Stolpersteine

Die hiesigen Bürgersteige sind eine Sache für sich und wer schon mal in Südeuropa unterwegs war, hat vielleicht eine vage Ahnung, wie gefährlich man hier als Fußgänger lebt. Das ist nämlich noch eine ganze Ecke schärfer. 8| Die Bordsteinkante ist mitunter bis zu 35 cm hoch und damit nichts für kurzbeinige Gesellen. Gelegentlich hören sie auch abrupt auf oder enden irgendwo mitten in der Fahrbahn. Jeder, der ein Haus baut oder irgendwie Baustoff übrig hat, kippt das Zeug auf die Straße und am Ende nennt man das Gehweg. 🙄

In der Haupteinkaufsgegend hier in „unserer“ Stadt hat man nun begonnen, die so erzeugten Bürgersteige mit keramischen Platten etwas netter zu gestalten. :DD Da wir schon einige Zeit in der Stadt unterwegs und ziemlich durstig waren, setzten wir uns in eine Straßenkneipe direkt neben eine solche Baustelle und bestellten Bier. Das Schauspiel, das sich uns bot, war absolut sehenswert! :)) Selten habe ich so wenig Motivation auf einem Haufen gesehen. Jede Menge Bauarbeiter schlurften umher, rauchten, beratschlagten, hoben einen Hammer auf, legten ihn wieder nieder, quatschten mit Passanten oder dem gelangweilt in der Tür lehnenden Kellner. Einer der Männer war damit befasst, die Baustelle zu sichern. Das erfolgte mittels einiger Holzplanken, die an Bäume und Bierkisten gelehnt wurden und die die Bürger davon abhalten sollten, auf frisch verlegten Platten rumzulatschen. Genutzt hat das natürlich gar nichts und wir beobachteten belustigt, wie sich ganze Heerscharen durch einen schmalen Spalt zwischen Baum und Absperrung zwängten und sich unter ihrem Gewicht der weiche Untergrund immer lustig durch die Fugen drückte. :##

Irgendwann begann einer der Arbeiter, in einem längs halbierten, alten Ölfass oder ähnlichem, neuen Mörtel anzurühren. Dann verschwand er erst mal wieder. Nach geraumer Zeit kehrte er zurück, zündete eine Zigarette an und begann – die Kippe lässig im Mundwinkel – ein paar der Platten in eine passende Form zu bringen um diese dann tatsächlich mittels der inzwischen etwas angetrockneten schwarzen Pampe auf den Boden zu pappen. :.
Dass er hierzu keine Wasserwaage bemühte, konnte ich verstehen. Bei dem in alle Richtungen schiefen Untergrund hätte ich auch nicht gewusst, wo ich das Ding hätte hinlegen sollen. Ein Richtscheit haben wir auf der Baustelle liegen sehen; benutzt wurde auch das nicht. Wozu auch die Platten exakt ausrichten, wenn die Fußgänger sowieso alles wieder zertrampeln? ;D

Nach dem zweiten Bier mussten wir gehen; ich hätte sonst die Krise gekriegt!
Sicherheitshalber werden wir weiter nur gesenkten Hauptes durch die Stadt marschieren und genau darauf achten, wo wir hintreten – noch weiß ich nämlich nicht, wie man in Brasilien mit gebrochenem Hax’n in eine Klinik kommt und was dann dort genau passiert. |-|
Das muss ich auch nicht unbedingt haben.

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4 Gedanken zu “Stolpersteine

  1. lol. Eine schöne Alltags-Geschichte. Da hätte ich auch stundenlang sitzen können.
    Ich kann mir aber jetzt irgendwie die Bevölkerungs-übergreifende Saba-Motorik dieses Volkes viel besser erklären. Irgendwoher muß die ja rühren.

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  2. Beim Samba bewegen sie ihren Ar… wie wild (zumindest die Mädels). Bei den Arbeitern war von Bewegung nicht viel zu sehen. Es war wirklich amüsant zu beobachten, wie man sich um Arbeit drücken und trotzdem irgendwie geschäftig wirken kann. So was will auch gelernt sein!

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