Die Bauern – wieder einmal

Wir plagen uns ja mit viel Bürokratie ab und haben uns schweren Herzens schon mit manch einer merkwürdigen Verordnung arrangiert. Eine hat die EU nun endlich abgeschafft: Die Gurke darf wieder krumm sein! Und nicht nur sie, auch Auberginen, Bohnen, Spargel, Karotten und Zucchinis dürfen nun wachsen, wie sie wollen – ohne aufgrund ihrer nicht normgerechten Figur auf dem Kompost zu landen. Sogar der Standard für Knoblauch wurde abgeschafft. Ganz ehrlich: bis heute wusste ich gar nicht, dass es für Knobi auch einen solchen gab. Ich hab’ die Zehen – egal, ob groß oder klein – einfach durch die Presse oder den Knoblauchwürfelbereiter (gibt’s wirklich! Keine Ahnung, wie das Gerät tatsächlich heißt.) gejagt und hinterher waren alle absolut einheitlich in der Form. 😉
Insgesamt 26 Obst- und Gemüsesorten dürfen nun ihre Individualität voll entfalten. Freiheit für alle!
Ich bin in einem großen Obst- und Gemüsegarten aufgewachsen und weiß, dass die Natur eben knorrige Karotten, krumme Bohnen, Doppel-Erdbeeren und kleine Äpfel hervorbringt. Auch die Bauern wissen das und eigentlich sollten die froh darüber sein, dass sie nun nicht mehr das Lineal an ihre Gurken halten müssen. Aber was machen sie bzw. der sie vertretende Verband? Sie maulen! Und zwar heftig. :##
Damit würden die bestehenden Vorteile klarer Qualitäts- und Güteeigenschaften sowie deren Etikettierung ebenso wie das staatliche Kontrollsystem ausgehöhlt. Es drohe eine Vielzahl unterschiedlicher Privathandelsnormen, die für Verwirrung sorgen würden.
Meint der Verband.
Mir fehlen die Worte. Das einzige Argument, das FÜR die Normgurken spricht, ist, dass immer gleich viele in eine Kiste gepackt werden können. Hier ist die Verpackungsindustrie gefragt und bis ihnen der Verpackungskisten-Durchbruch gelingt, müssen eben Leute eingestellt werden, die die Gurken zählen und die Stückzahl auf die Kartons schreiben. Beides kommt dem Arbeitsmarkt zugute. Gemüse zählen statt Hartz IV. Ist immerhin einfacher als Spargel stechen.

Ach ja, und neue Gurkenhobel, Bohnenschnippelgeräte und Pflaumenentsteiner, die sich dem nicht genormten Obst und Gemüse anpassen, müssen ja auch erfunden werden. :))

Hurra, jetzt kommt der Aufschwung!

Neulich in der SBahn

Die Rückenlehnen der Sitzbänke sind mit Graffitis verziert, die Scheiben milchig und zerkratzt. Es riecht nach abgestandenem Rauch, altem Schweiß und allen möglichen sonstigen Ausdünstungen.
Der Wagen ist nur mäßig besetzt. Drei Frauen, die zum Einkaufsbummel nach Frankfurt wollen, ein älterer Herr mit einer ausgewachsenen Bronchitis, eine Oma und ihre Enkelin, zwei Schülerinnen mit Stöpsel im Ohr und ich. Alle sind nur mäßig interessant und ich starre gelangweilt aus dem Fenster.
Ein bisschen Landschaft fliegt vorbei, ein paar liebevoll gepflegte Kleingärten und einige inoffizielle Müllhalden. Wir nähern uns dem nächsten Bahnhof und ich überlege, warum es in Bahnhofsnähe eigentlich immer so schmuddelig aussehen muss.
Der Zug bremst ab und mein Blick fällt auf die zwei massigen Gestalten auf dem Bahnsteig: Kahl rasierte Schädel, Springerstiefel, Bomberjacke. Unwillkürlich zucke ich zusammen und beginne, mich unwohl zu fühlen. Die Kerle gucken extrem grimmig, laufen breitbeinig und kampfbereit zu unserer Wagentür und reißen sie auf. Sie reden kein Wort, verziehen keine Miene.
Solchen Typen will man nicht im Dunkeln begegnen. Jetzt ist es heller Tag und ich wünschte mir, einen Zug später genommen zu haben.
Die Kerle postieren sich im Eingangsbereich, betrachten sich jeden einzelnen von uns genau. Der alte Mann hört auf zu husten, das etwa 9-jährige Mädchen wechselt seinen Platz und kuschelt sich an die Oma, das Gequassel der drei Frauen verstummt. Ich denke ‚Scheiße, was kommt jetzt?‘ und schlucke ein paar Mal.

Langsam dreht sich einer der grimmigen Gestalten um. Auf seinem Rücken steht in großen gelben Buchstaben „SECURITY“. Ich blinzele ein paar Mal um meine Sehkraft zu schärfen und lese das Wort erneut. Tatsächlich, da steht SECURITY. Man soll sich also in Sicherheit wiegen, wenn diese Herren in der Nähe sind.
Warum nur will sich bei mir dieses Gefühl nicht einstellen?

Was errrlaube …

Es geht doch nix über gut gemachte Werbung!
Diese kam heute:

Unsere warme Grüße.:)
Nachdem an uns Sie werden es nicht bereuen!
Die besten billig nehmen und den besten Service.
— Viele progs für PC und Mac
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Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Schwedisch, Englisch
*www.xyz*

:))

Ach, Alexandra …

Du nervst!
Nein, ich möchte mich nicht nackig vor einer Webcam räkeln und ich möchte auch nicht in ein Mikrophon stöhnen, selbst wenn ich nebenher noch stricken oder Socken stopfen könnte. Ich habe keine Lust, fremden Männern die Frage nach meiner Oberweite zu beantworten oder ihnen vorzulügen, dass ich gerade megageil und nur mit Strapsen bekleidet auf dem Sofa liege.

Von meinem kargen Gehalt kann ich leben und hin und wieder ist auch mal ein kleines Extra drin. Dafür muss ich aber auch kein schlechtes Gewissen haben, weil ich lüsternen Kerlen mit verlogenem Gestöhne das Geld aus der Tasche ziehe.
Mach’ Du Deinen Job, wenn er Dir so viel bringt und lass mich in Ruhe meine Arbeit machen. Die ist nämlich auch wichtig und braucht meine volle Konzentration. Erregte Nippel oder männliche Brunftschreie wären dabei eher hinderlich. :))

Kaffeefahrt

Es gab nicht nur gute Nachrichten in der letzten Nacht, sondern leider auch die Meldung, dass auf der Autobahn bei Hannover ein Reisebus ausgebrannt ist. Nur 13 Menschen haben das Unglück überlebt, 20 Mitreisende haben die fröhliche Kaffeefahrt mit dem Leben bezahlt. Laut ersten Meldungen war vermutlich eine heimlich auf der Bustoilette gerauchte Zigarette Auslöser der Katastrophe. Ich kann’s mir lebhaft vorstellen: Kippe rein ins Chemieklo und flugs hat man ein Flämmchen. Dann noch die Türe auf und Sauerstoff dazu und schon kommt jede Hilfe zu spät! Sollte das wirklich so gewesen sein, war das wirklich seine/ihre letzte Zigarette.
Die Dummheit der Menschen kennt wirklich keine Grenzen und die Unvernunft auch nicht! Der Bus hatte sein Ziel ja beinahe erreicht.

Die Reisegruppe bestand überwiegend aus älteren (45-80 Jahre) Leuten, viele von ihnen mit Gehbehinderungen. Selbst wenn sie reaktionsschnell waren und wussten, dass sie umgehend den Bus verlassen mussten, bei der mit Sicherheit aufgekommenen Panik hatten die meisten von ihnen keine Chance.
Welch grausames Ende!

Hundemüde

bin ich nach dieser langen Wahlnacht, obwohl ich zwischendrin immer mal wieder kurz entschlummert bin. So richtig klar war das Ergebnis ja auch erst heute Morgen und als Obama seine Rede als Wahlsieger hielt, war ich schon wieder auf.

Gott sei Dank, das hat funktioniert und Amerika hat die Chance auf einen Wandel! Spannend war es allemal, was nicht zuletzt an dem komplizierten amerikanischen Wahlsystem liegt. Erfreulicherweise muss diesmal nicht rumgeeiert werden, wer wohl gewonnen hat. Peinlich genug war das ja bei der Bush-Wahl. Diesmal ist das Votum eindeutig und Obama muss nun die Ärmel hochkrempeln.
McCain hat sich als fairer Verlierer präsentiert und seine Unterstützung angeboten. Nun bleibt abzuwarten, was der zukünftige Präsident alles bewirken kann. Er tritt ein schweres Erbe an!

Zickenkrieg?

So, nun ist es endgültig raus: kurz vor Toresschluss haben sich zwei weitere SPD-Abgeordnete dafür entschieden, Andrea Ypsilanti nun doch nicht zu wählen. Die Abgeordnete Metzger ist also nicht mehr alleine Buh-Frau, sie hat noch zwei Mitstreiterinnen zur Seite und der Herr Walter hat sich ja schon am Wochenende dafür entschieden, den von ihm mit ausgehandelten Koalitionsvertrag nun doch nicht haben zu wollen.
Natürlich reden alle von Gewissensentscheidungen, klar! Nur, warum meldet sich das Gewissen so spät? War es vorher nicht vorhanden oder musste ihm erst auf die Sprünge geholfen werden? Was haben die Herrschaften die ganze Zeit gemacht? Wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, dann muss ich das sagen – und zwar rechtzeitig und nicht erst, wenn es praktisch schon zu spät ist. Für was machen die eigentlich Probeabstimmungen?
Was soll das? Was ist das für ein Stil? Hat die SPD nicht gerade Probleme genug? In Hessen jedenfalls können sie einpacken!

Nun muss die Karre irgendwie aus dem Dreck gezogen werden und die sauberste Sache wären Neuwahlen. Nur, von wem will sich die SPD denn jetzt noch wählen lassen? Wenn am Ende doch nichts dabei herauskommt, kann man seine Stimme ja auch anderweitig einsetzen.
Bananenrepublik Hessen. Getroffen und versenkt.