Kreppelkaffee

Maskenbälle, Sitzungen und Umzüge gehören zur Fassenacht ebenso wie der Kreppelkaffee und das abschließende Heringsessen am Aschermittwoch. Zu letzterem kann man auch ausgewiesene Fastnachtsmuffel einladen und muss mit ihrem Erscheinen rechnen. Die sind dann froh, dass alles vorbei ist und werten die Einladung als Entschädigung für die erlittenen Qualen während der tollen Tage.

Beim Kreppelkaffee ist das anders, da sind die Narren unter sich. Kreppel heißen andernorts Berliner und sind in Fett ausgebackene Teigkugeln, die anschließend mit Marmelade gefüllt und in Zucker gewälzt werden. Ursprünglich war das Gebäck mal ungefüllt, mittlerweile spritzen die Bäcker da sogar Pudding oder Schokoladenpampe rein, was völlig daneben ist. :-/
Auf gut hessisch werden die Kreppel übrigens „Grebbel“ ausgesprochen. Wer sie mit hartem K und P ausspricht oder gar Berliner sagt, der is nit von hee.

Gegessen werden die Bollen prinzipiell mit den Fingern und es ist praktisch unmöglich, das mit Anstand hinter sich zu bringen!
Die Schweinerei beginnt, kaum dass man das Ding in der Hand hält. Alle fünf Finger sind mit Zucker eingesaut. Um dem weichen Teil etwas Stabilität zu verleihen, drückt man es etwas zusammen. Profis prüfen vorher, an welcher Seite sich das Loch befindet, in das die Füllung gespritzt wurde. Die kommt nämlich genau an dieser Stelle auch wieder heraus und schwups hat man die rote Matsche entweder im Handteller oder gleich auf dem Kostüm. :)) Jetzt kommt Hektik auf: Mit der freien Hand versucht man, den ersten Klacks wieder aufzufangen, lässt dabei das tückische Gebäck aus den Augen und hat prompt den nächsten Spritzer irgendwo platziert, wo er nicht hingehört. 😛 Wenn es einem tatsächlich gelingt, die Füllung im Inneren des Kreppels zu belassen bzw. die entfleuchte Masse wieder aufzufangen, kommt der nächste spannende Moment: Den Schnabel weit aufsperren und abbeißen. Spätestens jetzt sieht auch der geübte Esser aus, wie ein Schwein! Ein dicker Zuckerkranz ziert die Schnute und – je nach Technik – das Kinn oder die Nasenspitze. Die restliche Füllung landet auf dem Schoß. Wenn die Kreppel frisch und fluffig sind (und das sollten sie unbedingt sein, sonst schmecken sie nicht!) kann man so ein Teil mit drei-, viermal Abbeißen hinter sich bringen. Dann beginnt das Spiel von vorne, denn bei einem Kreppel bleibt es meistens nicht. Wenn man fertig ist, empfiehlt sich eine Ganzkörperreinigung. Danach nimmt man ein Tässchen Kaffee und hofft, dass der Bäcker ein anständiges Fett benutzt hat, ansonsten redet der Kreppel nämlich den Rest des Tages mit einem. |-|

Magenprobleme lassen sich übrigens auch prima herbeiführen, wenn man anschließend noch von dem Sekt trinkt, der zum Kreppelkaffee unbedingt dazu gehört. :yes: So ein Narr hat’s echt schwer! Helau!

8 Gedanken zu “Kreppelkaffee

  1. Wieder einmal sehr fein beobachtet, das Ritual beim essen von Berlinern, wie sie natürlich richtigerweise lauten. Aber du bist ja nicht von hier…
    Jedenfalls mußte ich bei der Beschreibung wieder herzhaft lachen, ich hatte die Teile sozusagen vor meiner Schnute, dabei ist das jetzt schon einen Tag vorbei, dass ich auch das Einspritzloch zur Einbißstelle gemacht habe. Jedenfalls ist alles genauso, wie du es sagtest. Und die Teile sind natürlich superlecker. Leider kommt es mir bei der Bäckerei, die ich gleich unten vor meiner Wohnung habe, so vor, als würden sie immer nur die Berliner von gestern zum doppelten Preis verkaufen, weswegen ich auch liebr 100 Meter weiter zur nächsten Bäckerei gehe, wo sie wirklich phantastisch schmeckende Teile offerieren. Meine favorisierte Füllung, die es hier in der Gegend traditioinell wohl auch am längsten gibt, ist eine Füllung aus Aprikosenmarmelade.
    Eine interessante Variante ist die leider nur in der Altfett-Bäckerei angebotete Form des „Apfeltaschen-Berliners“, der die Form einer Apfeltasche mit Apfelmus-Füllung hat, aber aus demselben Berliner-Teig wie die Originale gefertigt wird.
    …Mir läuft das Wasser schon wieder im Mund zusammen, und die Marmelade sozusagen schon auf den Schoß.

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    • Hihi, von wegen „fein beobachtet“ – das war ein Selbstversuch! Ich zähle die Marmeladenkleckse nicht mehr, die ich inzwischen verteilt habe. *seufz*

      Apfeltaschen-Berliner hört sich irgendwie komisch an. Ich bin altmodisch und will eine richtige Marmeladenfüllung in meinem Kreppel haben und aus einer Altfett-Bäckerei soll er auch nicht kommen!

      Mist, ich hab‘ auch schon wieder Appetit drauf. Hmmmm!

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  2. Schön hast Du diesen Selbstversuch beschrieben, liebe Caipi. Ich hatte gestern auch welche. Heute bleibe ich zu Hause, da komme ich erst gar nicht in Versuchung. Obwohl … sie kommt!

    LG, Gudrun

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  3. Danke für die Blumen!
    Eigentlich sollte man Kreppel ja nur essen, wenn man keine Zuschauer hat. Vielleicht sollte ich mal in einer Benimmschule nachfragen, wie man dieses Gebäck „fein“ verspeist – wahrscheinlich mit Messer und Gabel. :))
    Schöne Grüße nach Frankfurt!

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