Luftschlacht

Für einen Neunjährigen ist der 24. Dezember der längste Tag des Jahres. Die Stunden bis zur Bescherung vergehen quälend langsam. Mein kleiner Neffe nervte seine Umwelt schon am frühen Morgen mit der Frage, wann es denn genau die Geschenke gäbe und je näher der Zeitpunkt rückte, umso aufgedrehter wurde er. Für Kakao und Kuchen hatte er überhaupt keinen Nerv; er beschränkte sich darauf, die Schokoladendekoration aufzufuttern und die Päckchen unterm Tannenbaum zu inspizieren.
Verdammt, da standen noch nicht mal Namen auf den Geschenken! :??:

Als es dann endlich soweit war, ging alles ratzfatz. Mit geübtem Griff wurde das Papier abgerissen und achtlos zu Boden geworfen, ein kurzer Blick auf den Karton, im Geiste ein Häkchen hinter den entsprechenden Artikel auf dem Wunschzettel gemacht und zum nächsten Paket gegriffen. Erstmal musste schließlich alles gesichtet werden.
Er hat überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Erwachsenen geduldig Schleifen aufziehen und das Bändchen anschließend ordentlich aufwickeln. Und dann auch noch das Getue mit dem Klebestreifen … 🙄 – das geht doch wirklich schneller!

Als die Schlacht geschlagen war, schien er mit seiner Ausbeute jedenfalls sehr zufrieden zu sein und nun konnte er sich auch den einzelnen Objekten seiner Begierde genauer widmen.
Der absolute Oberhammer in diesem Jahr war ein Hubschrauber mit Fernbedienung. Ein nur 10 Gramm leichtes Flugobjekt, das sofort die Lufthoheit in unserem Wohnzimmer eroberte.
Es dauerte ein bisschen, bis er die Fernbedienung richtig im Griff hatte und die ersten Flugversuche endeten mal im Tannenbaum, mal in Omis Dauerwelle und auch die Sektgläser blieben nicht verschont.
Richtig turbulent wurde es aber erst, als sein großer Bruder ein eben solches Gerät ausgepackt und an den Start gebracht hatte. Nun sausten zwei solcher Riesenlibellen durchs Wohnzimmer und über unsere Köpfe hinweg. Natürlich erwachte auch bei den Erwachsenen der Spieltrieb wieder und jeder wollte mal probieren. Also erneute Attacken gegen botanische Dekorationsartikel, Angriffe auf lebende Personen, frontal oder aus dem Hinterhalt. Alles begleitet vom leisen Surren der Rotoren. :))
Eine Unterhaltung war praktisch nicht mehr möglich, weil alle Köpfe in Bewegung waren und sieben Augenpaare versuchten, den kleinen wuseligen Dingern zu folgen. Das hatte was von Kaffeetrinken auf der Terrasse – mit Zwetschgenkuchen und gierigen Wespen. Abwechselnd wurde „Achtung“ gerufen, schallend gelacht oder schnell mal abgetaucht. Ein überaus turbulenter Abend!
Wenigstens konnten wir ein Abendessen ohne Flugverkehr aushandeln, aber als ich die Teller abräumte, waren die Dinger schon wieder in der Luft.
Eine echte Gaudi und Spaß für alle!

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2 Gedanken zu “Luftschlacht

  1. Mit 9 Jahren war ich genauso. Wir machten an Heiligabend immer die Tour zu den Omas. Ich wäre am liebsten nach dem Geschenkeauspacken ohne Zeitverzögerung zur nächsten Omas gedüst und hatte überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Erwachsenen erst stundenlang am Tisch saßen und redeten.

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    • Dunkel erinnere ich mich, dass ich als Kind nur zwischen Geburtstag und Weihnachten gelebt und jedem Geschenkefest entgegen gefiebert habe. Ich kenne keinen, bei dem das anders gewesen wäre. Wir befinden uns also in bester Gesellschaft! :>>

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