Behindert sein in Brasilien

… muss unglaublich beschwerlich sein. Des Öfteren schon sind mir Menschen mit schwersten Gehbehinderungen in der Stadt aufgefallen, die sich mühselig auf einfachsten Holzkrücken fortbewegten. Rollstühle sieht man im öffentlichen Leben nie (Kinderwägen übrigens auch nur sehr selten), was sicher daran liegt, dass man sich damit hier gar nicht fortbewegen kann. Die Bordsteine sind meist idiotisch hoch, uneben, steil und mit Löchern jeder Größe durchsetzt. Man müsste mindestens zwei Begleitpersonen haben, die den Rollstuhl immer wieder auf die richtige Bahn bringen. Ein einziges Mal habe ich eine Frau im Rolli im Supermarkt gesehen und mich wirklich gefragt, wie sie es wohl bis dorthin geschafft hat.

Natürlich gibt es auch hier Vorschriften, die Menschen mit körperlichen Gebrechen das Leben vereinfachen sollen. Öffentliche Gebäude, Gaststätten etc. sind mit einer Rampe ausgestattet, an den Straßenkreuzungen gibt es mehr oder weniger ordentlich betonierte Rampen, die das Überqueren der Straße ermöglichen sollen. Meist steht just vor dieser Rampe ein Zeitungskiosk oder ein fliegender Händler offeriert seine Waren. Das interessiert niemanden, keiner fühlt sich dafür zuständig. Hauptsache, das Ding ist ordnungsgemäß gebaut!

Natürlich gibt es auch hier Spezialisten für alle möglichen Gebrechen, werden Operationen durchgeführt, künstliche Gelenke etc. eingesetzt. Es gibt auch hier Fördereinrichtungen und Hightech-Hilfsmittel, aber die können sich nur gut Betuchte leisten. Die Masse der Kleinverdiener muss wohl sehen, wie sie mit ihren kaputten Knochen, Gelenken und kranken Muskeln zu Recht kommen.
Diese Menschen werden behindert!

Advertisements

Hund sein in Brasilien

Mal abgesehen von den unzähligen herren- und leinenlosen Hunden, die komischerweise immer nur abends durch die Straßen streifen und den dichten Verkehr gänzlich zum Erliegen bringen, gibt’s natürlich auch hier Hunde mit Herrchen oder Frauchen. Meist handelt es sich um große Hunde, die in Zwingern gehalten und gefüttert werden und sich im Übrigen selbst überlassen bleiben. Nix mit Hundeschule, -trainer oder einer irgendwie gearteten Abwechslung. :no: Die Tiere verkümmern geistig und körperlich.

In unserer Nachbarschaft leben zwei Hunde, deren Behausung zwischen zwei Hauswänden liegt und die nur nach vorne hin auf eine Privatstraße schauen können. Die erleben gar nichts! Wenn da wirklich mal ein Auto oder Fußgänger vorbeikommt, wird gebellt, was das Zeug hält. Was sollen sie auch sonst machen?
Gassi gehen ist auch nicht. Keine Ahnung, wo die Tiere ihr Geschäft erledigen und wie das dann entsorgt wird. Ich mag mir darüber auch keine Gedanken machen.

Von meinem Fenster aus blicke ich auf einen Hundezwinger, der zwei Grundstücke weiter steht. Es gibt eine Hundehütte und er wird auch regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt. Gestern habe ich beobachtet, wie der Hund Schwanz wedelnd zum Tor lief, als Frauchen auftauchte. Sie ging rein in den Zwinger, holte den Wassereimer, ging wieder raus und füllte ihn. Während dessen lief der Hund kurz raus und schnurstracks an einen Baum, hob das Bein und lief danach sofort wieder in seinen Zwinger. Er wurde nicht gestreichelt, er bekam keinerlei Ansprache. Wassereimer wieder rein in den Zwinger, Tür zu und weg war Frauchen wieder.
Der Hund hat nicht mal gebellt.

Ich bin keine ausgewiesene Hundefreundin, aber wenn ich einen Hund halte, muss ich mich auch drum kümmern, oder? In Deutschland stünde sofort der Tierschutz auf der Matte. Hier schert sich niemand darum.
Ein trauriges Hundeleben!

Brasilianische Besonderheiten

Teil 2 – Plastiktüten

Eine weitere Jobmöglichkeit ist die des Einpackers im Supermarkt. Meine persönliche Bezeichnung für diesen Berufsstand schwankt zwischen Obstmatscher und Bierdosenversenker. Ich „liebe“ diese Kerle (sind komischerweise immer nur Jungs) sehr, packen sie doch meistens erst die Erdbeeren in die Tüte und obendrauf die 2-Liter-Pulle Spül- oder Haarwaschmittel. Dazu kommt noch ein Päckchen Schinken, dann ist die Tüte gefüllt und er fängt eine neue an. Mehr als drei Teile kommen nie in den Beutel (gerne aber weniger) und mehr würden die dünnen Dinger auch gar nicht aushalten.

Ganz toll finde ich es, wenn sie mühselig versuchen, die Kartons mit Dosengetränken in eine solche Tüte zu pressen. Mit sehr viel Feingefühl ist das zwar machbar, bringt aber überhaupt nichts. Die Henkel würden sofort reißen, wenn Du versuchst, den schweren Karton so zu transportieren. Das ist also komplett für’n Arsch für die Füße. Mit den Jungs verbindet mich eine innige Feindschaft! Ihr müsstet die treuherzigen Blicke sehen, mit denen sie mich anschauen, wenn ich ihnen die Bierdosenkiste entreiße und sie nackig wieder zurück in den Einkaufswagen stelle! Gottvoll! :>>

Mit Plastiktüten haben die hier echt ’ne Macke! Du kaufst im Supermarkt am Brotstand zwei Brötchen, die in eine dünne Plastiktüte eingepackt werden. An der Kasse stopft der Jüngling eben diesen Plastikbeutel in einen weiteren mit Henkel und stellt ihn Dir in den Einkaufswagen zurück. Zwei Brötchen, zwei Tüten. Was soll das? 🙄

Kürzlich habe ich Paprikaschoten gekauft, eine rote und eine grüne. Hier ist es so, dass Du Dir das Obst und Gemüse aussuchst und die verschiedenen Sorten jeweils in eine Tüte packst. Mit den ganzen Tüten gehst Du dann an einen Schalter, wo sie gewogen und mit einem Preisschild versehen werden. In Deutschland muss man das selbst tun, hier hat man Leute dafür angestellt.
Jedenfalls hatten rote und grüne Paprikaschoten ein und denselben Preis und wir haben natürlich beide in eine Tüte gepackt. Ihr könnt Euch schon denken, was passiert ist: es wurden zwei Tüten draus, in denen jeweils eine einsame Paprikaschote wohnte.

Ich hab’ beim letzten Einkauf die Tüten gezählt … 19 Stück und es hätten locker 25 werden können, wenn ich nicht eingegriffen hätte.
Die Dinger kann man gut als Mülltüten verwenden, nur … so viel Müll kannst Du beim besten Willen nicht produzieren!

Brasilianische Besonderheiten

Teil 1 – Parken

Andere Länder, andere Sitten!
Um Euch unser hiesiges Leben ein bisschen näher zu bringen, habe ich gerade eine kleine Reihe mit brasilianischen Besonderheiten ins Leben gerufen und beginne sie mit der Beschreibung von „Traumjobs“:

Die wandelnde Parkuhr
Wenn Du in der Stadt irgendwo parkst, steigst Du aus dem Auto aus und hältst Ausschau nach einem meist blau bekittelten Jungen, den Du herbei pfeifst. Dem erzählst Du, wie lange Du zu parken gedenkst und drückst ihm das Geld dafür in die Hand. Er seinerseits füllt umständlich einen Zettel mit der Uhrzeit und dem Autokennzeichen aus, der hinter den Scheibenwischer geklemmt wird. Ein Traumjob, der meist von männlichen Jugendlichen ausgeführt wird.

Als Pendant dazu gibt es für Mädchen den Job der

Parkticket-Zieh-und-Überreicherin
im Parkhaus des Supermarktes. Das ist der Hammer schlechthin!

Stellt Euch ein Parkhaus mit nebeneinander liegender Ein- und Ausfahrt vor. In der Mitte sind die Automaten aufgestellt, an denen Du ein Parkticket ziehen bzw. es beim Verlassen wieder einschieben kannst, damit sich die Schranke öffnet. Zwischen diesen Automaten steht nun ein Mädel, lächelt Dich freundlich an, drückt auf den Knopf, entnimmt das Ticket und überreicht es Dir. Der gleiche Vorgang in umgekehrter Reihenfolge beim Verlassen des Parkhauses.
Sie muss also die Ein- und die Ausfahrt bedienen, was den Job richtig anspruchsvoll macht. Dazu steht sie den ganzen Tag und atmet Autoabgase ein … für einen Hungerlohn!

Kürzlich waren die Ticketautomaten außer Betrieb. Man hätte die Schranke einfach auflassen können, aber das hätte vermutlich zu einem Chaos geführt. Also stand das Mädel an ihrem Platz, lächelte freundlich und erklärte jedem, dass er heute ohne Ticket parken kann/muss/soll.

Diesen Job gibt’s – glaube ich – nur hier!
Die Stellenbeschreibung würde ich gerne mal lesen. :))