Abschiedsschmerz

Ach, was waren wir stolz damals! Zwei Zimmer, Küche, Bad. Alles auf 10 qm, neu und modern eingerichtet, Zentralheizung. Wir waren gerade frisch verheiratet und leisteten uns ein Eigenheim auf Rädern. 🙂
Mangels sonstiger Abstellmöglichkeit mieteten wir uns eine Parzelle auf einem nahegelegenen Campingplatz, bauten ein kleines Vorzelt an und genossen die Freiluft-Wochenenden ohne Telefon und irgendwelchen Verpflichtungen.
Viele amüsante Kurztrips haben wir mit unserer rollenden Behausung unternommen und viele schöne Urlaube gemacht. Zwei, drei Tage an einem Ort, anhängen und weiterfahren. Wir waren ein eingespieltes Team, meine bessere Hälfte und ich. Während er die Außenarbeiten erledigte, Kabeltrommel, Klappstühle und sonstiges Gedöns im Auto verstaute, sorgte ich dafür, dass auch bei schlechten Straßenverhältnissen Geschirr und Gläser keinen Schaden nahmen, der Kühlschrank verriegelt und die Gas- und Wasserzufuhr abgestellt waren. Zehn Minuten und wir waren weg. Auf zu neuen Abendheuern. 😀

Als die Familie größer wurde und unsere Katze zu uns stieß, nahmen wir auch sie mit auf Reisen. Sie war eine richtige Campingkatze, von klein auf an das Zigeunerleben im Wohnwagen gewöhnt. :yes: Ihr Fress- und Wassernapf stand unter unserem Bett und das Katzenklo fand auch einen festen Platz. Madame lag tagsüber am Fenster und beobachtete das Treiben auf dem Campingplatz, während wir Besichtigungstouren unternahmen.

Am schönsten aber war Wintercamping. Viele Weihnachtsfeste haben wir im Wohnwagen gefeiert. Ein kleiner künstlicher Christbaum, gerade mal 20 cm hoch, wurde auf der Mitte des Tisches installiert und mit echten Kerzen bestückt. :>> :>> Ok, beim Geschenke auspacken mussten wir uns ein bisschen beeilen, weil die Kerzen natürlich auch klein und schnell abgebrannt waren, aber immerhin! Nobel geht die Welt zugrunde.
Draußen schneite es wie wild, drinnen war es mollig warm und gemütlich. Alle zwei Tage zog der Göttergatte mit einem Schlitten los und holte eine neue Gasflasche am anderen Ende des Campingplatzes.
Den Schlitten haben wir noch, den Wohnwagen seit gestern nicht mehr. 😐

Unsere Urlaubsziele haben sich verändert und sind meist nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Der Wohnwagen war in einer ehemaligen Scheune untergestellt und fristete sein Dasein im Dunkeln. In den letzten vier Jahren wurde er überhaupt nicht mehr benutzt. Ein junges Paar, etwa im gleichen Alter wie wir damals, hat ihn gekauft. Sie haben sich gefreut wie Bolle, als wir ihnen sagten, dass wir zwei Vorzelte, Ersatzrad, Klappstühle, Geschirr, Werkzeug, Gesellschaftsspiele, ein paar Schmöker, Friesennerze und Klappspaten drin lassen und sie praktisch eine voll eingerichtete Ferienwohnung bekommen. 😀
Ein bisschen wehmütig habe ich Abschied genommen, bin mit der Hand noch einmal über die Küchenzeile – laut Prospekt „der Traum einer jeden Caranvanerin“ – gefahren, hab’ noch mal in die Schränke geguckt.
Eine Ära ist zu Ende und zum ersten Mal sind wir hinter unserem Wohnwagen hergefahren, nachdem die Käufer ihn an ihr eigenes Auto angehängt hatten und stolz nach Hause gefahren sind. 😥
Ich wünsche den beiden viele schöne Urlaube und allzeit eine gute Fahrt!

2 Gedanken zu “Abschiedsschmerz

  1. Ich kann dich so gut verstehen! Wir haben leider nicht so ein Feriendomizil (gehabt). Aber auch unsere kleine grüne Rostschüssel vermissen wir sehr… Sie war auch unser erstes gemeinsames Urlaubsgefährt, hat zwei Kinder erlebt, diverse Vogelbeobachtungstouren, Gläschenaufwärmaktionen, die Soße des China-Imbisses auf den Sitzen… ach, das sind schon schöne Erinnerungen 🙂

    Aber ist doch schön, dass er noch weiter lebt. Unser kleines grünes Auto ist wohl schon nicht mehr 🙄

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    • Dafür habt Ihr jetzt ein schönes neues Auto und wir haben gar nix mehr! *schluchz* 27 Jahre Erinnerungen sind jetzt einfach so weg. *schnief*
      Aber es war schön zu sehen, wie sich die jungen Leute gefreut haben. Sie hatten vorher schon einen anderen Wohnwagen „gekauft“. Zwei Tage später rief der Verkäufer an und erklärte, er wolle ihn doch behalten.
      Der junge Mann gestern: „Ich hab‘ einen Wohnwagen! Geil!! Und der ist viel schöner, als der andere!“
      Vermutlich sind sie jetzt schon am räumen, auswaschen und neu einrichten. Im Mai wollen sie das erste Mal auf Tour gehen. Ich freue mich für sie.

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