Jo is‘ denn scho‘ Woihnocht’n?

Heute musste ich zur Post, Pakete hinbringen, ein Paket abholen. Vor Weihnachten ist das der blanke Horror und am liebsten hätte ich mich gedrückt. Um ein bisschen Zeit zu schinden, hab‘ ich meinen finalen Einkaufszettel gemacht und mit mir selbst einen Deal geschlossen: wenn mein Auto anspringt, fahre ich als erstes zum Super-Supermarkt und stelle mich erst anschließend in die Reihe am Postschalter an. Nach dem Supermarkt-Horror würde ich über den Post-Horror nur noch lachen können, dachte ich mir.

Mein Auto sprang an und das von ganz vielen anderen Leuten auch, obwohl viele von denen bei Schnee und Matsch besser aufs Autofahren verzichten würden. 🙄

Im Supermarkt war natürlich der Teufel los. Trotzdem gelang es mir, das einigermaßen gelassen zu ertragen. Ich könnte einen Roman schreiben über meine Erlebnisse, will Euch aber nur von einem Ehepaar mittleren Alters erzählen, auf das ich an der Fleischtheke gestoßen bin:
Sie hält einen dicken Schinken in der Hand, er umklammert den Einkaufswagen, den er so geschickt geparkt hatte, dass außer seiner Frau und ihm niemand mehr an die Theke herankam. Man(n) lässt sich doch nicht das beste Stück vor der Nase weg schnappen! :>
„Guck emol, reicht der?“, fragte die Gattin und wiegt das Fleischstück in den Händen.
„Des is‘ doch zu viel; mir sin‘ doch nur vier Leut‘!“
„Nee, überlech doch emol … de Karlheinz isst bestimmt so viel“, sie zerlegte mit den Fingern den Schinken in einzelne Portionen. „Du so viel“ (auch der Gatte bekam eine ordentliche Portion … ist ja Weihnachten) „und es Marieche un ich etwa so viel“. Die Damen waren wohl auf Diät, trotzdem war vom Schinken jetzt nicht mehr viel übrig.
„Un de Rest esse mer am erste Feierdaach.“ Die Hausfrau war in ihrem Element, der Gatte skeptisch. Er kramte nun seinerseits mit der freien Hand in den Schinkenstücken herum, die andere fixierte weiterhin den Einkaufswagen.
„Guck emol, der do is doch gut!“ Triumphierend hielt er seiner Frau ein Stück unter die Nase, das mindestens genau so groß war wie ihres.
„Nee, der is doch so fett. Guck emol do.“ Die Finger, die eben noch das Fleischstück portioniert hatten, stocherten jetzt auf dem anderen Schinken herum.
Es ging noch eine ganze Weile so und ich verfolgte das Schauspiel ziemlich belustigt. Als sie die gesamte Schinkentheke umgegraben hatten kam endlich die Frage, auf die ich schon die ganze Zeit gewartet hatte: „… oder solle mer doch lieber e Lendche mache?“ :))

Ich selbst bin ziemlich gut organisiert und lege viel Wert auf Planung. Dabei kann man gemütlich Kaffee trinken, rauchen und Radio hören. Ich hasse es, meine Zeit im Supermarkt zu verplempern. Mir wird es ein ewiges Rätsel bleiben, wie man erst am Fleischregal beginnen kann, das Menü zu planen und zu überlegen, was und wie viel man einkaufen muss. Aber egal, andere haben vielleicht kein gemütliches zu Hause.

Es war jedenfalls ein ziemliches Chaos in der Lebensmittelabteilung. Trotzdem hatte ich irgendwann alles, was auf meiner Liste stand und reihte mich in einer der zahlreichen Kassenschlangen ein. Mein Einkaufswagen sah ziemlich bescheiden aus im Vergleich zu den übrigen in meinem Umkreis. Keine Ahnung, wer das über die Feiertage alles vertilgen soll. Es versetzt mich alle Jahre wieder in Staunen!

Im Ausgangsbereich drängelte sich besagtes Ehepaar vor mich. Sie schob den Einkaufswagen, er studierte den Kassenzettel. Abrupt blieb sie stehen.
„Guck doch emol, wie dess do drauße schneit!“, schreit sie.
Beide stehen mitten im Ausgang und glotzen in den Himmel. Ich konnte mein Gefährt gerade noch so zum Stehen bringen, mein Hintermann nicht. Rums – immer rein in die Hacken! :## Wenigstens hat er sich entschuldigt. Ich war trotzdem ein bisschen angepisst und herrschte jetzt das vertrottelte Ehepaar an, sie sollten gefälligst die Tür frei machen. Vor Weihnachten sind alle aggressiv und ich wollte es jetzt auch sein. Dass es draußen schneit, habe ich schon von der Kasse aus gesehen, aber da waren die wahrscheinlich noch damit beschäftigt, das Gemüse zu portionieren. Mannomannomann!

Beim Rausfahren vom Parkplatz haben sie übrigens nochmal versucht, sich vor mich zu drängeln. Da hab‘ ich aber Stoff gegeben; nochmal wollte ich mir die Zwei nicht antun.

Die Post war danach im Übrigen wirklich nur noch ein Klacks … wenn man mal davon absieht, dass 10 Minuten vor der Öffnung schon dreizehn Leute vor mir waren. 8|

Die letzten Tage vor Weihnachten bleibe ich jedenfalls zu Hause. Sollte ich wider Erwarten irgendwas vergessen haben, dann brauchen wir das halt nicht. Habe fertig!

7 Gedanken zu “Jo is‘ denn scho‘ Woihnocht’n?

  1. Ich hab auch immer das Gefühl, dass alle denken, nach Weihnachten kann man nirgendwo mehr was kaufen! Ich hab das meiste mit dem letzten Wochenendeinkauf schon erledigt. Aber ich weiß ja noch nicht mal, ob Alex nach Hause kommt. Ist eh wurscht, satt werden wir allemal. 🙂

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    • Auch wenn es diesmal drei Tage sind, an denen man nichts kaufen kann – verhungern würden wir sicher nicht. Ich kapiere es nicht: es gibt Kühltruhen und Dosenfutter und die Leute tun wirklich, als stünde eine Hungersnot an.
      Nach Weihnachten stöhnen dann alle wieder, dass alles eine einzige Fresserei war und sie nun dringend etwas kürzer treten müssen. Geschieht ihnen recht! ;D

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  2. Mit meinen maßlosen Medikamenten für fruchtbare Fisimatenten und meiner fischigen Frauenheilkunde aus sittenstrolchiger Sprechstunde serviere ich ein Stück meiner schwedischen Stopfleber!

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  3. Wenn ich nach dem Kalender gehe sind es noch 2Tg. bis Weihnachten.
    Aber es ist wirklich witzig was manche Leute so vom Stapel lassen, nur weil Weinachten vor der Tür steht. Hamsterkauf sag ich nur. Alles muss raus.
    Eine Woche später geht dann alles wieder von vorne los, Sylvester.

    Liebe Grüße Ameda

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    • Auja, darauf freue ich mich auch schon. Silvester habe ich auch die Bude voll und muss Futter ranschleppen. Da werde ich aber schon morgens um sieben im Laden stehen in der Hoffnung, dass alle anderen noch in tiefem Schlummer liegen. Hab‘ ich mir jedenfalls so vorgenommen. 😉
      LG Caipi

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