Akademische Feier

Schon der Name ist Garant für lange Reden mit nur mäßigem Unterhaltungsfaktor, unterdrücktes Gähnen in den Zuhörerreihen und braves Klatschen. Die ersten zwei Stunden sind eher öde, danach wird’s dann besser. Wenn alle Dankes- und Grußworte gesprochen sind, kommt der Startschuss für Sekt und Schnittchen und alle, die eben noch mit Mühe ihre Gesichtsmuskulatur im Zaum hielten, sind plötzlich wieder hell wach.

Ich hab’s heute hinter mich gebracht.
Es gab einen Gottesdienst, den wir aus Zeitgründen geschwänzt haben, danach einen gemeinschaftlichen Fußmarsch zum alt ehrwürdigen Schloss, in dessen Rotunde die offizielle Veranstaltung stattfand. Natürlich waren die knapp bemessenen Stuhlreihen schon von geladenen Gästen und Festrednern besetzt. Also gruppierten wir uns an der Wand entlang und standen das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes durch.
Ich bin Stehen gewohnt. Auf dem Fußballplatz macht mir das inzwischen nix mehr aus, da habe ich breite Wanderschuhe an, in denen man nicht umfallen kann. Heute trug ich Sofaschuhe, die eigentlich schon für den Fußmarsch völlig ungeeignet waren. Ich kann Euch sagen … zwei Stunden können ganz schön lang sein.
Wenigstens kann man im Stehen nicht einschlafen.

Die ersten drei Reden waren auch noch recht informativ, danach wiederholte sich alles in mehr oder weniger geschliffener Form – unterbrochen nur von gelegentlichem Gehüstel und dem Klicken der Pressekameras. Dann gab’s noch eine kurze Darbietung des Chors, die Verleihung der goldenen Ehrennadel der Stadt, ein paar Schecks und Präsente wechselten die Besitzer.
Applaus.
Ich hatte inzwischen Klumpfüße und völlige Blutleere im Gehirn.

Nach dem offiziellen Programm teilte sich die Gästeschar; die einen rannten zu den Häppchen, die anderen vor die Tür – erstmal eine rauchen und den Kopf wieder frei kriegen. Alle waren irgendwie froh, es überstanden zu haben.
Noch ein Gläschen Sekt und ein bisschen Small Talk, ein kurzes Verweilen bei der Kapelle, die inzwischen in der Rotunde spielte und viel zu wenig Beachtung fand, und nix wie weg.

Zu Hause die Schuhe von den brennenden Füßen gezerrt, aus den feinen Klamotten raus und ab auf die Couch. So ein Sonntag kann ganz schön anstrengend sein!

10 Gedanken zu “Akademische Feier

  1. Hallo

    und Danke für Deinen Kommentar in meinem Blog. Dadurch habe ich jetzt auch einen Rechtschreibfehler entdeckt und ausgemerzt.

    Was in aller Welt sind Sofaschuhe?

    Gruß
    Toby

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