Stadtverschönerung oder

… wie rette ich eine Baustelle übers Wochenende

Gründonnerstag: ein Transporter fährt in unsere kleine Straße, Männer in orangefarbenen Anzügen springen heraus und laden mobile Parkverbotsschilder ab, stellen sie beidseitig auf der Straße auf. Meine kleine Huddelkiste steht jetzt mitten drin im Parkverbot. Ich stehe in der Küche und räume meine Einkäufe weg, ein Auge immer auf das Treiben draußen gerichtet.
Ein Mann kommt und pappt in Klarsichtfolie eingewickelte, handgeschriebene Zettel an die Schilder. Ich bringe meinen Müll raus und linse mal vorsichtig auf den Zettel. Das Parkverbot gilt ab Dienstag, 7.00 Uhr. Aha, wenigstens über Ostern ist mein Parkplatz gesichert!
Ich frage den Mann, was das zu bedeuten habe und kriege die frohe Botschaft, dass der Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Straßenseite erneuert wird, der wäre ja wirklich nicht mehr schön. Stimmt, schön ist er nicht. Aber er ist eben und in Ordnung und außerdem geht da sowieso niemand lang.
In unserer Straße laufen nur Leute, die dort wohnen und die gehen logischerweise auf der Hausseite lang. Ach ja, und die Leute mit den Hunden. Die gehen auch auf unserer Seite und lassen ihre Lieblinge in die Einfahrt oder in den Zugangsweg zum Haus schei… . Die dürfen das, die zahlen ja Steuern – wurde mir erklärt. :>

Egal, der unschöne und ungenutzte Bürgersteig wird nun gepflastert.

Tag 1: Pünktlich am Dienstag um halb neun wird die Baustelle eingerichtet. Bagger und Baufahrzeuge rücken an, Container für den Schutt werden aufgestellt, Arbeiter laufen geschäftig hin und her.

Tag 2: Ich muss weg und kann dem Treiben nicht zusehen. Als ich am Nachmittag nach Hause komme, sind die Arbeiter weg und der Bürgersteig auch. Nun liegt Schotter da, wo vorher Asphalt war.

Tag 3: Splitt kommt drauf und sofort wird Pflaster verlegt. Über die gesamte Länge der Straße bis auf die letzten zwei Meter. Die haben sie nicht mehr geschafft. ‚Die Jungs sind aber flott‘, denke ich.

Tag 4: An der Ecke werden die Bordsteine abgesenkt, Baufahrzeuge hin und her bewegt. Die restlichen Pflasterarbeiten (2 qm) werden bestimmt morgen gemacht, hoffe ich. Die Baustelle erstreckt sich jetzt auch bis weit um die Ecke und macht das Gerangel um einen Parkplatz noch größer.

Tag 5: Die Arbeiter rücken an, sitzen aber den ganzen Tag in ihren Fahrzeug weil – es regnet ! Pünktlich um fünf rücken sie unverrichteter Dinge wieder ab.

Tag 6 und 7: Die Baustelle bleibt uns übers Wochenende erhalten, das Parkverbot auch.

Tag 8 (heute): Das Pflaster für die Bürgersteig-Ecke wurde eingepuzzelt, dafür aber die Straßendecke (Kopfsteinpflaster) auf einer Fläche von ca. 5 qm aufgerissen. Der Bürgersteig wurde abgerüttelt und gerade sind sie dabei, das neue Prachtstück mit Sand abzustreuen.
Es ist mittlerweile fast 14.00 Uhr und ich verwette meinen Hintern, dass die heute NICHT fertig werden.

In meinem nächsten Leben werde ich übrigens Baggerfahrer. Die Dinger sind klein und unglaublich wendig und deshalb benötigt man(n) auch die halbe Straßenlänge, um das Gefährt zu wenden und anschließend genau auf derselben Position wieder zu parken, wo es vorher gestanden hat.
Beim Zugucken kriege ich die Gelbsucht!

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2 Gedanken zu “Stadtverschönerung oder

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