Was soll das ???

Beim Abarbeiten der Postberge bin ich nun beim Stapel „unerwünschtes“ angelangt und auf etwas ganz skurriles gestoßen:

Ein 150-seitiger Hochglanz-Katalog ‚Sommer 2007 – Alles für Rinder und Pferde‚.

Eine süddeutsche Firma bietet uns ihren freundlichen Service und individuelle, kompetente Beratung bei der Pferde- und Rinderzucht an und möchte uns die Arbeit mit unseren Tieren erleichtern. :??:
Das ist nett.
Dumm nur, „iisch ‚abe gar kein Rindvieh“. (Von den zweibeinigen, die sich gelegentlich in unserem Umfeld bewegen, mal abgesehen. Die muss man aber nicht züchten die vermehren sich von selbst.) 😦
Ich kann also weder mit dem ‚Breitbandisolator-TurboLine’ für nur € 19,99 noch mit dem ‚Eintreibbogen mit gebogenem Treibgang’ für € 7.699,00 etwas anfangen. Ich wüsste auch nicht, was mein Liebster dazu sagen würde, wenn ich ihm das ‚Fressgitter OBLIQUE’ für € 142,90 hinstellen würde, womöglich noch mit ‚dreisprossigem Nackenriegel’ (€ 235,00). 8|
Selbst die ‚Vierecktraufe ABRIBAL’ für € 999,00 ist zu groß für unseren Garten.

Eventuell Verwendung hätten wir bestenfalls für die ‚Hufraspel’ zum Preis von € 24,90 oder auch noch für den ‚Eurofarm-Enthorner mit Trafo’ für € 169,00. 88| Aber bevor ich die Bestellung aufgebe, frage ich noch mal nach, wie die Preise für eine fachgerechte Pediküre mittlerweile sind.

Auf der Katalogrückseite ist tatsächlich unser Name und die ordnungsgemäße Anschrift aufgedruckt. In welchem Verteiler sind wir da denn wieder gelandet, wie kommen wir da hinein und – noch wichtiger – wie wieder heraus? :##

Verwunderte Grüße!

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Das süße Leben …

… ist vorbei. *Schluchz*
Mitgebracht habe ich jede Menge neuer Eindrücke, schwere Steine, einen Koffer voller Schmutzwäsche und … SONNE!

Das für heute ursprünglich geplante Grillfest wurde abgesagt, weil das Wetter so unbeständig sei :??:
– und schon müssen wir uns wieder um alles selber kümmern >:-( ,
so’n Mist aber auch!
Egal, ich grabe jetzt erstmal die dreckige Wäsche um, räume den letzten Koffer aus und düse in den Supermarkt. Wär‘ doch gelacht, wenn ich heute Abend keine Bratwurst kriege! Ach ja, und Limetten brauchen wir auch (bevor ich Entzugserscheinungen kriege)!
Euch allen ein strahlendes Wochenende mit leckeren Grillsteaks, erfrischenden Getränken und Sonne satt!

Nudelsalat

Wieder mal eine Grillfete – diesmal außer Haus. Ich wollte etwas Deutsches beisteuern und entschied mich für Nudelsalat. Man kennt auch hier Kartoffel- und Nudelsalat und nennt es schlicht „Maionese“. Aus etwas anderem besteht das auch meistens nichts. Diese Salate sind unglaublich dick und schwer und schmecken nach gar nichts. 😐
An Kartoffelsalat habe ich mich hier schon mal versucht und er hat auch allen gut geschmeckt. Allerdings haben mich die Kartoffeln nicht so überzeugt. Deshalb also diesmal Nudelsalat.

Wir sind in den Supermarkt marschiert und haben eingekauft. Nudeln sind kein Problem, gleiche Sorte, wie zu Hause auch. Minidöschen Erbsen + Möhren haben wir gefunden und „salsicha tipo Viena“ (Wiener Würstchen), ebenfalls in der Bonsaiausgabe und sogar saure Gurken.

Spannend wurde es erst bei der Brühe. Es gibt diverse Fertigsuppen und Würzhilfen von verschiedenen Herstellern. Dummerweise werden die dann auch an verschiedenen Stellen im Supermarkt dargeboten, so dass wir mehrmals rätselnd vor einem Regal standen – natürlich ohne Wörterbuch. 8| Linas Beistand war in dem Fall nicht wirklich eine Hilfe. Sie konnte sich nicht vorstellen, für was man Brühe braucht, wenn man einen Salat herstellen will und offerierte uns allerlei Cremesuppen.
Mehr durch einen glücklichen Zufall habe ich mich für „caldo de burro“ entschieden und hatte Glück: hierbei handelt es sich tatsächlich um Rindfleischbrühe! 😀

Zu Hause habe ich dann die Nudeln gekocht. Linas Topfsortiment lässt einiges zu wünschen übrig und ich musste auf einen ziemlich breiten, aber nicht sonderlich hohen Topf mit kleinem Siebeinsatz zurückgreifen. In der Mitte des Deckels befinden sich vier dicke Löcher, deren Sinn sich mir noch nicht erschlossen hat. Gekocht wird hier mit Propangas und es dauerte ziemlich lange, bis das Wasser wenigstens am sieden war. Also Salz dazu und nach einer weiteren Wartezeit auch die Nudeln. „Barilla“; brauchen normalerweise 11 Minuten. Hier waren sie eine knappe halbe Stunde im Wasser (‚langsam gar ziehen lassen’, nennt man das glaube ich in der Fachsprache). :))

Ich hatte also genügend Zeit, die restlichen Zutaten klein zu schnippeln. Besonders die Wiener Würstchen hatten es mir angetan. Das einzige, was sie mit dem Original gemein haben, ist die Form. Die Konsistenz würde ich mal mit „Softgummi“ umschreiben, für den Geschmack fehlen mir die Worte. Auch die Gurken schmecken etwas anders, als bei uns, aber es kommt in etwa hin.
Gott sei Dank benötigt man zur Herstellung eines Salates nicht allzu viele Küchenutensilien, sonst hätte ich mich in „unserer“ chaotischen Küche dusselig gesucht. 🙄
Jedenfalls hab’ ich alle Zutaten zusammengeworfen, ein bisschen umgerührt und fertig war mein fast deutscher Nudelsalat. Irgendwoher hat Lina eine verschließbare Schüssel gezaubert und wir konnten ihn sicher zur Fete transportieren.

Und: Er wurde sehr gelobt und ist restlos alle geworden. War wohl mal was anderes, als die hiesige Maionese-Pampe. :yes:

Essgewohnheiten

Brasilien ist das Land der Bohnen. Nirgendwo sonst habe ich so viele verschiedene Bohnensorten gesehen wie hier. In der örtlichen Markthalle gibt es einen Stand, der alle erdenklichen Farben, Formen und Größen anbietet. Besonders beliebt sind die schwarzen Bohnen, die in einer relativ dünnen Soße schwimmen und über den Reis gekippt werden. Sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber gut. Mit diesen Bohnen wird auch das Nationalgericht Feijoada gekocht, eine Art Eintopf mit verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten. Sehr lecker! :yes:

Das Essen bei unseren Gastgebern ist sehr abwechslungsreich. Es gibt Geflügel, Fisch oder Fleisch, verschiedene Gemüsesorten, Salate, gelegentlich Kartoffeln. Dazu gibt es immer – also wirklich jeden Tag – Reis und Bohnen. Allmählich kommt mir beides zu den Ohren wieder raus und die Portionen, die ich davon nehme, werden immer kleiner. :-/

Was es praktisch auch täglich gibt, ist farofa. Das ist in Butter gebratenes Maniokmehl, gelegentlich mit Eiern, Wurst- oder Schinkenstückchen drin. Je nach Zubereitung hat es die Konsistenz von Sägespänen bis Rührei. Wenn es ordentlich gewürzt ist, schmeckt es gut. Mir dient es dazu, die Bohnenbrühe etwas anzudicken, aber auch zu gegrilltem Fleisch ist es lecker.

Ach ja, und Käse! Ich habe noch nie soviel Käse gegessen, wie hier. Das Bundesland Minas Gerais ist das, was Holland oder die Schweiz für Europa ist; seine Bewohner mithin Käs’köppe. :))
Es gibt alle Sorten, die wir von zu Hause auch kennen, mit Ausnahme von Brie oder Camembert. Besonders lecker ist eine Sorte, die hier einmal in der Woche auf dem Markt bei einem Bauern gekauft wird. Jeden Samstag ein Wagenrad in der Größe eines großen Esstellers, ca. 6 cm hoch. Anfangs hat er die Konsistenz von etwas festerem Frischkäse, im laufe der Woche verfestigt sich das ganze noch. Am Freitagabend ist er alle (wir sind vier Personen) :oops:, am nächsten Morgen wird ein neuer Laib gekauft.
Der wird mir fehlen, wenn ich wieder zu Hause bin. Ebenso das frische knusprige Weißbrot, das man rund um die Uhr beim Bäcker kaufen kann.
Und noch vieles mehr! :yes:

Ungläubiges Staunen

Es ist wirklich toll hier und wir genießen unseren Aufenthalt in vollen Zügen. Alle sind sehr bemüht um uns und machen uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich. Ich habe schon ein richtig schlechtes Gewissen.

Der Haushalt, in dem wir zu Gast sein dürfen, ist gut situiert und sehr gepflegt. Allerdings auch ziemlich chaotisch. Das absolute Highlight in meinen Augen ist die Küche. Nichts hat einen wirklich festen Platz. Die Teller stehen mal hier und mal dort im Schrank. Mit den Tassen ist es genau so. Angeblich liegt das an der Hausangestellten, die alles umräumt. Das stimmt auch zum Teil; unser Zimmer hat sie ja auch schon mehrfach umgeräumt und unsere Sachen neu arrangiert. :-/
Was allerdings die Küche betrifft, da steht die Hausfrau ihrer Angestellten in gar nichts nach. :yes:

Besonders schrill finde ich auch die Sache mit dem Reinigen des Geschirrs. Es gibt eine Spülmaschine, die allerdings selten oder eigentlich nie benutzt wird (und wenn, dann nur für bestimmte Dinge). Ich glaube, das Ding spült nur mit kaltem Wasser, was ja nicht wirklich Sinn macht und erklären würde, warum sie nicht benutzt wird. 🙄

Also wird von Hand gespült und da kriege ich wirklich was zuviel. Unter laufendem (kaltem!) Wasser wird alles einzeln eingeschäumt und erstmal irgendwo abgelegt. Wenn dann jeder Teller, jedes Glas mit einem dicken Schaumberg versehen ist, wird es unter dem immer noch fließenden Wasser wieder abgespült und zum Abtropfen in einem Korb geparkt. Das alles verbraucht Unmengen Wasser und Unmengen Geschirrspülmittel. 88|
Wer dann ein frisches Glas oder eine Tasse benötigt, wühlt erst einmal in dem Korb. Wenn dieser dann wieder halb leer ist, wird der Rest irgendwo in die Schränke gestopft und mit dem benutzten Geschirr beginnt das Spiel von vorne. Geschirrtücher zum Abtrocknen gibt es nicht.

Unsere Art des Spülens wird in Brasilien als unhygienisch empfunden. 🙄 Sie können nicht glauben, dass das Geschirr auch mit wenig (heißem) Wasser und wenig Spülmittel nicht nur sauber, sondern sogar rein wird. Beim letzten Besuch habe ich in knapp drei Wochen fünf große Flaschen Geschirrspülmittel kommen und gehen sehen. Wer ein kleines bisschen Umweltbewusstsein mitbringt, dem stehen hier die Haare zu Berge! >:-[

Was auch hoch interessant ist, ist die Warmwasserbereitung. Warmes Wasser kommt auch hier aus der Leitung. Mal mehr, mal weniger. Manchmal auch gar nicht. :)) Das ist schon seit sechs Jahren so. So lange kenne ich dieses Haus. Wenn es meines wäre, würde ich irgendwann mal jemanden mit der Reparatur beauftragen. Hier nimmt man das als gegeben hin und arrangiert sich. Geduscht wird eben im Laufe des Tages, wenn es auch draußen etwas wärmer ist und man hoffen kann, dass dann auch das Wasser etwas weniger kalt ist. :??:
Gewöhnungsbedürftig und in meinen Augen auch unverständlich, zumal das Problem als solches erkannt ist. Wert wird eben auf andere Dinge gelegt.

Auch ich habe mich inzwischen mit der unfreundlichen Dusche arrangiert und den Rest nehme ich notgedrungen auch hin. Man muss es ja im eigenen Haushalt nicht genauso machen. Gewiss aber werde ich das erste Duschbad zu Hause ganz besonders genießen! :yes: :yes:

PS: Die Türen quietschen auch alle. Unser nächstes Gastgeschenk wird ein Ölkännchen sein.
PPS Nach dem Besuch in Belo Horizonte:
Wenn ich irgendwo in Brasilien mal eine nicht quietschende Tür finde, werde ich ihr einen gesonderten Blogeintrag widmen!! 😀