Eine Bettgeschichte

Heute, 6.43 Uhr.
Ich fühle mich beobachtet. Er sieht mich an, mein Gesicht, meinen Körper. Er versucht, irgendwelche Anzeichen des Erwachens bei mir auszumachen. Seine Blicke kann ich auf meiner Haut spüren. Ich atme ganz flach, stelle mich schlafend und warte ab, was weiter passiert. Sein Gesicht kommt meinem ganz nah, nun kann ich auch seinen schweren Atem spüren. Er hebt die Bettdecke und schlüpft zu mir, kuschelt sich in meinen Arm. Er „wanzt sich ran“, legt seinen Arm um meinen warmen Bauch, schlingt sein Bein um meine Beine. Ich streichle ihm den Rücken und er genießt es sichtlich. Ein paar Minuten kuscheln am frühen Morgen – pures Glück! 😀

Eine schwere Hustenattacke entreist uns der Zweisamkeit. Er ist erkältet, die Nase ist verstopft und der Husten will einfach nicht besser werden. Nase putzen ist angesagt und überhaupt hat er jetzt genug gekuschelt. 😐 Es ist kurz vor 7.00 Uhr und er will jetzt spielen. Und Hunger hat er auch. Schweren Herzens entsteige auch ich der warmen Koje. Gemeinsam kochen wir Kakao und frühstücken.
Nach Anziehen, Zähneputzen und dem ganzen unnötigen Trara am frühen Morgen beschließen wir, eine Weihnachtskrippe zu basteln. Ich! Basteln! Welche Herausforderung für meine Ungeduld!

Wir suchen uns die notwendigen Utensilien zusammen. Karton, Blei- und Filzstifte, Lineal, Schere, diverse Klebstoff und Packpapier und machen uns ans Werk. Schnippeln, malen, kleben. Ich zeichne ihm mit Bleistift ein Fenster, einen Heuhaufen, ein Spinnennetz und sogar einen Bollerwagen vor, die er dann mit Filzstift ausmalt. Ich habe nur eine vage Vorstellung davon, wie so ein Bollerwagen aussieht. Er weiß es und gibt mir genaue Anweisungen.
Das alles braucht natürlich seine Zeit und mir fällt siedendheiß ein, dass ich das Gulasch fürs Mittagessen noch anbraten muss.88| Also betraue ich ihn mit einigen Aufgaben und verziehe mich in die Küche. Es dauert nicht lange, da steht er neben mir. „Was machst Du da?“ „Ich bereite das Mittagessen vor.“ „Was gibts dazu?“ „Kannst Du Dir aussuchen. Nudeln oder Klöße.“ „Klöße! Mit Brösel drinn.“ (Wenn schon, denn schon. Da kommen jetzt auch meine Gene durch!) „Dann musst Du das Brot schneiden, ich schaffe das sonst nicht alles.“ „Ja, prima!“, antwortet er und sitzt schon am Tisch. Ich schneide die Brotscheiben, er macht daraus kleine Würfelchen.
Die Krippen-Baustelle ruht. :-/
Ich brate die Brotstückchen in Butter und er beobachtet jeden Handgriff ganz genau. Dann haben wir wieder etwas Zeit für unsere Bastelarbeit. Jetzt ist wieder kleben angesagt. Es dauert nicht lange, da klebt so ziemlich alles, was auf dem Tisch liegt. Gott sei Dank haben wir eine dicke Lage Zeitungspapier untergelegt. 🙂

Nun sind die Klöße dran. Natürlich will er auch hierbei helfen und wir machen einen Deal. Ich forme die Klöße und er schaufelt in jede Mulde eine Ladung Brösel. Dann kommen die Klöße ins Wasser. Mittlerweile hat er richtig viel Hunger, wie er immer wieder betont. Um ihm die Zeit zu vetreiben, lasse ich ihn den Tisch decken. Aus den Servietten baut er kleine Kunstwerke.
„Wo kommen die Salatschälchen hin?“, fragt er. „Oben links, neben den Teller“. „Wo ist links?“ Er arbeitet beidhändig, es ist ihm völlig wurscht, wo links und rechts ist. „Über der Gabel“, antworte ich. „Dann sag‘ das doch gleich“, mault er. Offensichtlich hatte er erst das falsche links angepeilt. 🙄

Dann konnten wir endlich essen und er schien wirklich Hunger zu haben. Zwei Klöße verschwanden in Windeseile in seinem Mund. Ich habe nur 1 1/2 geschafft. „Das schmeckt gut“, sagt er. „Wie bei meiner Oma Ull.:!: Da haben wir das auch mal gegessen.“ Ein echtes Kompliment. :>> Allerdings muss das eine ziemliche Weile her sein. Meine Mutter hat schon vor geraumer Zeit beschlossen, nicht mehr zu kochen (leider, denn sie kocht sehr gut).

Nach dem Mittagessen verziehe ich mich eine halbe Stunde ins Bett (irgendwie fehlt mir noch eine kleine Mütze voll Schlaf) und überlasse die Männer dem Tippkick-Fußballspiel.

Um halb vier kommen seine Eltern. Wir trinken noch gemeinsam Kaffee, dann fährt die Familie nach Hause. Ich sitze nun hier mit einer nicht ganz fertig gestellten Weihnachtskrippe und ein paar kümmerlichen Resten der gestern gebackenen Plätzchen.
Und es ist wieder sehr still geworden, im Haus. Schade! 😦

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