Jammertag

Manchmal hat man es einfach im Urin und weiß von vorn herein, dass der Tag nix wird. Ist halt mal so.

Der Tag heute fing eigentlich gut an: deftiges Hüttenfrühstück ohne Stress und Zeitdruck, gutes Wetter, glatte Piste. Blöd war, dass mein Sport unerfahrener Körper heute etwas schwächelte. Noch blöder war, dass mir über Nacht zwei linke Beine gewachsen waren und Schi fahren so gar nicht funktionieren wollte. Ich hab’s aber gleich eingesehen und wollte auch gar nicht viel fahren, musste aber notgedrungen noch einen Hang runter.

Da fährste dann so langsam vor dich hin und plötzlich driften die Schier in verschiedene Richtungen ab. Du weißt sofort, dass das nicht nur ziemlich bescheuert aussieht, sondern auch sauber in die Hose geht. Eine halbe Pirouette hab’ ich noch gedreht, konnte mich auch noch kurz auf den Beinen halten, aber … Trickski ist einfach nix mehr für ältere Semester. Rückwärts knallte ich den Hang runter. Größtmögliche Höhe für den Aufprall des Hinterkopfes auf die Piste. Ungebremst, versteht sich. Das Hirn besucht die Augen. Zum ersten Mal war ich richtig dankbar für meinen Helm. :yes:
Der Aufschlag war trotzdem hart und ich blieb erstmal ziemlich belämmert liegen. Eine irgendwie geartete Bewegung war mir auch gar nicht möglich, ich hatte nämlich Schier und Stöcke unter mir begraben und lag flach wie eine Flunder auf den ganzen Klamotten, die merkwürdigerweise alle noch an mir dranhingen. Normalerweise sollte so ’ne Bindung ja aufgehen. Dann allerdings hätte ich den ganzen Krempel irgendwo am Hang zusammen suchen müssen.
Ich fühlte ein bisschen in mich hinein und versuchte rauszukriegen, ob sich irgendwas ungewöhnlich anfühlt. Dann kam Hilfe von oben, sortierte meine Gliedmaßen, Bretter und Stöcke und richtete mich wieder auf.

Meine Mitfahrer, die unten am Hang auf mich warteten, waren heilfroh, dass sie den Berg nicht wieder hoch stapfen mussten und ich offensichtlich o.k. war. Na … und ich erst! Mein Schädel und meine Knochen sind wohl äußerst stabil, da hab’ ich gute Gene mitgekriegt.

Mal abgesehen davon, dass man nach so einer Aktion keine guten Haltungsnoten mehr zu erwarten hat, ist einem die Häme der lieben Mitmenschen ja gewiss und eine Runde „Sturztrunk“ darf man obendrein ausgeben. Die hab’ ich aber gerne bezahlt; es hätte auch anders ausgehen können und so war ich noch gut bedient.

Das Ganze ist nun ein paar Stunden her. Inzwischen tut’s auch an einigen Stellen weh: Nacken- und Schulterbereich habe ich gesalbt, am Hintern prangt ein dicker Pferdekuss, das rechte Knie ist maulig und überhaupt möchte ich jetzt mal ein bisschen bedauert werden. ;D

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12 Gedanken zu “Jammertag

    • Danke! *schnief*

      Ach, wenn man immer wüsste, wie so etwas passiert. Es kann an Spurrillen liegen, einer unverhofften Eisplatte, einem Schneehaufen oder einfach an Unachtsamkeit. Das weiße Zeug kann verdammt tückisch sein. Es war mein erster Sturz seit vielen Jahren und jetzt hab‘ ich Jammerbedarf. 😉

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  1. Guten Morgen Caipi

    Ich weiß schon, warum ich nicht auf diese Bretter steige?
    Man sagt ja auch nicht umsonst Sport ist Mord.
    Ich werde Dir eine Massage zukommen lassen.
    Komm und lasse Dich ganz fest drücken.
    Hier ist es auch wieder am schneien, alles weiß.
    Schippen ist angesagt.

    Lieben Gruß Ameda

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    • Oh ja, Massage … das wäre jetzt fein! Ich hab‘ gestern ausgiebig heiß geduscht und die Aua-Stellen mit Voltaren-Salbe bestrichen. Die Nacht ließ trotzdem zu wünschen übrig. 😦
      Heute habe ich das mit dem Sport gelassen und war statt dessen schön shoppen. Ein Trostpflästerchen muss schon sein. 😉
      LG, Caipi

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  2. Nun lass dich nicht hängen! Mutig zur nächsten Hütte gewangt und die Schmerzen mit Jagertee und Strohrum bekämpft. Und dann eine Packung Aspirin hinterher und gut ist. Der Pharmareferent von nebenan empfiehlt dann zwar noch paar Leberreinigungspillen zu 10 Euro das Stück, aber Hauptsache überlebt.
    Jetzt weiß ich warum der Neureuther-Sohn gewonnen hatte. Er wollte dir entgehen.
    Alles Gute und bleib Ganz!

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    • Klar, dem Neureuther-Bub hab‘ ich mit einer wilden Verfolgungsjagd gedroht. Sonst wäre das ja nie was geworden mit einem Platz auf dem Treppchen. 😉

      Strohrum und Jagertee … das sind rezeptfreie Brechmittel, gell?
      Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Hüttenwirt oder Skilehrer. *spei*

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  3. Ich knuddel Dich ganz fest, und blase mal überall (oder fast) drauf, dann wird’s schon wieder.

    Nur, liebe Caipi, hat Dir noch niiieee jemand gesagt, dass Du mit sofort einsalben die blauen Flecken erst richtig heraus lockst?! Damit sollte man 24 Std. warten.

    Dieser Rat von Frau Dr. abumasa ist für Dich kostenlos.

    Ansonsten wünscht man Skifahrern ja nicht umsonst: „Hals- und Beinbruch!“

    :wave:

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    • Danke für den Tipp, Frau Doktor! Den blauen Fleck hab‘ ich überhaupt nicht behandelt; der ist am Hintern und stört mich nicht weiter. Die Nackenmuskeln waren etwas gezerrt und wurden gesalbt. Inzwischen ist aber alles fast schon wieder vergessen.
      Meine Fahrweise war nach dem Sturz allerdings etwas verhaltener. Frau ist ja lernfähig. 😉

      LG, Caipi

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