Buchhaltung ist ja so eine Sache für sich und mehr was für Freaks.
Am Ende müssen die Zahlen wieder stimmen. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher, aber es ist reell und gibt das Ziel vor.

Gestern habe ich also gebucht.
Mit Hilfe meines Liebsten wurde erstmal ein Kontenrahmen erstellt und ich bekam eine kurze Einweisung ins Programm. Dann ging’s los. Den ganzen Nachmittag habe ich langweilige Zahlenkolonnen eingetippt. Ohne Pause – aus Angst, die Routine zu verlieren. Eine einzige Zahlung von 60 Euro konnte ich nicht zuordnen; die hab ich erstmal weggelassen. Dann wurde es spannend und ich wollte wissen, ob das Ergebnis stimmt.

Ich sag’s gleich: es hat natürlich nicht gestimmt. :no: Es hat um 60 Euro nicht gestimmt. Prima, dachte ich, das isses, ich muss ja die 60 Euro, die ich nicht gebucht habe, rausrechnen. Ich war schon kurz davor, mir auf die Schulter zu klopfen und den Rest des Tages mit stolz geschwellter Brust rumzulaufen, als mir dämmerte, dass die 60 Euro auf der falschen Kontenseite fehlen. :> Leck’ mich …! Jetzt geht die Sucherei los.
Da ich nun wirklich alle Zahlen miteinander vergleichen musste, habe ich mir das entsprechende Kontenblatt nur noch ausgedruckt und zur Abwechslung mal was getan, was ich wirklich kann, nämlich das Abendbrot vorbereitet. Nach dem Essen hatte ich dann echt keine Lust mehr, noch einmal an die Sache heranzugehen. :no:

Heute Morgen dann, relativ frisch und relativ ausgeruht bin ich erneut ans Werk und siehe da, ich habe den Fehler auf Anhieb gefunden. :DD:DD

Man soll also entweder die Finger von Dingen lassen, von denen man keine Ahnung hat, oder zwischendurch wenigstens mal was anderes machen, um nicht völlig plemplem zu werden. :yes:
Jedenfalls bin ich jetzt einigermaßen stolz, meine Feindseligkeit gegenüber Zahlen ein wenig relativiert zu haben! ;D

Hobby-Heimwerker

Es gibt Handwerker, Heimwerker und handwerklich geschickte Leute. Es gibt auch Leute, die sich für handwerklich geschickt halten. Das ist schlimm. Zumindest für die unmittelbar Betroffenen. 😐

Noch schlimmer ist allerdings, wenn jemand weiß, dass er handwerklich völlig unbegabt ist, und sich trotzdem an allerlei anspruchsvoller Tätigkeit versucht. 😦
Von so jemandem möchte ich heute erzählen.

Er hat etliche gute Eigenschaften, kann sehr charmant sein, gut kochen und ist sehr hilfsbereit. Ein netter Kerl halt – meistens jedenfalls.
Ein liebenswerter Chaot, eigensinnig, störrisch und sehr von sich überzeugt. Und er hat ein echtes Handicap: Er hat nicht nur zwei linke Hände sondern außerdem an jeder Hand fünf Daumen!
Bei uns sagt man: „Der kann kaan Naachel in e Pund Budder klobbe“. Und das trifft es genau. 8|

Was dieser Mensch schon an Heimwerkerarbeit abgeliefert hat, ist absolut sehenswert. Bei der Besichtigung allerdings muss man schnell sein, weil ruckzuck sind die Bauwerke wieder zusammengebrochen oder ein mitleidiger Zeitgenosse hat sie eingerissen und neu aufgebaut.
Das wäre ja alles nicht so schlimm, würde er es z.B. beim Aufhängen eines Bildes belassen. Er aber nimmt sich gern Großes vor. Er baut „für die Ewigkeit“ – also Dinge, die nur schwer wieder einzureißen sind. Holzdecken beispielsweise oder Bodenfliesen oder Gartenzäune. :DD

Viele Menschen lernen aus ihren Fehlern. Er nicht! Er liebt Hauruck-Aktionen. Beim Frühstück fällt ihm ein, dass er z.B. eine Holzdecke in der Küche haben möchte. Den letzten Schluck Kaffe nimmt er im Stehen, Jacke an und ab zum Baumarkt. Mehrere Pakete Holzpaneele landen im Einkaufswagen (muss ich erwähnen, dass die farblich meistens nicht zusammen passen und dass es entweder zu viele Pakete sind oder zu wenig?), er rennt durch die Kasse und schiebt seine Neuerwerbung zum Auto. Hier stellt er fest, dass 2,50 m lange Teile nicht in seinen Kleinwagen passen. Nun wird telefoniert. Er kennt jemanden, mit einem großen Auto. Der ist aber nicht zu Hause. Nun wird auf die Schnelle ein Kleintransporter geliehen. Der muss natürlich bezahlt werden, aber das ist egal. Das ist ihm die Sache wert.
Zu Hause muss die Ehefrau mit ran und ausladen helfen. Ihr schwant Böses und sie behält Recht. 🙄

Die eigentliche Bautätigkeit kennen wir nur vom Hörensagen. Sie beginnt damit, dass er sich beim Nachbarn Werkzeug leiht und sie endet damit, dass ihn mittendrin die Lust verlässt und er nur noch widerwillig und angetrieben von der inzwischen sehr genervten Gattin seine Arbeit beendet und die Bretter irgendwie an die Decke nagelt. 8|8|8|

Nach dem letzten Hammerschlag lässt er sein Werkzeug fallen und haut sich in seinen Lieblingssessel. Das steht ihm zu, er hat ja den ganzen Tag schwer gearbeitet. Die Gattin – inzwischen den Tränen nahe – räumt das Trümmerfeld, das einmal ihre Küche war, auf und versucht, besser nicht an die Decke zu schauen. :no: Sie kennt das alles schon vom letzten Mal, weiß, dass die Schattenfuge eher zufällig entstanden ist und dass die auf der einen Seite zwei und auf der anderen Seite fünf Zentimeter beträgt. Dafür ist sie an der gegenüber liegenden Wand gar nicht vorhanden. Auch dass die gesamte Decke zum Fenster hin etwas abfällt, weiß sie ohne hinzusehen. „Das ist alles nicht so schlimm“, hat ihr der Gatte beim letzten Mal erklärt. „Das Holz arbeitet ja noch, das zieht sich bei.“ ;D

Sie liebt ihn und sie kann ihn nicht ändern. Also findet sie sich einige Jahre mit einer weiteren verunglückten Verschönerung ab und hofft darauf, dass irgendwann einmal jemand kommt und sagt: „Komm, das machen wir neu!“. :yes:

Bis dahin kann sich der nunmehr beinahe zum Profi mutierte Hobby-Heimwerker in seinem Erfolg sonnen. B)

PS: Nur damit keine Irrtümer entstehen: Ich sprach nicht von meinem Mann!