Schnee? – Nee!

Vergnügt sitzen wir auf der Terrasse und frühstücken. Die Sonne blinzelt gerade übers Dach und bemächtigt sich der Butter, die schon eine leicht glänzende Oberfläche hat. Nix wie in den Schatten damit und dann ein bisschen schneller essen, bevor sich auch noch die Haselnuss-Streichcreme verflüssigt. Die Vöglein zwitschern, ein laues Lüftchen umspielt meine nackten Schultern. Heute haben wir den 27. November, es ist 10.00 Uhr und angenehme 24° C! 😀
Via Internet verfolgen wir ein deutsches Radioprogramm und hören so sonderbare Meldungen wie: „16 km Stau wegen Schneetreibens“, „überfrierende Nässe“ oder auch die Grüße eines Brummifahrers an die „Jungs auf den Schneeschiebern, die einen tollen Job machen“. Hallo??? 88|

Ich mag noch gar nicht daran denken, dass uns das in knapp zwei Wochen auch alles wieder bevorsteht und ich glaube, ich hab’ auch gar nichts anzuziehen für so ein Schietwetter. Hier reichen Shorts und T-Shirt ganztägig aus und dann sollen wir kratzige Pullover und dicke Stiefel anziehen? O Gott, wo habe ich das Zeug nur alles hingepackt? Mir graut es schon jetzt!

Euch allen einen schönen 1. Advent!

Advertisements

Brasilianische Weihnachten

Ich sage Euch, den Brasilianern ist vor gar nix fies … was nicht passt, wird passend gemacht!
Schon seit Wochen sind in der Stadt Arbeitstrupps unterwegs und bringen Leuchtobjekte und Lichterketten an; die Weihnachtssaison beginnt gnadenlos am 12. November und die feierliche Eröffnung des ganzen Rummels fiel auch noch mit dem großen Jahrestreffen des hiesigen Motorradclubs zusammen. Vor dem Kurhotel festlicher Lichterglanz, dahinter die Zeltstraße der Biker mit gigantischen Biervorräten, Grillständen und – ordentlich aufgereiht – Chrom blinkenden Motorrädern.

Gegen acht sind wir die Straße Richtung Kurpark runter gelaufen und landeten gleich mal in einem großen Hupkonzert. Ein mit Lichterketten und –schläuchen geschmücktes Weihnachtsmotorrad mit Anhänger fuhr an uns vorbei, von dem aus Papai Noel den verdutzten Passanten zuwinkte. Nix mit Rentieren oder so … hier ist man modern!

Papai Noel

Auf der Bühne vor dem Hotel brüllte ein Ansager und stimmte die Menschenmassen auf die Ankunft von Papai Noel ein. Sofort setzten sich die Massen in Bewegung und marschierten Richtung Bühne. Das war ein Gedränge … mein Gott! Alte und Lahme wurden mit Rollstühlen rangekarrt, Babys und Kleinkinder auf dem Arm geschleppt. Alle waren mit Fotoapparaten bewaffnet und wer noch eine Hand frei hatte, hielt damit das Handy am Ohr und unterrichtete Freunde und Verwandte, was gerade passiert.
Die harten Biker in ihren Lederoutfits bekamen kindlich runde Augen, was so gar nicht zu der Bierdose passen wollte, die sie umklammert hielten. Ein paar Fußballfans in verschiedenen Vereinstrikots waren ebenfalls unterwegs und alle waren friedlich und hatten sich lieb.

Sehr skurril das Ganze, aber höchst interessant! Muss man mal erlebt haben!

Havaianas

So unterschiedlich die Menschen in Brasilien auch sein mögen, eines eint sie: Die Liebe zu Havaianas! Damit sind weder die Leute aus Hawai gemeint, noch die ähnlich klingenden Zigarren. Es handelt sich schlicht um Gummischlappen, die bei uns als Flipflops bekannt sind. Es gibt riesige Läden, die nichts anderes verkaufen. In allen Größen und Farben, mit Schleifchen, Blümchen und – für besondere Anlässe – sogar mit Strass besetzt. Diese Latschen sind billig; jeder kann sie sich leisten und ich kenne wirklich keinen Brasilianer, der nicht mindestens ein Paar davon sein eigen nennt. Sie sind absolut gesellschaftstauglich und werden zu fast allen Gelegenheiten getragen.
Kürzlich habe ich in einer Zeitung ein Hochzeitsbild gesehen und bin bald vom Hocker gefallen – die Braut trug Havaianas zum Prinzessinnen-Fummel! 8| Was soll man dazu sagen?

Übrigens laufen wir hier auch mit diesen Dingern rum, die gelegentlich auch als Chinellos bezeichnet werden und ich muss sagen, sie sind ausgesprochen praktisch! Nichts drückt und kneift, man steht schön weich und Käsefüße bekommt man darin auch nicht, weil bei jedem Schritt ordentlich Luft an die Sohle kommt. Auch als Mordwerkzeug sind sie bestens geeignet; selbst die überaus robusten Ameisen sind erledigt, sobald sie vom Gummi getroffen werden. :>>

Außerdem hört man schon von weitem, wenn jemand kommt und geübte Ohren kriegen sogar mit, wer das ist. Das ganz typische Geräusch (klatsch, klatsch, klatsch) weist auf einen normalen Läufer hin, mit einem plopp-schlurf-klatsch, plopp-schlurf-klatsch kommt ein eher lustloser Geselle daher.

Autofahren mit Gummischlappen ist übrigens verboten, aber da hält sich natürlich niemand dran. Selbst Bauarbeiter tragen Havaianas und klettern damit auf Mauern und Leitern rum. Die inzwischen hauchdünn gelaufenen Sohlen geben vermutlich einen besonders guten Halt. 88| Das probiere ich lieber nicht aus, da bin ich gerne Feigling.