Shopping

Die Schuhläden in Brasilien sind riesig. Die Schaufenster sind meist links und rechts vom Eingang – längs – angeordnet und man weiß nie so genau, ob man schon im Laden ist oder noch davor. Zwischen den Schaufenstern sind diverse Ständer mit Sonderangeboten aufgebaut und dazwischen lauern rund 15 Verkäufer/innen, die sich sofort auf dich stürzen, wenn du auch nur einen Blick in die Auslage wirfst. Personalkosten sind hier echt kein Thema.
Egal, wir wollten kaufen und nicht gucken. Mein Mann deutete auf seine Schuhe und lies den Gewinner der Kundenfang-Rallye wissen, was genau er sucht und in welcher Größe. Wir wurden ins Innere des klimatisierten Ladens geleitet und durften uns setzen. Der Verkäufer war für längere Zeit verschwunden. Aus Langeweile wollte ich mich eigentlich ein bisschen im Laden umgucken … hier gibt’s auch Taschen, Gürtel und all so was. Die auch hier lauernde Verkäuferschar hielt mich davon ab und irgendwann tauchten auch rund zehn Schuhkartons auf Beinen aus dem Loch auf, in dem unser Verkäufer vor langer Zeit verschwunden war. Keine Ahnung, wo die ihr Lager haben!
Schuhe kaufen geht beim Göttergatten schnell. Farbe und Form stehen fest, also müssen sie nur noch passen und bequem sein. Schnell waren zwei Paar gefunden, dazu noch Socken, ein Gürtel und ein kleiner Regenschirm, weil es draußen tröpfelte und wir hier keinen Schirm besitzen.
Wer jetzt glaubt, dass man mit dem ganzen Kram einfach zur Kasse gehen und bezahlen kann, der irrt! Das hat mit Geld zu tun und ist folglich in Brasilien kompliziert!
Der Verkäufer tippt die einzelnen Posten in einen Computer ein, der auf einem wackeligen Minitischchen irgendwo in der Ecke steht. Sehr gewissenhaft macht er das, prüft jede Kennziffer x-mal. Mein Mann kriegt ein Zettelchen mit einer Nummer drauf und darf damit zur Caixa (Kasse) gehen. Am Ende des Ladens gibt es drei Kassenboxen, jeweils mit einer Abgrenzung davor, damit die Kunden in geordneten Reihen anstehen. Alle drei Kassen sind mit jungen Damen besetzt; vor einer der Kassen steht eine Kundin, die gerade abgefertigt wird. Über den Kassen ist ein kleiner Automat angebracht, auf dem die Nummer angezeigt wird, die gerade dran ist. Wie früher beim Arzt. Es ist hilfreich, wenn man den Zettel, den der Verkäufer einem in die Hand gedrückt hat, parat hat. Der Meine hat wohl nicht auf die Anzeige geachtet und da außer uns und der zahlenden Kundin niemand im Laden war, ist er frech an die mittlere Kasse marschiert. Ich stehe derweil im Laden rum und gucke gelangweilt ins Leere, damit mich die Verkäufer in Ruhe lassen. Als ich das nächste Mal zur Kasse gucke, steht mein Mann an der linken Kassenbox und zahlt. Seine Nummer war inzwischen aufgerufen und einer anderen Kassiererin zugeordnet worden. Es dauerte dann noch mal geschlagene zehn Minuten, bis er tatsächlich mit einer Tüte in der Hand auf mich zukam und das Geschäft tatsächlich abgewickelt war. Oh Mann!

Danach zu „Jamer“, einem kleinen Jeansladen. Hier gibt es nur zwei Verkäuferinnen, was die Sache etwas übersichtlicher macht. Auch hier erklärt mein Mann sein Anliegen und die Verkäuferin verschwindet, kommt mit einem Stapel Jeans zurück und drängt meinen Mann in die Umkleidekabine. Weil der Laden so klein ist, ist es unmöglich, einfach ins Leere zu gucken. Also bleibt mein Blick immer wieder an irgendwelchen Kleidungsstücken hängen. Die Verkäuferin wittert sofort Morgenluft. Was sie denn für mich tun könne, werde ich gefragt.
Ich brauche nichts, danke.
Sie habe calças (Hosen) auch für Damen und auch in meiner Größe (was soll das denn heißen?), camisetas (T-Shirts), Bermudas und, und, und.
Danke, habe ich gesehen. Ist ja übersichtlich, der Laden.
Als sie merkt, dass ich partout nichts kaufen will, versucht sie mir ein Gespräch aufzuzwingen und mir bricht der Schweiß aus. Für langes Palaver in einer Sprache, mit der ich immer noch auf Kriegsfuß stehe, habe ich echt keinen Nerv. Gott sei Dank steckt mein Mann nun in der ersten Buxe und wartet auf mein fachmännisches Urteil. Ich bin gerettet!
Als er wieder in der Kabine verschwindet, umkreist mich die zweite Verkäuferin, wird aber von einer neuen Kundin in andere Bahnen gelenkt. Warum brauchen Männer eigentlich immer so lange, bis sie in einer Hose drin sind?
Zum guten Schluss haben wir zwei Jeans und drei Shorts gekauft. Die Jeans sind zu lang und müssen geändert werden, was hier kein Problem ist. Die eine Verkäuferin steckt die Hosenbeine ab, während die andere beginnt, Zettel auszufüllen. Sie kontrolliert jedes Etikett gewissenhaft und trägt die Kennziffern von Hand in ein Formular ein. Danach zählt sie die Posten auf ihrem Zettel und anschließend die Anzahl der Hosen. *mit den Augen roll* Dann geht sie mit dem Zettel an den PC und überträgt die handschriftliche Liste in die Neuzeit. Zwischendrin tippt sie immer mal wieder wilde Zahlenkolonnen in eine kleine Rechenmaschine. Als sie mit allem fertig ist, zählt sie die Hosen erneut. Offenbar ist sie mit dem Ergebnis zufrieden, denn nun kramt sie nach einer geeigneten Tüte. Ich mache derweil ein paar Lockerungsübungen, um meine Rückenmuskulatur zu entspannen. Das war noch nicht alles, ich weiß es genau!
Sie zählt von den fünf Hosen drei ab, kontrolliert die Etiketten, guckt, ob die alle kurze Beine haben – die müssen nicht geändert werden – und stopft sie in eine Tüte. Yippee!! Danach holt sie ein neues Formular, auf dem die Anzahl der zu ändernden Hosen (zwei) und die Art der Änderungen vermerkt werden. Wir werden noch gefragt, welche Art Saum die Jeans denn haben sollen und auch das wird in das Formular eingetragen.
Fertig?
Mitnichten!
Ein weiteres Formular wird unterm Ladentisch hervorgezaubert und fein säuberlich ausgefüllt. Das ist unser Abholzettel, mit dem wir die geänderten Hosen am Montag in Empfang nehmen können. Wir machen noch mal klar, dass die Buxen morgens fertig sein müssen, da wir ab mittags kein Auto mehr haben. Fein säuberlich wird „9.00 Uhr“ auf dem Zettel vermerkt. Nun noch geschwind das Procedere mit der Kreditkarte und schon stehen wir mit einer Tüte in der Hand auf der Straße.
Puh, Shopping ist anstrengend!
Wir kommen zurück zum Auto und stellen fest, dass wir unsere gebuchte Parkzeit schon um 20 Minuten überschritten haben. Schleunigst machen wir uns vom Acker und steuern den nächsten Shop an. Hier kann man umsonst parken. Da die Einkaufsprozedur auch hier ähnlich ist, erspare ich mir – und Euch – weitere Ausführungen.
Danach noch zum Supermarkt und dann endlich nach Hause.
Mann, bin ich platt!

11 Gedanken zu “Shopping

  1. Die Verkäufer und Verkäuferinnen haften mit ihrem Gehalt für eigene Fehler beim Abrechnen. Und da viele eh schon mit Mathe und Alphabet auf Kriegsfuß stehen, werden die da ganz gewissenhaft. Und letztendlich ist Brasilien bürokratischer als Deutschland. Das ist immer ein Staunen wert.

    Liken

      • Arbeitnehmer möchte ich hier wirklich nicht sein und die Bürokratie treibt auch mich gelegentlich an den Rand. In manchen Dingen ist Brasilien unheimlich fortschrittlich und bei einfachen Sachen fühle ich mich oft in meine frühe Kindheit zurück versetzt.
        Es gibt jeden Tag etwas zum Staunen!

        Grüße an die Sonne werden ausgerichtet; in Deutschland ist sie ja zur Zeit eher selten, wie mir berichtet wurde. 😦

        Liken

    • Danke für den warmen Willkommensgruß.
      So richtig zu Hause fühle ich mich hier allerdings noch nicht wieder.
      Einkaufen kann man in Brasilien prima – zumindest in den größeren Städten. Man muss nur eine gehörige Portion Geduld mitbringen.
      Und ja, ich habe mir auch was gekauft: zwei Stangen Zigaretten. Das ging schnell. 😉

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s