Eiszeit

Dresden ist eine wirklich schöne Stadt, aber leider schweinekalt. Zumindest am letzten Wochenende. Es war eine richtig gute Entscheidung, meine Winterjacke mitzunehmen und noch besser war, dass sich in deren Taschen meine Handschuhe wiederfanden. Gelobt sei meine Unordnung! 😀

Die Bahnhofsgegend (Radebeul-Ost) ist nicht sonderlich einladend. Als erstes fiel unser Blick auf ein ziemlich marodes Haus: DDR-grauer Putz, eingeschlagene Fensterscheiben. Auweja, wo sind wir denn hier gelandet? Auch der Bürgersteig – soweit vorhanden – war eine Herausforderung für unsere Kofferrollen. Abwechselnd Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und Splitt. Das Kopfsteinpflaster setzte sich bis zum Hotel fort, war aber jetzt noch mit nassem Laub bedeckt. Es war ein ziemliches Gezerre, bis wir mit unserem Gepäck am Ziel ankamen, obwohl der Weg gar nicht so lang war.
Wir bekamen ein sehr schönes großes Zimmer mit Balkon und eingerichteter Küche, packten unsere Habseligkeiten aus und gingen erstmal auf Erkundungstour. Um uns herum war tote Hose: reine Wohngegend. Zum Teil sehr schön renovierte alte Häuser und Villen, eine Tankstelle, ein griechisches Restaurant, ein Supermarkt und ganze zwei Kneipen. :-/
Eine davon erklärten wir spontan zu unserer Stammkneipe und bestellten R*deberger.
Im Supermarkt gegenüber kauften wir noch Wasser, was zum Knabbern und eine Pulle R*tkäppchen-Sekt – wenn schon Ostalgie, dann richtig. Wir machten unseren Schlachtplan für den nächsten Tag und gingen sehr früh ins Bett.
Ebenso früh sind wir auch wieder aufgestanden und fühlten uns um 20 Jahre gealtert. Uns tat alles weh! Jede Isomatte bietet mehr Komfort, als dieses Bett. Geschlafen hatten wir kaum. So eine Pritsche in einem Vier-Sterne-Hotel – und darauf noch zwei weitere Nächte? Na bravo. 😦 Eine heiße Dusche und das Frühstück machten uns wieder einigermaßen fit und nun konnten wir Dresden erobern.

Mit der Straßenbahn fuhren wir bis zum Theaterplatz. Von dort aus sind die bekannten Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß zu erreichen. Wir verschafften uns einen groben Überblick und enterten als erstes die Frauenkirche. Ich hatte sie mir erheblich größer vorgestellt und war eigentlich ein bisschen enttäuscht. Sie überragt kaum die umliegenden Häuser und fiel inmitten einer Baustelle praktisch gar nicht auf. Im Inneren allerdings ist sie wunderschön und absolut sehenswert, selbst wenn man es nicht so mit Kirchen hat.

Als nächstes stand die Semperoper an. Hier begann gerade eine Führung, der wir uns gerne angeschlossen haben – schon deshalb, weil es draußen so kalt war. Ein sehr beeindruckendes Gebäude. Dass wir keine Karten für eine Vorstellung bekommen hatten, schmerzte uns nicht sonderlich: Die Meistersinger standen auf dem Spielplan und dafür muss man schon ziemlich gut gelaunt sein, jedenfalls wenn man kein ausgesprochener Wagner-Fan ist.

Danach noch ein Rundgang durch den Innenhof des Zwingers, ein kurzer Blick in die Porzellanausstellung, später ein langer auf das über 100 m lange Wandmosaik aus Meißner Porzellankacheln, Spaziergang zur Brühlschen Terrasse, Besuch der öffentlichen Bedürfnisanstalt. Hier ein Museum, da eine Statue, dort eine Kirche. Man wird fast erschlagen von so viel Kultur auf einem Haufen. Irgendwann waren wir am Ende unserer Kräfte und haben uns in ein winziges Café geflüchtet und an Dresdner Eierschecke und Kaffee gelabt. :yes:

Danach haben wir uns nur noch langsam treiben lassen, ein paar Schaufenster geguckt und geschwind noch ein wärmendes Pulloverchen erstanden. Die Füße brannten wie die Hölle, der Rücken schmerzte. Ich hatte mir unterwegs noch einen Bildband über Dresden gekauft und schleppte den mit mir rum. Kultur wiegt schwer. Nun fing es auch noch an zu regnen und wir beschlossen, mit der nächsten Straßenbahn zurück ins Hotel zu fahren. Ziemlich erschöpft fielen wir dort auf die Couch und jammerten ein Stündchen vor uns hin.

Der Hunger trieb uns wieder auf das Kopfsteinpflaster und in die Straßenbahn. In Radebeul-West gibt es eine Geschäfts- und Einkaufsstraße, wo auch abends noch ein paar Leute unterwegs sind. Dort haben wir ein nettes Lokal gefunden und ausgesprochen gut gegessen. Ein kleiner Bummel noch und mit der Straßenbahn zurück. Die Haltestelle liegt direkt an unserer Stammkneipe und wir beschlossen, so viel Bier in uns reinzukippen, dass wir das harte Bett nicht mehr spüren. Das ist uns gelungen! ;D Ein kurzes Jammern noch, dann war Ruhe im Karton.
Der erste Tag in Dresden lag hinter uns.

2 Gedanken zu “Eiszeit

  1. Anfang 2. Abschnitt:
    Das ist geschickt eingefädelt für Wessie-Touristen: Wie könnte ihnen schöner klar gemacht werden, dass es den Soli-Beitrag weiterhin erfordert!

    Vieles dort ist aber sehr gut wieder instand gesetzt worden, fand ich. Mir ist es ja manchmal schon ein bißchen zu geleckt und sauber.Ich hoffe, es bleibt viel Charakter in Städten und Regionen erhalten und nicht alles zu konsum-orientiert.

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    • Den Soli zahle ich auch bereitwillig, den werden wir ja sowieso nicht mehr los. :/

      Die Gegend rund um die Bahnhöfe ist meistens ziemlich unschön, gerade bei den kleineren Vorortbahnhöfen – egal ob im Osten oder im Westen. Ich finde das unverständlich, schließlich ist der erste Eindruck entscheidend.

      Das Kopfsteinpflaster fand ich übrigens sehr schön und für die Gegend passend. Dumm nur, dass unser Schuhwerk dafür ungeeignet war und die Kofferröllchen diesen Einsatz nur knapp überlebt haben.

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