Schwierige Familienverhältnisse

Es gibt immer mehr Patchwork-Familien in Deutschland und auch in unserer Familie gibt es eine solche. So bin ich vor vielen Jahren unverhofft zu einem kleinen Neffen gekommen, nämlich dem großen Bruder meines heutigen kleinen Neffen. 🙂

Ich erinnere mich an einen Winterurlaub, als der damals kleine Mann morgens zu uns ins Zimmer stürmte, sich in unserem Bett breit machte und von mir die Familienverhältnisse erklärt haben wollte.
„Wer ist der Onkel R.?“
„Das ist mein Papa. Die Tante U. ist meine Mama.“
„Nee!“ (Im Brustton der tiefsten Überzeugung) „Die Tante U. ist die Mama von M.! Das weiß ich genau!“ :yes:
„Stimmt. Der M. ist ja auch mein Bruder“, versuchte ich aufzuklären. „Und wenn der M. dein richtiger Papa wäre, dann wären Onkel R. und Tante U. deine Großeltern.“
„Was sind Großeltern?“
„Opa und Oma.“
„Und wer ist die Tante R.?“
„Die Tante R. ist meine Tante.“
„Was ist eine Tante?“
„Das ist die Schwester von Mutter oder Vater. Deine Tante G. zum Beispiel, ist die Schwester deiner Mutter und damit auch deine Tante.“

Wir hechelten die Tanten und auch die Onkel noch ein bisschen durch und irgendwann hatte er es verstanden. Nur die Sache mit den Großeltern war ihm noch nicht so richtig klar. Er dachte ein bisschen nach und platzte dann mit der Erkenntnis ‚raus:

„Und der Onkel Klaus“ (gemeint war mein friedlich neben mir liegender Ehemann), „das ist DEIN OPA!“ 88| 88|

Selbiger biss erst ins Kopfkissen, dann erhob er sich opamäßig und schlappte schweren Schrittes unter die Dusche.
Es ist wirklich ein Kreuz mit der Verwandtschaft. :))

5 Gedanken zu “Schwierige Familienverhältnisse

  1. Ah ja! Das war jetzt ebenso aufschlußreich wie bei den häufigen Gelegenheiten, in denen meine Mutter uns die weitverzweigten Familienverhältnisse zu erklären versucht. Und dabei gibt es da nicht mal einen Patchwork-Zweig. Wir heucheln nicht nur Interesse, wenn wir sie ab und an nach „Adam“ oder „Wilhelm“ fragen, weil uns kunstvoll verwobene Verhältnisse zu ihr, unserer Oma müttlerlicherseits oder zur geborenen Frau Bohn wieder einmal entfallen sind. Sie ist die letzte ihrer Zunft, die all diese Fäden noch sicher in der Hand hält, und wenn sie einmal nicht mehr ist, weiß niemand von uns mehr, wie das große Ganze zusammenhängt.

    Aber, man kann es sich einfach nicht merken! Und jedes Mal fängt man wieder von vorne an, nie wird sie es müde, uns immer wieder aufs neue 100 Namen um die Ohren zu hauen und was wir mit diesen Namen zu schaffen haben. Ich sollte doch mal ein Diktiergerät mitnehmen, wenn ein Familienchronik-Gespräch zu erwarten ist.

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    • Ich finde sowas irre interessant und habe mich sogar mal dazu aufgerafft einen Familienstammbaum zu erstellen. Einer meiner Vorfahren hatte damit schon mal angefangen und Kirchenbücher bis 16hundertirgendwas gewälzt. Es ist richtig spannend, mit wem man so alles verbandelt ist!

      Leider ruhen meine ganzen Erkenntnisse in den Eingeweiden eines uralt Schlepptop mit einem Betriebssystem, mit dem heute keiner mehr was anfangen kann. Irgendwie suche ich immer noch eine Möglichkeit, das ganze in die Neuzeit zu transferieren.

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      • An so etwas Stammbaum-mäßiges habe ich mich nie begeben, wenn es auch sicher interessant wäre, mehr über die Vorfahren zu wissen.

        Warum ist es so schwer, den Stammbaum vom Laptop auf die Neuzeit zu übertragen? Was für eine Datei, was für Dateien sind das denn? Das müßte doch zu machen sein, wenn auch vielleicht dann noch etwas Nacharbeiten nötig sein wird. Es wäre doch schade, wenn deine Arbeit verloren ginge.

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      • Was für eine Datei, was für Dateien sind das denn?

        Frag‘ mich was leichteres! Diese Uralt-Schleppkiste lief noch unter OS2 und das ganze ist so lange her, dass ich mich selbst kaum noch daran erinnern kann! Ich glaube, in die Kiste kamen auch noch die alten schlabberigen Disketten rein … (nur noch wenige können sich da überhaupt dran erinnern).
        Das Programm dafür hatten wir – glaube ich – irgendwo heruntergeladen. Das gibts aber nicht für die neuen Betriebssysteme. Ich habe hier ein anderes Programm, aber da müsste ich alles noch mal neu eingeben und da habe ich keine Zeit (und keine Lust) dafür.
        Nach mir wird es sowieso niemanden mehr interessieren, da außer meinem kleinen Neffen keine Nachkommen da sind.
        Der einst so mächtige Baum ist am absterben.

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  2. Na, hast Du nächsten Samstag schon was vor?

    „… Ziehen Sie sich zur Weihnachtszeit besser nicht allzu warm an, denn es wird
    heiß in Darmstadt:
    Am 8. Dezember präsentiert ihnen der legendäre „Darmverlag“, eine neuentstandene
    Gruppe passionierter Autoren, eine 2. Version ihres „Ü-21-Specials“!
    Texte rund um die Grenzen des Erotischen und Ausschweifenden/Lustvollen werden
    Ihnen in szenischer Form angeboten, es erwartet Sie ein Abend voller Höhepunkte
    und voller Abgründe..-
    Ugur Bozkurt,Alexander Diroll, Tilman Döring, Lebrina Fairbanks, Silvia Hamp,
    Fabian Oberfahrenhorst, Axel Röthemeyer, Sven Rohwer und Jan Vogelbacher
    servieren eine überraschende Mischung aus Verführung und harten Fakten.
    Zur Erweiterung der Sinne bietet die Veranstaltung außerdem die
    „Kukicha-Absinthbar“.

    Aufgepasst:
    Der Darmverlag plant weitere Lesungen dieser Art zu Beginn des neuen Jahres!“

    Abendkasse ab: 20:00
    Eintritt: 6 Euro

    Karten reservieren unter:

    http://www.hoffart-theater.de

    An dieser Stelle nochmals die Bitte, oben angebrachten Plakat- und Flyer-Entwurf zu kritisieren. 🙂 Und Werbung in eigener Sache, natürlich. (Darmverlag)

    Die Sado-Pandas und der Entwurf stammen vom großartigen Axel Röthemeyer.

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