M – wie München,

Marienplatz oder Markt. Dichtes Gedränge, Glühweingeruch, babylonisches Sprachengewirr und wir mitten drin. Eigentlich mag ich Weihnachtsmärkte – zumindest dann, wenn sie gemütlich sind und ein paar nette Stände mit Kunsthandwerk und einem vielfältigen Angebot an Speisen und Getränken haben. Das alles hat der Markt in Münchens Innenstadt leider nicht zu bieten. Man hat die Wahl zwischen Bratwurst und Bratwurst, Glühwein mit und mit ohne Schuss. Die feilgebotenen Waren sind aus dem 08/15-Sortiment. Ich hatte in einer Stadt wie München mehr erwartet und war enttäuscht.

Dafür gab es gegenüber von unserem Hotel ein nettes jugoslawisches Restaurant mit sehr guter Küche und in der Hotelbar Caipirinha als „Cocktail der Woche“ zum halben Preis. Schon war meine kleine Welt wieder in Ordnung. 😀

In der U-Bahn hatte ich ein Gespräch mitbekommen, in dem es um den Weihnachtsmarkt in Haidhausen ging. Haidhausen ist ein Ortsteil von München, so viel wusste ich und ein Blick auf den Stadtplan verriet uns, dass der sogar noch in unserem U-Bahnbezirk liegt. Also sind wir am nächsten Tag los und haben einen richtig schönen Weihnachtsmarkt erkundet und auch einige kleine Geschenke eingekauft. Sehr freundliche Leute, keine Hektik, kein Gedränge. Stände mit verschiedenen Suppen, Kartoffelpuffer, Südtiroler Spezialitäten – alles, was das Herz begehrt. Das hat richtig Spaß gemacht!

Am Abend waren wir mit unseren Fan-Kollegen in einer Bier“fabrik“ zum Essen verabredet. Die Räumlichkeiten erinnerten wirklich mehr an eine Fabrik als an eine Gaststätte. Es war proppenvoll und laut und für Essen und Bier gab es lange Wartezeiten. Die Fliesbandarbeiter waren irgendwie nicht so auf Zack.

Am Sonntag ging’s dann ins Stadion. Eigentlich wollte ich da ja nicht mehr hin, weil ich mich beim letzten Mal schon so geärgert hatte, aber ich wurde überredetzeugt, dass die Unterstützung eines jeden Fans gebraucht würde und hab’ mich breitschlagen lassen.

Die Löwen spielten verdammt gut in den ersten 20 Minuten und ehe wir es uns versehen hatten, stand es 2:0. Zur Pause sogar 3:0 – natürlich NICHT für uns.
Frust pur und obendrein noch saukalt.
Auch in der zweiten Halbzeit wurde uns nur ein wildes Gestochere auf dem Platz geboten. Die Löwen hatten irgendwie keine Lust mehr und ich auch nicht. >:-[ Dann jedoch drehte sich das Blatt und es fiel ein Tor für uns. Huch, was war das denn? Wir kramten unsere Hände aus den Manteltaschen und klatschten mal verhalten. Beim 3:2 taute auch meine Kinnlade wieder auf und verwegen wurde der Wunsch geäußert, dass vielleicht doch noch ein Unentschieden drin sein könnte. Es war tatsächlich drin und die Partie endete 3:3. Ein gefühlter Sieg für uns, wenn auch unverdient.
Die Münchner Fans verstanden die Welt nicht mehr und verließen angesäuert das Stadion. Wir jubelten noch ein bisschen und marschierten dann zur U-Bahn. Ein München-Fan aus den neuen Bundesländern wollte unbedingt die Schals mit meiner besseren Hälfte tauschten. Nun haben wir einen biergetränkten, weiß-blauen Fetzen, mit dem wir eigentlich nichts anfangen können.
Immerhin konnten wir uns mit dem Tauschobjekt wieder ins Hotel trauen. Das war nämlich in M-Giesing – der Hochburg der Löwen! 88|
Allerdings haben wir uns vorher noch ein bisschen Mut angetrunken. Durchgefroren wie wir waren, war erstmal Glühwein angesagt. Es blieb auch nicht bei einem, da wir mit einem netten Ehepaar – ebenfalls aus dem Osten und nach der Wende „rübergemacht“ – ins Plaudern kamen und sich jeder mal genötigt sah, eine Runde auszugeben. 😳
Leicht angeschickert sind wir danach wieder bei unserem Jugo eingefallen. Der Verdauungsschnaps „aufs Haus“ hat mir den Rest gegeben und fünf Stunden Tiefschlaf beschert.

Am Montagmorgen dann Tasche packen, frühstücken und schon ging es wieder heim.
Nach stundenlanger Autofahrt im Dauerregen und Inbetriebnahme der wieder einmal ausgefallenen Heizung (Scheißding) hatte mein Liebster tatsächlich noch den Nerv, schon kurz nach dem 1. Advent die Außen-Lichterketten anzubringen.
Langsam wird es wieder warm im Haus und auch ein kleines bisschen weihnachtlich. Kling Glöckchen, klingelingeling.

5 Gedanken zu “M – wie München,

    • Meist sind es die kleinen Märkte in den Vororten, die sich noch ein bisschen Ursprünglichkeit bewahrt haben. Da macht der Sportverein den Glühwein, die Sangesbrüder brutzeln Würstchen und die Landfrauen bieten Plätzchen und selbstgebastelte Strohsterne an. Das hat was.

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      • selbst in Bad reichenhall ist nichts mehr wie es einst war.
        Die Firma Reber hatte jedes Jahr einen sehr schön kleinen Weihnachtsmarkt mit Spezialitäten aus der Region, der durfte dieses Jahr nicht mehr aufgestellt werden, da der neue Bürgermeister bestimmte, auf dem grossen Marktplatz einen eigen Basar zu machen.
        Nur die 8 Buden verlieren sich auf dem grossen Platz und geschmückt ist auch nicht.
        Die Bayern kenne bei Einhaltung ihrer Tradition nur ihre Trachten und das sie auch nich ihren Federschopf am Hut behalten dürfen.-

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  1. Haidhausen ist ein Ortsteil von München

    Du hast es erkannt. „Ortteil“ nicht „Stadtteil“. Weil München eine Klumpung von Orteilen ist …

    Unser firmeneigener Löwenfan war am Montag sowas von stinkig … :>>

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    • „Ortteil“ nicht „Stadtteil“.
      Uii, da hab‘ ich aber Glück gehabt!

      Dein Kollege befand sich in guter Gesellschaft. Wir wurden von vielen Leuten auf das Spiel angesprochen und mir war es fast schon peinlich, dass wir so unverdient „gewonnen“ haben.

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