Wochenende

So auf die Schnelle habe ich tatsächlich noch vor dem 1. Advent ein bisschen Weihnachtsdekoration hingekriegt: auf dem Tisch steht ein Kranz mit einer Stumpenkerze in der Mitte, in der Küche prangt ein Weihnachtsstern und am Wohnzimmerfenster geht eine Amaryllis ihrer Entfaltung entgegen. Das war es im Prinzip aber auch schon. Das Lichternetz für das Fenster haben wir nach einem kurzen Probelauf direkt in die Tonne gekloppt. Wenn von 30 Reihen kleiner Lichtchen nur vier funktionieren, macht es wenig Sinn, in neue Birnchen zu investieren. Eine funktionierende Mini-Lichterkette habe ich noch ans Küchenfenster drapiert und gut is‘. Am Weihnachts-Wettrüsten a lá Stenkelsfeld beteiligen wir uns diesmal halt nicht. Von der Lichterkette für den Außenbereich haben wir uns im letzten Jahr schon getrennt; ich fand das blau sowieso ätzend und meine bessere Hälfte war es leid, dauernd an den wackeligen Steckverbindungen rumzubasteln. Keine Ahnung, warum diese blöden Lichterketten so anfällig sind. Elf Monate im Jahr haben sie Pause und wenn sie dann mal gebraucht werden, sind die Mistdinger kaputt.

Was war noch? Ach ja, am Samstag wieder mal den ganzen Tag im Auto gesessen um ein grottenschlechtes Fußballspiel anzusehen, fünf Tore kassiert, zwei Glühwein getrunken und frustriert wieder nach Hause gefahren. Unterwegs nochmal ein Raststättenklo aufgesucht und festgestellt, dass die jetzt fürs Pinkeln 70 Cent aufrufen. 8| Zur Erinnerung: das ist rund eine Mark vierzig! Das muss man sich mal reintun! Demnächst wird also nur noch aufs Klo gegangen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Bei den Preisen muss sich der Gang zum stillen Örtchen wenigstens lohnen.

Ein richtig tolles Wochenende sieht anders aus … aber bald kommt ja wieder eins und das wird bestimmt besser. :-/

Advertisements

Knapp zwei Wochen

Seit knapp zwei Wochen sind wir schon wieder in Deutschland und ich muss sagen … so richtig zu Hause fühle ich mich immer noch nicht.
Die Ankunft fiel mit knapp 30 Grad Temperaturunterschied schon ziemlich frostig aus, wurde aber durch unsere scheiß moderne Heizungsanlage noch getoppt. Die war nämlich wieder einmal nicht zur vorgesehenen Zeit angesprungen und hatte unsere Wohnung auf satte 17 Grad herunter gekühlt. 88| Sparsam, wie ich nun einmal bin, hatte ich auch die Heizung für unser Bett ausgeschaltet und war jetzt baff erstaunt, wie lange doch so ein paar Liter Wasser brauchen, um eine angenehme Temperatur zu kriegen. Die erste Nacht jedenfalls bin ich mit Socken und Strickjacke – sehr sexy – ins Bett und kam mir vor, wie meine eigene Oma.
Der Großeinkauf am nächsten Tag dauerte ewig. Erstens, weil ich praktisch ALLES einkaufen musste, zweitens, weil ich mich in meinem angestammten Supermarkt nicht mehr zu Recht gefunden habe und drittens, weil ich plötzlich Produkte entdeckte, die mir vorher nie aufgefallen waren und die ich jetzt erst mal studieren musste. Über den Schock an der Kasse rede ich jetzt nicht und auch nicht darüber, wie oft ich vom Auto bis zum Haus latschen musste, um den ganzen Kram in die Küche zu kriegen.
Danach Koffer ausräumen, Waschmaschine beladen. Wie funktionierte das Ding gleich wieder? Ach so … ja. Alles war ungewohnt, fühlte sich komisch an, roch irgendwie fremd.
Not gedrungen hab‘ ich mich damit abgefunden, dass ich wohl die nächsten paar Wochen und Monate hier wohnen werde. Immerhin ist die Bude jetzt wieder warm und ein paar Leute schienen sich sogar gefreut zu haben, dass wir wieder im Land sind. Ich hab‘ mich auch gleich in die Arbeit gestürzt und die liegen gebliebenen Sachen aufgearbeitet. Beinahe hätte ich auch alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Daran gehindert hat mich ein Virus, der mich für eine halbe Woche völlig auf die Bretter geschmissen hat. Mit allem! Keine Ahnung, ob Ringelschwänzchen-, Federvieh- oder sonstige Grippe. Ist mir auch egal, wie die Krankheit heißt – Hauptsache, ich kann seit heute wieder einigermaßen klar denken und mich auf den Beinen halten. Wenn sich dann morgen noch die Kopf- und Gliederschmerzen vom Acker machen könnten, käme mir das nicht ungelegen. Krank sein ist doof und gepennt habe ich in den letzten Tagen wahrlich genug. Es wird jetzt Zeit, dass ich aus dem Quark komme.
Hatschi!

Shopping

Die Schuhläden in Brasilien sind riesig. Die Schaufenster sind meist links und rechts vom Eingang – längs – angeordnet und man weiß nie so genau, ob man schon im Laden ist oder noch davor. Zwischen den Schaufenstern sind diverse Ständer mit Sonderangeboten aufgebaut und dazwischen lauern rund 15 Verkäufer/innen, die sich sofort auf dich stürzen, wenn du auch nur einen Blick in die Auslage wirfst. Personalkosten sind hier echt kein Thema.
Egal, wir wollten kaufen und nicht gucken. Mein Mann deutete auf seine Schuhe und lies den Gewinner der Kundenfang-Rallye wissen, was genau er sucht und in welcher Größe. Wir wurden ins Innere des klimatisierten Ladens geleitet und durften uns setzen. Der Verkäufer war für längere Zeit verschwunden. Aus Langeweile wollte ich mich eigentlich ein bisschen im Laden umgucken … hier gibt’s auch Taschen, Gürtel und all so was. Die auch hier lauernde Verkäuferschar hielt mich davon ab und irgendwann tauchten auch rund zehn Schuhkartons auf Beinen aus dem Loch auf, in dem unser Verkäufer vor langer Zeit verschwunden war. Keine Ahnung, wo die ihr Lager haben!
Schuhe kaufen geht beim Göttergatten schnell. Farbe und Form stehen fest, also müssen sie nur noch passen und bequem sein. Schnell waren zwei Paar gefunden, dazu noch Socken, ein Gürtel und ein kleiner Regenschirm, weil es draußen tröpfelte und wir hier keinen Schirm besitzen.
Wer jetzt glaubt, dass man mit dem ganzen Kram einfach zur Kasse gehen und bezahlen kann, der irrt! Das hat mit Geld zu tun und ist folglich in Brasilien kompliziert!
Der Verkäufer tippt die einzelnen Posten in einen Computer ein, der auf einem wackeligen Minitischchen irgendwo in der Ecke steht. Sehr gewissenhaft macht er das, prüft jede Kennziffer x-mal. Mein Mann kriegt ein Zettelchen mit einer Nummer drauf und darf damit zur Caixa (Kasse) gehen. Am Ende des Ladens gibt es drei Kassenboxen, jeweils mit einer Abgrenzung davor, damit die Kunden in geordneten Reihen anstehen. Alle drei Kassen sind mit jungen Damen besetzt; vor einer der Kassen steht eine Kundin, die gerade abgefertigt wird. Über den Kassen ist ein kleiner Automat angebracht, auf dem die Nummer angezeigt wird, die gerade dran ist. Wie früher beim Arzt. Es ist hilfreich, wenn man den Zettel, den der Verkäufer einem in die Hand gedrückt hat, parat hat. Der Meine hat wohl nicht auf die Anzeige geachtet und da außer uns und der zahlenden Kundin niemand im Laden war, ist er frech an die mittlere Kasse marschiert. Ich stehe derweil im Laden rum und gucke gelangweilt ins Leere, damit mich die Verkäufer in Ruhe lassen. Als ich das nächste Mal zur Kasse gucke, steht mein Mann an der linken Kassenbox und zahlt. Seine Nummer war inzwischen aufgerufen und einer anderen Kassiererin zugeordnet worden. Es dauerte dann noch mal geschlagene zehn Minuten, bis er tatsächlich mit einer Tüte in der Hand auf mich zukam und das Geschäft tatsächlich abgewickelt war. Oh Mann!

Danach zu „Jamer“, einem kleinen Jeansladen. Hier gibt es nur zwei Verkäuferinnen, was die Sache etwas übersichtlicher macht. Auch hier erklärt mein Mann sein Anliegen und die Verkäuferin verschwindet, kommt mit einem Stapel Jeans zurück und drängt meinen Mann in die Umkleidekabine. Weil der Laden so klein ist, ist es unmöglich, einfach ins Leere zu gucken. Also bleibt mein Blick immer wieder an irgendwelchen Kleidungsstücken hängen. Die Verkäuferin wittert sofort Morgenluft. Was sie denn für mich tun könne, werde ich gefragt.
Ich brauche nichts, danke.
Sie habe calças (Hosen) auch für Damen und auch in meiner Größe (was soll das denn heißen?), camisetas (T-Shirts), Bermudas und, und, und.
Danke, habe ich gesehen. Ist ja übersichtlich, der Laden.
Als sie merkt, dass ich partout nichts kaufen will, versucht sie mir ein Gespräch aufzuzwingen und mir bricht der Schweiß aus. Für langes Palaver in einer Sprache, mit der ich immer noch auf Kriegsfuß stehe, habe ich echt keinen Nerv. Gott sei Dank steckt mein Mann nun in der ersten Buxe und wartet auf mein fachmännisches Urteil. Ich bin gerettet!
Als er wieder in der Kabine verschwindet, umkreist mich die zweite Verkäuferin, wird aber von einer neuen Kundin in andere Bahnen gelenkt. Warum brauchen Männer eigentlich immer so lange, bis sie in einer Hose drin sind?
Zum guten Schluss haben wir zwei Jeans und drei Shorts gekauft. Die Jeans sind zu lang und müssen geändert werden, was hier kein Problem ist. Die eine Verkäuferin steckt die Hosenbeine ab, während die andere beginnt, Zettel auszufüllen. Sie kontrolliert jedes Etikett gewissenhaft und trägt die Kennziffern von Hand in ein Formular ein. Danach zählt sie die Posten auf ihrem Zettel und anschließend die Anzahl der Hosen. *mit den Augen roll* Dann geht sie mit dem Zettel an den PC und überträgt die handschriftliche Liste in die Neuzeit. Zwischendrin tippt sie immer mal wieder wilde Zahlenkolonnen in eine kleine Rechenmaschine. Als sie mit allem fertig ist, zählt sie die Hosen erneut. Offenbar ist sie mit dem Ergebnis zufrieden, denn nun kramt sie nach einer geeigneten Tüte. Ich mache derweil ein paar Lockerungsübungen, um meine Rückenmuskulatur zu entspannen. Das war noch nicht alles, ich weiß es genau!
Sie zählt von den fünf Hosen drei ab, kontrolliert die Etiketten, guckt, ob die alle kurze Beine haben – die müssen nicht geändert werden – und stopft sie in eine Tüte. Yippee!! Danach holt sie ein neues Formular, auf dem die Anzahl der zu ändernden Hosen (zwei) und die Art der Änderungen vermerkt werden. Wir werden noch gefragt, welche Art Saum die Jeans denn haben sollen und auch das wird in das Formular eingetragen.
Fertig?
Mitnichten!
Ein weiteres Formular wird unterm Ladentisch hervorgezaubert und fein säuberlich ausgefüllt. Das ist unser Abholzettel, mit dem wir die geänderten Hosen am Montag in Empfang nehmen können. Wir machen noch mal klar, dass die Buxen morgens fertig sein müssen, da wir ab mittags kein Auto mehr haben. Fein säuberlich wird „9.00 Uhr“ auf dem Zettel vermerkt. Nun noch geschwind das Procedere mit der Kreditkarte und schon stehen wir mit einer Tüte in der Hand auf der Straße.
Puh, Shopping ist anstrengend!
Wir kommen zurück zum Auto und stellen fest, dass wir unsere gebuchte Parkzeit schon um 20 Minuten überschritten haben. Schleunigst machen wir uns vom Acker und steuern den nächsten Shop an. Hier kann man umsonst parken. Da die Einkaufsprozedur auch hier ähnlich ist, erspare ich mir – und Euch – weitere Ausführungen.
Danach noch zum Supermarkt und dann endlich nach Hause.
Mann, bin ich platt!