7 + 4

„Du Caipi, hast Du mal ein Handtuch für mich?“
Ich stehe in der Küche und bin gerade mit dem Feintuning meiner Salate beschäftigt und wundere mich ein bisschen, was einer unserer Gäste denn wohl mit einem Handtuch vorhabe. „Der Theo ist in den Teich gefallen“, höre ich ohne Nachfrage.
Das geht ja gut los! Theo ist das Kindergartenkind der Familie und eines von insgesamt vieren, die heute unseren Garten bevölkern. Dazu noch sieben Erwachsene, damit ist das Fassungsvermögen unseres Gartens wohl erreicht. Grillfete 7 + 4 sozusagen. Die zwei großen Kinder gehen schon in die Schule, das Jüngste kann immerhin schon laufen. Alle sind beweglich und ziemlich agil. Unser Garten ist winzig und der Teich tief. Das kann ja heiter werden, schließlich ist noch nicht mal der Begrüßungssekt ausgetrunken. 8|

Theo hat’s überlebt, ist aber merklich ruhiger geworden. Er wurde trocken gelegt und aus meinem Kindersachenfundus – eigentlich für unser Projekt in Brasilien bestimmt – fand ich noch ein viel zu großes TShirt, in dem Klein-Theo aussah, wie ein Gespenst.

Nächste Gefahrenquelle: der Grill. Zwar war der zugestellt mit den Stühlen für die Großen, aber die Knirpse kriechen ja durch den engsten Spalt und mussten immer wieder verscheucht werden. Alles was Spaß macht, darf man nicht – das ist gemein!
Ok, dann hauen wir uns halt gegenseitig die mitgebrachten Federballschläger um die Ohren. Der Vater griff erneut ein und platzierte die „Waffen“ außer Reichweite.

Inzwischen waren ein paar kleine Snacks auf dem Tisch und einiges davon mundete auch den Knirpsen. Jetzt waren sie wenigstens beschäftigt, bis die Würstchen so weit waren. „Wenn Du so viel vorneweg isst, passt ja gar kein richtiges Essen mehr in Deinen Bauch“, meinte mein Mann zu dem Großen. „Hast Du ’ne Ahnung, was ich alles futtern kann!“, war die prompte Antwort (was sich im Übrigen im Laufe des Mittags noch bestätigen sollte).

Theo zog inzwischen schon wieder seine Kreise um den Teich, ein verschmitztes Grinsen auf den Lippen. Seine große Schwester hatte die Aufsicht übernommen und nahm regen Anteil an der Erziehung ihres Bruders: „Wenn Du noch mal in den Teich fällst, fängst Du Dir aber eine!“ Es war klar, was sie damit meinte. Theo blieb völlig unbeeindruckt.
Klein-Svenja saß derweil still auf der Bank und zerpflückte vergnügt den Inhalt von Mutters Brieftasche. Ein braves Kind! ;D

Dann gab es Essen und was ich am wenigsten vermutet hätte: die Maiskolben – nicht jedermanns Geschmack – fanden reißenden Absatz. Es kommt immer anders, als man denkt, aber es war ja von allem genug da und geschmeckt hat’s offensichtlich auch.

Ich räumte die abgefressenen Teller in die Küche und die Kids nahmen die Gelegenheit beim Schopfe, unsere Wohnung etwas näher zu inspizieren.
„Nein, Theo, das ist ein Regal und kein Klettergerüst!“
Paul kann schon lesen und entziffert das Schild an meiner Küchentüre ‚Ca-i-pis Hee-x-een-küü-chee‘.
„Warum steht da Hexenküche? Kannst du etwa hexen? In eeecht?“
„Klar, warte mal ab, nachher hexe ich uns noch einen Nachtisch herbei!“
„Au fein, darf ich zugucken?“
„Nee, in eeecht nicht – sonst funktioniert es nämlich nicht.“
Zum Hexen brauche ich ein bisschen Ruhe.

Theo hat inzwischen die sehr fragile Insektenschutztür an der Terrasse näher unter die Lupe genommen und überlegt sichtbar, ob man daran wohl schaukeln könne. Wieder greift der Vater ein und ich bewundere seine Ruhe und Gelassenheit. Ok, der ist das ja gewohnt. :yes:

Bei meiner Hexen-Aktion kam Rote Grütze mit Vanillesoße raus und eine Quarkspeise, damit für jeden Geschmack was dabei ist. War aber gar nicht nötig, die Kinder sind Alles(fr-)esser und wollten das gesamte Sortiment auf ihren Tellern haben. Das wurde dann kräftig verrührt und herausgekommen ist wohl so was Ähnliches wie Fruchtknirpse oder wie das Zeug heißt. Paul und Lea waren begeistert! Theo saß inzwischen auf dem Schoß von meinem Mann und lies sich von seinem neuen Kumpel die kleinen Beerenkernchen aus dem roten Zeug fischen. Steine isst er nicht! |-| Er sieht inzwischen aus, als habe er kopfüber in der Grütze gelegen – oder ist das etwa noch der Ketchup von vorhin? Egal, am Abend ist eine Ganzkörperreinigung fällig, so viel steht mal fest.

Es war ein ausgesprochen kurzweiliger Nachmittag und als es zum Abschluss noch eine Caipirinha für die Erwachsenen gab, wollten natürlich auch die Kinder was mit Eiswürfeln drinnen. War ja klar! Die Gläser blieben dann nett in der Sonne stehen, weil inzwischen etwas anderes viel interessanter war. Gezetert wurde erst, als die Mutter die Kindergläser mit den geschmolzenen Eiswürfeln ausgetrunken hatte. :))

Ich hab’ die Bande mit einer Packung Gummitiere als Proviant für den Heimweg wieder versöhnt und alle haben versprochen: sie kommen wieder!

Kommentar meines Liebsten, als wir nach den Aufräumungsarbeiten noch bei einem Glas Wein zusammen gesessen haben: „Dass die Fete gut wird, war mir schon klar, als wir den Theo aus dem Wasser gefischt haben!“ Recht hat er!

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6 Gedanken zu “7 + 4

  1. Hallo! Bringst du mir mal nen Maiskolben zu mir in den Teich? Du hast mich dort vergessen. Bin schon ganz schrumpelig. Und den Caipi bitte mit Eiswuerfeln, okay? 🙂

    Hab mich scheckig gelacht. So muessen Gartenparties sein!

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    • Oh, sorry! Deine Hilferufe sind in dem Trubel irgendwie untergegangen.
      Hier bitte, Mais und Caipi – und wehe, ich finde Alufolie oder Strohhalm nachher bei den Fischen wieder!

      An dem Nachmittag war Stimmung in Haus und Hof, das kann ich Dir sagen. :))

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