Festfolge

Heilig Abend fängt bei uns mit Kaffeetrinken an. Meine Schwägerin bringt selbstgebackene Plätzchen, Apfel- und Mohnstrudel mit und die Völlerei kann beginnen. Mein kleiner Neffe war total aufgedreht und konnte es bis zur Bescherung gar nicht abwarten. Er habe einen riesigen Hunger hat er mir schon vorher erklärt und ich habe ihm noch vor dem Kaffeetrinken ein Käsebrot gemacht. Hinterher habe ich erfahren, dass er normalerweise gar keinen Käse isst. Er war so hibbelig, dass er vermutlich auch Pappe hätte essen können, ohne es zu merken. Und die Schnatter stand keine Sekunde still; alles wurde kommentiert. 🙄 Sein großer Bruder, inzwischen 16 Jahre alt, war die Coolness in Person. Er erledigte geschwind noch ein paar wichtige Telefonate mit dem Handy und besuchte dann kurz seinen leiblichen Vater, der in unserer Nähe wohnt.

Dem kleinen narrischen Zwockel hatte ich erklärt, dass Bescherung um 18 Uhr sei und er zählte nun die Minuten. „Duu, Tante Caipi, noch soundsoviele Minuten …“, wurde ich ständig auf dem Laufenden gehalten. Nun war es bald 18 Uhr, aber sein Bruder war noch nicht zurück und ohne ihn konnten wir ja schlecht anfangen. :-/ Der kleine Mann rannte zehnmal vor die Tür um nachzusehen, ob er denn endlich käme. Dann hielt er es nicht mehr aus und rief ihn an. „Du MUSST jetzt kommen,“ schrie er ins Telefon, „es ist schon 18.03 Uhr!!!“ Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.

Dann kam der Bruder und wir tranken ein Glas Sekt und wünschten uns frohe Weihnachten. Der Kleine lag inzwischen bäuchlings unterm Tannenbaum und inspizierte die Geschenke. Endlich hatte er was gefunden, wo sein Name drauf stand und endlich, endlich konnte Weihnachten richtig losgehen. 😀
Ritsch, ratsch – Papierfetzen flogen durch die Gegend und Sprüche wie „ey, geil!“, gefolgt von „ey, voll geil!“ waren zu vernehmen. Als er seine Pakete vermeindlich alle ausgepackt hatte, durfte er die anderen Geschenke verteilen und an den Mann bzw. die Frau bringen. Er hatte tatsächlich seine Spardose geplündert und für jeden eine Kleinigkeit gekauft. Die Geschenke wurden entsprechend bewundert und sein guter Geschmack gelobt. „Das hat drei Euro vierzig gekostet!“, vernahm man stolz aus seinem Mund oder bei dem großen Geschenk für seine Mutter: „Das hat neun Euro neunzig gekostet!“
An seiner Technik zu Schenken, muss er noch etwas feilen. :yes:

Neben meinem Bruder stand noch ein großes, ungeöffnetes Paket. Für den kleinen Mann ein unhaltbarer Zustand! Er wußte dass da eine Bohrmaschine drin war, das hatte ihm die Oma vorher verraten und prompt kam der Satz: „Papa, Du hast Deine Bohrmaschine noch gar nicht ausgepackt!“ Gemächlich machte sich mein Bruder daran, die Schleife zu entknoten und das Band ordentlich aufzuwickeln. „Ach Daniel, ich glaube, da musst Du mir mal helfen“, meinte er zu seinem Sohn. Der schritt auch direkt ans Werk und riss das Papier nach erprobter Manier vom Karton. Seine Augen fielen ihm bald aus dem Kopf, als statt der Bohrmaschine die riesige Cargohalle seines bevorzugten Spielzeugherstellers zum Vorschein kam! 8| 8| Dass die unmöglich für seinen Vater bestimmt war, schnallte er sofort und riss das definitiv letzte Paket strahlend an sich. Danach hockte er auf dem Fußboden und baute seine diversen Schätze auf und wir konnten uns endlich mal in Ruhe unterhalten.

Später gab es Abendessen und der kleine Mann erklärte, gar keinen Hunger zu haben. „Wieso nicht?“, wurde er gefragt. „Ich hatte nur Hunger auf Geschenke!“, kam die prompte Antwort. :DD Er hat dann doch noch ein Käsebrot (!) verdrückt, „weil das so gut schmeckt“.
Noch ein unerwartetes Geschenk an seine Familie: er isst jetzt wieder Käse! :>>

Gegen 23.00 Uhr rückten alle wieder ab und Friede zog ein in unser trautes Heim. Wir räumten noch ein bisschen auf und tranken ein letztes Glas Sekt – ganz in Ruhe und vor einem geplünderten Weihnachtsbaum. Schön war’s. 😉

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3 Gedanken zu “Festfolge

  1. Hallo Caipi, ich hatte das Gefühl, beim Geschenkauspacken dabei zu sein, so plastisch ist alles geschildert. Vor Allem erinnert es an Heiligabende von vor Jahren, als meine beiden Kinder (jetzt 23 bzw. fast 18) noch klein waren, und es ähnlich aufregend zuging, beim Auspacken oder Spielen hinterher.
    Bis bald – und netten Ausklang des Weihnachtsfestes.
    Karin

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    • Dunkel erinnere ich mich an die Weihnachtsabende meiner eigenen Kindheit. Wir waren auch total aufgedreht und konnten es nicht erwarten. Allerdings bekamen wir auch mal einen neuen Anorak oder ähnlich praktische Dinge geschenkt. Damit bräuchte man den Kids heute gar nicht mehr zu kommen!
      Trotzdem macht es Spaß anzusehen, wie er sich freut.

      Dir auch einen geruhsamen Abend! Caipi

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