Typisch deutsch

„Mein“ Handwerker ist gerade dabei, den Fußboden mit Folie abzudecken und empfindliche Stellen abzukleben sowie Arbeitsmaterial aus dem Auto zu holen. Wir haben Tag der offenen Tür und ich sitze so rum und bewache den Eingang (übrigens mit Hexenschuss, weil mein Rücken die gestrige Möbelschlepp-Aktion nicht so gemocht hat :(). Also habe ich kurz Zeit und kann berichten, was die Gemüter in unserer Landeshauptstadt derzeit bewegt:

Vor einiger Zeit beschloss die Stadt, die aus den 70er Jahren stammende Fußgängerzone zu modernisieren. Es wurden Teilstücke mit neuen Platten belegt die zwar einfach nur grau waren, aber als Gag weiß-graue Erhebungen aufwiesen die aussahen, als habe jemand gerade einen Kaugummi hingespuckt.
Ganz tolle Idee! :??:
Nun weiß man überhaupt nicht mehr, wo man hintreten soll, weil man die echten von den unechten Kaugummis nicht mehr unterscheiden kann.

An anderer Stelle wurden ganz vereinzelt kleine Metallplatten (30 X 15 cm oder so) eingelassen, was natürlich sofort die Pessimisten auf den Plan rief, die eine unverantwortliche Unfallgefahr z.B. bei Nässe sahen und damit das Risiko für die Stadt, in Regress genommen zu werden. 🙄
Dann wurden irgendwelche Steinplatten aus China verlegt, die ein Wahnsinnsgeld gekostet haben und sich nach kurzer Zeit selbst zerstörten. War also auch nicht das Gelbe vom Ei. :DD

Der neueste Clou: Es wurden an einer Stelle sogenannte Klangplatten verlegt. Das sind wohl neun Platten nebeneinander, die beim Betreten verschiedene Töne produzieren. Eine Gaudi für die Kinder und in der Samstag-Ausgabe der örtlichen Tageszeitung als Innovation gefeiert. 😀

Bereits in der Ausgabe vom Dienstag war dann von Beschwerden der Anwohner und Geschäftsleute zu lesen, die den Lärm unertäglich finden und die sofortige Abschaffung verlangen. Geil, oder? 😛

Eine Fischbraterei mit Straßenverkauf in direkter Nachbarschaft beschwerte sich, dass sie die Kundenwünsche nicht mehr verstehen könnten, da das Ding viel zu laut sei und eine Hand voll Anwohner maulten, weil ihre Nachtruhe gestört würde (wohlgemerkt, unsere Innenstadt ist nachts sowas von tot …!).
Jedenfalls musste sofort für Abhilfe gesorgt werden. Es wurden Messungen durchgeführt, wie laut das Ding eigentlich ist und bis auf weiteres werden die Klangplatten nun allabendlich mit einer dicken Eisenplatte abgedeckt und das Areal abgesperrt. 8| Die Installationsfirma ist damit beauftragt, das Ding via Zeitschaltuhr zu steuern und irgendwie die Lautstärke zu drosseln.
Willkommen in Groß-Schilda.

Noch Fragen, wo unsere Steuergelder hingehen? :no:

5 Gedanken zu “Typisch deutsch

  1. Ach Du Sch**ße, wo passiert denn sowas?

    Ich arbeitete und lebte (in dieser Reihenfolge) mal in einem Städtchen (45.000 Einwohner), wo man aus einem Markt-/Parkplatz mit Millionenaufwand eine Karikatur des Petersplatzes machte. Statt des römischen Obelisken mit einem himmelblauen „Bohrturm“ in der Mitte :))

    Guckst Du:

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    • Hähä, auch schön – für wenn den Stadtplanern so gar nichts mehr einfällt! Wenn die das aus eigener Tasche bezahlen müssten, würde so mancher Unfug nicht passieren.
      Hier (WI) versucht man, es allen Recht zu machen – was ja bekanntlich immer in die Hose geht. Irgendwer findet immer was zu mäkeln und dann wird halt was Neues ausprobiert. So entsteht ein prima Stückwerk, das einer Landeshauptstadt – dazu noch einer, die sich Kurstadt rühmt – so gar nicht zur Ehre gereicht.

      Übrigens: heute bin ich schwach geworden und hab‘ meiner Lust auf Nutella nachgegeben. War nur ein Portionsdöschen, dafür aber super lecker. Du bist Schuld!!!

      PS: Danke!

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  2. Innovation würde ich das nicht gerade nennen… in unserer Stadt gibt es auch Klangplatten, aber schon seit fast 10 Jahren. Sie liegen am Rand des Marktplatzes, dem Kirchturm zu Füßen. Wenn man also nicht unbedingt drauftreten will, läuft keiner versehentlich drüber. Man muss außerdem schon mächtig hüpfen, um sie zum klingen zu bringen. Bei Nacht und im Winter funktionieren sie übrigens nicht. Und so laut, dass sich mit Verkaufen beschäftigte Einzelhändler beschweren könnten, sind sie bei Weitem nicht… es fällt gar nicht auf in der Geräuschkulisse der Stadt.

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  3. Naja, Wiesbaden ist ja ein bisschen verschnarcht. Da wird jeder neue Fahnenmast gefeiert und so „hochmoderne“ Klangplatten sind schon was besonderes! Wenn es dann noch gelingt, die Lautstärke zu drosseln und die Dinger nachts abzuschalten, werden vielleicht auch die Nörgler wieder versöhnlich gestimmt.
    Schönes Wochenende! Caipi

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