Ansichten eines Clowns

oder: So’n Narr hats auch nicht leicht!

Die Nicht-Fastnachter stellen sich das immer so einfach vor: man setzt ’ne rote Nase auf, steckt Geld und Hausschlüssel ein und zieht los. Weit gefehlt!

Schon Tage vor dem großen Treiben machst Du Dir Gedanken darüber, was Du dieses Jahr zu welcher Veranstaltung anziehen sollst. Zweimal dasselbe Kostüm geht ja gar nicht! Also holst Du die diversen Verkleidungskisten vom Speicher und beginnst zu kramen und rucki zucki hast Du das schönste Chaos zu Hause. Die Wohnung gleicht einem Nahkampfgebiet. 😳
Zwischen diversen Perücken, Federboas, großformatigen Brillen (sind längst out!), abgeschnittenen Schlipsen – die Trophäen aus den Vorjahren werden sorgsam verwahrt – Bergen von Klamotten, Hüten, Fastnachtsseide und massenhaft Tüll bahnst Du Dir einen Weg zum Kleiderschrank. Da war doch kürzlich noch ein altes schwarzes Kleid, aus dem sich bestimmt was machen ließe. Das kleine Schwarze ist irgendwie weg, dafür fallen Dir ein paar Teile in die Finger, die für den normalen Gebrauch auch nicht mehr so wirklich taugen. Die wirst Du dann erst mal aufs Bett, den Rest stopfst Du achtlos zurück in die Fächer und Schubladen.

Halt! Da gibt’s noch eine Kiste mit altem Modeschmuck. Wo war die doch gleich? Ach ja, hier! Du kippst den ganzen Plunder aufs Plumeau und fängst an zu sortieren. Bei der Gelegenheit fällt Dir ein, dass Du doch extra das dicke Geschenkband von Weihnachten aufgehoben hast, um damit irgendeinen Fastnachtsfummel aufzupeppen.
Also an den nächsten Schrank, da wo Geschenkbänder und Kordeln und all so was aufgehoben werden. Raus mit der Kiste und durchgewühlt. Schön, dass alles so ordentlich aufgewickelt ist. Blöd, dass nicht dran steht, wie lang die Bänder eigentlich sind. Also Stecknadeln raus und alles auseinander gedröselt. Um die nicht benötigten Teile wieder ordentlich aufzuwickeln ist jetzt keine Zeit. Der Narr an sich ist gerade im Stress! 8|

Dir fällt ein, dass Du kürzlich aus dem alten Verbandskasten die Rettungsdecke aussortiert und aufgehoben hattest. Da lässt sich doch bestimmt ein last-Minute-Kostüm draus zaubern! Wie groß ist so ein Ding eigentlich? Du reißt die Verpackung auf und breitest das Ding aus. Es landet dann – nur lässig gefaltet – auf dem Bügelbrett und wartet auf seinen eventuellen Einsatz.
Dazu würde goldfarbene Schminke passen. Hast Du eigentlich welche? Du rennst ins Bad und kramst im Schrank (ganz unten, hinten) nach der Kiste mit der Theaterschminke. Diverse Döschen landen mangels Ablagefläche im Waschbecken. Das Fläschchen Mastix ist kaputt und der ausgelaufene Kleber ist mit falschen Wimpern, einem Rest Plastilin und diversen Aufpapp-Teilen eine innige Verbindung eingegangen. Der Klumpen kommt direkt in den Müll und gehört damit zu den wenigen Dingen in Deiner Wohnung, die gerade da sind, wo sie hingehören. 😳 😳

Das kleine Schwarze geht Dir nicht aus dem Kopf und siedend heiß fällt Dir ein, dass da noch ein Rot-Kreuz-Sack im Keller steht. Du wirst doch nicht …? Du rast die Treppe runter und schleppst – im Keller ist es ja so dunkel – den ganzen Krempel wieder hoch in die Wohnung. Der blöde Sack ist natürlich schon zugeknotet und für Friemeleien ist keine Zeit. Du greifst zur Schere und kippst der Einfachheit halber alles auf den Boden. Knietief stehst Du in den modischen Verfehlungen der letzten Jahre und … findest das Objekt Deiner Begierde! :>>
Es ist ziemlich verkrumpelt und irgendwie hattest Du es auch größer in Erinnerung. Au weija, da haben die Kalorien doch tatsächlich die Klamotte kleiner gefressen. Keine Chance, da passt Du nicht mehr rein und selbst wenn – spätestens beim Schunkeln hättest Du die Aufmerksamkeit der Mit- und Nebennarren auf Dich gezogen. Das will frau ja gar nicht. Jedenfalls nicht so!

Du suchst Dir eine halbwegs freie Sitzgelegenheit und lässt Dich geschafft nieder. Dein Blick streift über das Trümmerfeld, das Du in der letzten Stunde angerichtet hast. Noch immer hast Du keinen Plan, was Du mit dem ganzen Kram nun anfangen sollst und keine Idee für ein Kostüm. Gut, dass noch ein paar Tage hin sind, bis zur richtigen Narretei. Irgendwas wird Dir schon noch einfallen; bisher hat das ja auch geklappt und Chaos macht kreativ … oder so.

Ihr könnt übrigens fragen, wen Ihr wollt: Das ist überall so, wo Fastnacht gefeiert wird! Niemals käme ein Narr auf die Idee, einen anderen Narren in der Fastnachtszeit unangemeldet zu besuchen. Der Kamm die Pappnase liegt neben der Butter leergefressenen Pizzaschachtel. Das gehört dazu, wie der Tusch zur Büttenrede.

Zwei Tage noch, dann beginnt das große Aufräumen. Helau!

11 Gedanken zu “Ansichten eines Clowns

  1. Ich hab´ es ja schon immer geahnt: Karneval ist Stress 😉

    Aber es würde mich jetzt doch mal interessieren, für welche Kostüme du dich letztendlich entschieden hast und übrigens ein Foto ist doch keine „Zumutung“ *grins*

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  2. Sag ich doch: Die „goldisch Fassenacht“ ist kein Zuckerschlecken!
    Aus dem ganzen Durcheinander ist ein Clown und ein amer. football-Spieler entstanden, der im wesentlichen aus Schulterpolstern bestand.
    Ein Foto von meinem Chaos wäre eine Zumutung, glaub‘ mir! :yes:

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