Brasilianische Besonderheiten

Teil 2 – Plastiktüten

Eine weitere Jobmöglichkeit ist die des Einpackers im Supermarkt. Meine persönliche Bezeichnung für diesen Berufsstand schwankt zwischen Obstmatscher und Bierdosenversenker. Ich „liebe“ diese Kerle (sind komischerweise immer nur Jungs) sehr, packen sie doch meistens erst die Erdbeeren in die Tüte und obendrauf die 2-Liter-Pulle Spül- oder Haarwaschmittel. Dazu kommt noch ein Päckchen Schinken, dann ist die Tüte gefüllt und er fängt eine neue an. Mehr als drei Teile kommen nie in den Beutel (gerne aber weniger) und mehr würden die dünnen Dinger auch gar nicht aushalten.

Ganz toll finde ich es, wenn sie mühselig versuchen, die Kartons mit Dosengetränken in eine solche Tüte zu pressen. Mit sehr viel Feingefühl ist das zwar machbar, bringt aber überhaupt nichts. Die Henkel würden sofort reißen, wenn Du versuchst, den schweren Karton so zu transportieren. Das ist also komplett für’n Arsch für die Füße. Mit den Jungs verbindet mich eine innige Feindschaft! Ihr müsstet die treuherzigen Blicke sehen, mit denen sie mich anschauen, wenn ich ihnen die Bierdosenkiste entreiße und sie nackig wieder zurück in den Einkaufswagen stelle! Gottvoll! :>>

Mit Plastiktüten haben die hier echt ’ne Macke! Du kaufst im Supermarkt am Brotstand zwei Brötchen, die in eine dünne Plastiktüte eingepackt werden. An der Kasse stopft der Jüngling eben diesen Plastikbeutel in einen weiteren mit Henkel und stellt ihn Dir in den Einkaufswagen zurück. Zwei Brötchen, zwei Tüten. Was soll das? 🙄

Kürzlich habe ich Paprikaschoten gekauft, eine rote und eine grüne. Hier ist es so, dass Du Dir das Obst und Gemüse aussuchst und die verschiedenen Sorten jeweils in eine Tüte packst. Mit den ganzen Tüten gehst Du dann an einen Schalter, wo sie gewogen und mit einem Preisschild versehen werden. In Deutschland muss man das selbst tun, hier hat man Leute dafür angestellt.
Jedenfalls hatten rote und grüne Paprikaschoten ein und denselben Preis und wir haben natürlich beide in eine Tüte gepackt. Ihr könnt Euch schon denken, was passiert ist: es wurden zwei Tüten draus, in denen jeweils eine einsame Paprikaschote wohnte.

Ich hab’ beim letzten Einkauf die Tüten gezählt … 19 Stück und es hätten locker 25 werden können, wenn ich nicht eingegriffen hätte.
Die Dinger kann man gut als Mülltüten verwenden, nur … so viel Müll kannst Du beim besten Willen nicht produzieren!

6 Gedanken zu “Brasilianische Besonderheiten

  1. Ökopazer, du! Produzierst du endlich mal gescheut Müll so wie es deine VätersVätersVäter?!? Unglaublich! Jedes Kaugummi sollte durch eine Extra-Mülltüt geehrt werden! Also mach hinne! Sonst kom ich gleich rüber und bring dir meinen Müll mit … :>>

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    • Glaub‘ mir, wir geben uns redlich Mühe! :yes:

      Ich trenne ja auch hier den Müll – zumindest Plastik und die unsäglichen Metalldosen – und stelle das sortiert in den Abfallkorb. Irgend jemand kann das immer brauchen und nimmt es mit. Meine letzte Mülltüte wird wohl ein großer Sack Plastiktüten sein. 🙄

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    • Das mit den Einkaufstaschen habe ich hier auch schon probiert. Das Problem ist nur, die Förderbänder an den Kassen sind winzig und wenn Du einen vollgepackten Wagen hast, stehst Du selbst noch vor der Kasse und bist am Ausladen, während das Bubchen hinter der Kasse schon alles in Plastiktüten packt.
      Nächstes Jahr werde ich mir so eine Klappkiste mitbringen … mal gucken, was dann passiet. 😉

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  2. Ist es nicht eine Sünde sooooooooo viel Plastik zu verwenden und das in einem so wunderschönen Land ???

    Ich kann das ehrlich oft auch bei uns nicht begreifen und habe immer mein Körbchen oder eben Stoffbeutel dabei.

    Aber wie du schon geschrieben hast, die Jungs müssen ihren Job tun und bis dein Korb hinten leer ist,
    ist vorn schon alles verpackt.

    Andre Länder….
    andre Sitten und es ist schon interessant hier bei dir, was darüber zu erfahren.

    Liebe Grüße
    Uschi

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    • Hallo Uschi,
      in Sachen Müllvermeidung sind wir in Deutschland natürlich schon sehr diszipliniert (worden) und weil wir selbstverständlich auch darin sehr gründlich sind, fällt uns so was in anderen Ländern besonders auf.
      Ein Spanier z.B. würde sich beim Anbick der hiesigen Plastikberge gar nichts denken.

      Unsere brasilianische Freundin ist aus allen Wolken gefallen, als sie mitgekriegt hat, dass wir in Deutschland für eine Plastiktüte 20 Cent hinblättern müssen und die Flaschen zurück in den Laden bringen.
      Aber sie hat drüber nachgedacht und findet nun auch, dass man wirklich sparsamer mit Plastik und Getränkedosen sein sollte. Bis sich diese Erkenntnis bei allen Brasilianern durchgesetzt hat, werden aber noch Jahrzehnte vergehen. 🙄

      Ich werde gerne weiter über „Besonderheiten“ berichten.

      LG, Caipi

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