Idioten

Auf so ’ner Piste trifft man schon auf viele Bekloppte, das ist „normal“. Heute aber hatten wir ein Erlebnis …!

Unser Schlepplift war kaputt und die Leute mussten per Schibus an den nächsten Lift gekarrt werden. Leider klappt das mit der Organisation nicht so, wie man sich das wünscht und als wir zu zweit an die Haltestelle kamen, waren dort schon rund 100 Leute zum kollektiven Maulen versammelt. Wir haben uns das einen Augenblick angesehen und dann beschlossen, antizyklisch unterwegs sein zu wollen. Also rüber zum Sessellift und über einen langen Waldweg ins nächste Skigebiet. Die Sonne schien und es waren hier kaum Leute unterwegs. Kein Wunder, die standen ja alle in unserem Heimatort und warteten auf den Bus.

Wir hatten einen schönen Tag, haben in einer Hütte gemütlich zu Mittag gegessen und wollten uns dann wieder Richtung Heimat aufmachen. Wir kletterten gerade in unsere Skier, als wir von Ferne eine Durchsage hörten, dass ein Lift kurzzeitig außer Betrieb genommen wird. Kurz vorher hatten wir schon einen Hubschrauber gehört und das ist in den Bergen ja eher ein schlechtes Zeichen. Wir also runter zum Lift und tatsächlich, da ging nichts mehr. Wir fragten, was da los sei und wann wir denn wieder hoch fahren könnten; wir brauchen diesen einen Lift, um wieder nach Hause zu kommen. Was uns der Liftbursche erzählte, ließ uns das Blut in den Adern gefrieren!

Ab der Bergstation gibt es eine schwarze Piste und irgendwelche hirnlosen Geschöpfe hatten beschlossen, da noch mal ein bisschen abzukürzen und durch den Wald auf der Lifttrasse entlang zu fahren. Dort gibt es eine sehr steile Stelle mit einem im Winter gefrorenen Wasserfall. Über diesem Wasserfall ist ein Stahlnetz gespannt, das aussieht, wie eine Sprungschanze und das natürlich nur für Wartungsarbeiten gedacht ist. Das Waldstück ist mit mehreren Absperrungen und diversen Warn- und Verbotsschildern bestückt. Trotzdem haben die jungen Burschen diesen Weg gewählt mit dem Erfolg, dass einer von ihnen über den Wasserfall mehrere Meter in die Tiefe gestürzt ist. (Für Gila: das ist da, wo wir schon beim Hingucken speien könnten!)
Der Lift musste geleert und angehalten werden, damit die Rettungsmannschaft an dieser Stelle überhaupt an den Schwerverletzten herankam.

Als wir lange Zeit später wieder in diesem Lift saßen, wurde der wiederum mehrmals gestoppt. Wir schwebten genau über der Absturzstelle und konnten beobachten, wie der Hubschrauber wieder startete und der Kumpel des Verunglückten über das steile Stahlnetz abgeseilt wurde. Ein Retter war direkt bei ihm, ein zweiter sicherte das Seil oben, ein weiterer Helfer versuchte, die Ausrüstung des Abgestürzten zu finden. Seine Skier waren mehrere Meter tief im Schnee verschwunden und mussten ausgebuddelt werden, die restliche Ausrüstung lag weit verstreut. Wir bekamen noch die kurze Meldung „Schädelbruch“ aus einem Funksprechgerät mit, dann setzte sich unser Lift wieder in Bewegung. Ich hatte auch mehr als genug gesehen!

Der Kumpel trug übrigens keinen Helm und ich gehe mal davon aus, dass der Verunglückte auch keinen trug.
Kommentar eines anderen unfreiwilligen Beobachters: „Was nützt auch ein Helm, wenn kein Hirn drunter ist?“ Recht hat er!

Den Rest des Tages war es mir übrigens einigermaßen schlecht.

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