Es kommt alles wieder

Nachdem ich kürzlich in einem Blog über eine 50-Jahre-Ausstellung gelesen habe, ist mir ein Erlebnis wieder eingefallen, dass wir vor einiger Zeit hatten.

Wir hatten unser Wohnzimmer renoviert und über dem Esstisch war eine neue Lampe fällig. Wer schon mal Lampen gekauft hat weiß, wie schwierig solche Käufe sind. Im Laden baumeln hundert Lampen von der Decke und mindestens eben so viele stehen um einen herum. Man sieht nach oben und muss sehr darauf achten, keinen unbedachten Schritt zu tun, sonst ist das Chaos perfekt. Außerdem kann man sich in dem ganzen Lampenwirrwarr überhaupt nicht vorstellen, wie eine einzelne davon sich über dem heimischen Esstisch macht. Lampenkauf ist eine echte Herausforderung für die Vorstellungskraft, die Nervenstärke und nicht zuletzt für den Geldbeutel. 😐

Wir bahnen uns also einen Weg zwischen all den ausladenden Stehlampen, greifen gelegentlich zu einem Preisschild, schlucken und schlendern weiter.
Plötzlich finden wir uns vor einem Monstrum wieder, dass in unseren Augen an Scheußlichkeit kaum zu überbieten ist. Eine Tütenlampe! 88| So ein Ding, wie es unsere Eltern und die Eltern unserer Freunde früher in der guten Stube stehen hatten. Der einzige Unterschied zu früher: die Tüten waren in verschiedenen Farben, ansonsten war alles beim alten. Die biegsamen Arme, mit deren Hilfe man das spärliche Licht in die gewünschte Richtung lenken konnte, die Verschnürung, mit denen diese Arme an einem Punkt zusammengeführt wurden und der Lampenfuß. Wir standen einigermaßen fassungslos davor. ‚Das gibt’s doch gar nicht‘, schoss es uns durch den Kopf, und ‚wer kauft denn so was?‘. :??:
Aus Spaß linste ich mal auf das Preisschild und mir verschlug es die Sprache ob des astronomischen Betrags, der dafür aufgerufen wurde. Mit Grausen wandten wir uns ab.
Nach etlichen weiteren Runden durch den Laden und immer noch unentschlossen und wenig begeistert von dem Angebot kamen wir wieder an der Stelle mit dem Monstrum vorbei. Ein Pärchen – Anfang zwanzig – stand davor und war total entzückt. :yes: Wir hielten einen kleinen Abstand und lauschten unhöflicher weise ein bisschen. Die Beiden gerieten völlig aus dem Häuschen angesichts dieses Designerstückes! Sie malten sich aus, wie sich dieses Prachtexemplar wohl in ihrer Wohnung machen würde, wo es am besten platziert sein würde.
Als sie anfingen, ihre Finanzlage zu diskutieren, gingen wir kopfschüttelnd weiter und dem Ausgang entgegen – ohne Lampe. Insgeheim überlegte ich, wie lange wir unsere alte Wohnzimmerlampe wohl aufheben müssten, um sie irgendwann einmal als hochmodern wieder installieren zu können. Gefallen würde sie mir dann wohl auch nicht mehr, mal ganz abgesehen davon, dass ich soo alt gar nicht mehr werden kann. :no:

Ich habe keine Ahnung, ob das Pärchen die Lampe gekauft hat. So begeistert, wie sie waren, gehe ich aber davon aus.
Es ist wohl wirklich so, dass man alles, was man in grauer Vorzeit schon mal gehabt oder gesehen hat, nicht mehr so toll finden kann. Also weg mit dem alten Krempel – oder gaaanz lange aufheben, damit die Enkelkinder irgendwann ihre Freude daran haben. ;D

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s