Behindert sein in Brasilien

… muss unglaublich beschwerlich sein. Des Öfteren schon sind mir Menschen mit schwersten Gehbehinderungen in der Stadt aufgefallen, die sich mühselig auf einfachsten Holzkrücken fortbewegten. Rollstühle sieht man im öffentlichen Leben nie (Kinderwägen übrigens auch nur sehr selten), was sicher daran liegt, dass man sich damit hier gar nicht fortbewegen kann. Die Bordsteine sind meist idiotisch hoch, uneben, steil und mit Löchern jeder Größe durchsetzt. Man müsste mindestens zwei Begleitpersonen haben, die den Rollstuhl immer wieder auf die richtige Bahn bringen. Ein einziges Mal habe ich eine Frau im Rolli im Supermarkt gesehen und mich wirklich gefragt, wie sie es wohl bis dorthin geschafft hat.

Natürlich gibt es auch hier Vorschriften, die Menschen mit körperlichen Gebrechen das Leben vereinfachen sollen. Öffentliche Gebäude, Gaststätten etc. sind mit einer Rampe ausgestattet, an den Straßenkreuzungen gibt es mehr oder weniger ordentlich betonierte Rampen, die das Überqueren der Straße ermöglichen sollen. Meist steht just vor dieser Rampe ein Zeitungskiosk oder ein fliegender Händler offeriert seine Waren. Das interessiert niemanden, keiner fühlt sich dafür zuständig. Hauptsache, das Ding ist ordnungsgemäß gebaut!

Natürlich gibt es auch hier Spezialisten für alle möglichen Gebrechen, werden Operationen durchgeführt, künstliche Gelenke etc. eingesetzt. Es gibt auch hier Fördereinrichtungen und Hightech-Hilfsmittel, aber die können sich nur gut Betuchte leisten. Die Masse der Kleinverdiener muss wohl sehen, wie sie mit ihren kaputten Knochen, Gelenken und kranken Muskeln zu Recht kommen.
Diese Menschen werden behindert!

5 Gedanken zu “Behindert sein in Brasilien

  1. Ist schon interessant liebe Caipi,
    wie es in anderen Ländern zugeht.

    Kann mir vorstellen, das es sehr beschwerlich für Behinderte ist und man es wieder richtig schätzen kann,
    was uns da alles für Möglichkeiten geboten werden.

    Danke für die Einblicke und liebe Grüße in die Ferne
    Uschi

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  2. Momentan ist eine Schweizer Bekannte, eine Rolli-Fahrerin in Salvador. Sie schwärmt inzwischen davon, was die Stadt für Rolli-Fahrer so getan hat und ist nach eigene Worten auch nicht die einzige Person im Rollstuhl auf Salvadors Straßen. Zumindest heißt das, dass nicht alle Städte Brasiliens Rolli-ungeeignet sind.

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    • Es wäre schön, wenn das hier auch so wäre und die Rolli-Fahrer am öffentlichen Leben teilnehmen könnten.
      Hier baut sich jeder seinen Bürgersteig selbst: es wird ein Rest Beton, Steine oder was auch immer auf die Straße gekippt und irgendwie verteilt. Löcher, Kanten und Höhenunterschiede sind schon für gesunde Fußgänger gefährlich.

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  3. Man muss auch den Norden und den Süden Brasilien unterscheiden. Der Norden, der ärmste Teil Brasilien. Ich kenne Paraná und lebe Heute in Ceará. Der Unterschied ist krass!
    Was mir sofort aufgefallen ist, in meinem Kaff (10-12000) gibt es zu viele Geistigbehinderte. Die meisten leben abgesondert für sich oder in kleiner Gruppe zusammen. Normalerweise heisst es hier, die Familie kümmere sich. Naja ….
    Doch oft erlebt, andere Einwohner benutzen die Geistigbehinderter um ihren Spass zu haben, Fofoka! Was hat man auch weiter zu tun? Hockt täglich vor der Haustür und weiss mit sich selbst nichts anzufangen. Mit der Zeit verdummt man ohne es selbst zu merken.

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