Dorfleben

Für heute hatten wir uns ja einen Ruhetag verordnet und wollten mal ausschlafen, anstatt gleich am Morgen in die langen Ski-Unterbuxen zu springen, Kaffeewasser aufzusetzen und Zähne zu putzen. Es kam natürlich anders, als geplant.
Nachdem wir gestern schon ganz unterschiedliche Wettervorhersagen gehört haben, bin ich vor dem Zubettgehen noch mal auf den Balkon um in den Himmel zu gucken. Da war aber außer dichtem Schneetreiben nichts zu sehen. (Schneefall kam übrigens in keiner der Vorhersagen vor!) Die Straße war schon dick zugeschneit und die Autos unter einer weißen Haube verschwunden.

Heute Morgen um 6.00 Uhr war dann mein spezieller Freund mit dem Schneeschieber unterwegs und hatte auch noch einen Kumpel mitgebracht. Gleich mit zwei laut polternden Geräten kurvten sie ums Haus herum und kratzen alles von der Straße, was irgendwie weiß aussah. Ich bin dann freiwillig aufgestanden und hab’ mir erstmal einen Kaffee gemacht.
Als diese Burschen fertig waren, kam der andere mit seiner riesigen Bohrmaschine und bohrte die Löcher für die Pistenabsperrung, damit die Skifahrer nicht bis auf die Dorfstraße fahren und unter die Räder kommen können. Der Bohrmaschinenfritze kommt immer pünktlich um 8.00 Uhr und dient uns normalerweise als Wecker; die Piste endet unter unserem Schlafzimmerfenster.
Nach dem morgendlichen Ungemach haben wir beschlossen, unser Frühstück in dem kleinen Café einzunehmen und uns bedienen zu lassen. Am Nachbartisch waren schon einige Dorfgrößen zum Frühschoppen versammelt und nach und nach kamen noch eine Hausfrau, der Briefträger, der Dorfdepp und ein mir unbekannter Herr dazu und tratschten tauschten sich aus. War höchst interessant und jetzt sind auch wir wieder auf dem allerneuesten Wissensstand. Hier im Dorf bleibt wirklich niemandem etwas verborgen. Krankheiten, Schwangerschaften, das neue Auto des Nachbarn … alles wird diskutiert und kommentiert. 🙄

Eine Horde Skifahrer fiel in das kleine Lokal ein und hielt die Bedienung auf Trapp. Die hatten eindeutig keine Zeit!
Die Hausfrau am Nachbartisch wollte ihren Kaffee zahlen und winkte der Bedienung, sagte aber gleichzeitig: „Los Dir Zeit, mir pressiert’s net!“ Schön, oder?
Ich bestellte mir noch einen Kaffee und räkelte mich wohlig. Mir pressierte es ja auch nicht. So ein fauler Tag tut der Seele unglaublich gut!

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