Jahresrückblick

In allen Sendern wird auf das fast vergangene Jahr zurückgeschaut: was ist passiert, wer ist gestorben oder zurückgetreten, wer hat geheiratet, was gab es für Skandale? Ich bin immer etwas zwiegespalten, ob ich mir das antun soll oder lieber doch nicht. Unser Gehirn neigt dazu, die guten Dinge in Erinnerung zu behalten und die schlechten zu verdrängen. Das hat die Natur so eingerichtet, damit wir nicht komplett durchdrehen und nur noch düster in die Zukunft blicken. Die Deutschen sind ja sowieso eher Pessimisten und suchen in den Krümeln, um irgendwo doch noch etwas Negatives zu finden. Ich kenne Leute, bei denen das ganz besonders ausgeprägt ist. Die können sich nicht einfach über irgendwas freuen; es gibt immer etwas zu bekritteln. In anderen Ländern ist das anders, aber das nur nebenbei.

Jedenfalls bin ich kürzlich beim Rumzappen in einer dieser Rückblick-Sendungen gelandet und natürlich doch hängen geblieben. Nee, wat ham wer nich alles erlebt dieses Jahr!

An ein paar Sachen konnte ich mich sogar erinnern. Da waren die verkeimten Sprossen, die uns wochenlang in Atem gehalten haben. Tomaten und Gurken waren tabu und manch einer verzichtete auf jede Form von Rohkost. Das war wirklich schlimm; einige Menschen sind gestorben und wer überlebt hat, kämpft heute noch mit den Auswirkungen.
Komplett vergessen hatte ich allerdings, dass wir auch Dioxin in Eiern hatten. Durch die ganzen Lebensmittelskandale bin ich inzwischen so abgestumpft, dass ich so etwas kaum noch zur Kenntnis nehme.

Das Erdbeben in Japan und der nachfolgende Tsunami bleibt uns allen wohl in ewiger Erinnerung. Auch wenn wir weit weg sind, hatte dieses Ereignis auch Auswirkungen auf unsere Politik. Uns‘ Angela machte eine Wende, dass einem schwindlig wurde und steht nun an vorderster Front bei den Atomkraftgegnern.
Der wahnsinnige Amoklauf eines Vollidioten in Norwegen nahm uns den Atem. Der Bahnhof in Stuttgart wird gebaut. Von der versemmelten Fußball-WM der Frauen redet kein Mensch mehr. Der Hochadel hat ein paar Junggesellen weniger. Ein paar Prominente sind gegangen, ein paar Kinder wurden geboren, die vielleicht mal prominent werden.
Der Frühling war irre warm, der Sommer fiel aus und der Herbst war so trocken, dass man im Rhein spazieren gehen und „Muscheln“ suchen konnte. Gefunden hat man dann eine Bombe aus dem letzten Krieg, was auch immer mal wieder passiert bei Baggerarbeiten. So ein Krieg dauert halt länger als man glaubt.

Mein persönliches Resümee? Ein ganz normales Jahr mit Höhen und Tiefen. Ein paar Highlights sind mir noch in Erinnerung, den Mist habe ich aus dem Gedächtnis gestrichen. So bin ich halt gestrickt und das ist auch gut so!
Lasst uns mal schauen, was das neue Jahr bringt und versuchen, unvoreingenommen an Sachen heranzugehen, die neu für uns sind. Ein bisschen hängt es nämlich von uns selbst ab, wie sich Dinge entwickeln und wer nur nach Negativem sucht, wird auch nur Negatives finden.

In diesem Sinne: seid entspannt, nehmt es, wie es kommt und macht das Beste daraus.
Einen guten Rutsch Euch allen!

Nachbarschaftswichteln

Es gibt ja tatsächlich Leute, die drei Tage vor Heilig Abend schon alles erledigt haben: Geschenke sind verpackt, der Baum steht, Grußkarten sind verschickt, das Festtagsmenü steht und natürlich ist längst alles dafür eingekauft. Beneidenswert!

Ich halte es da eher mit unseren rasenden Paketmännern und erledige alles im Dauerlauf. Um die Päckchen los zu werden, klingeln die gleich bei mehreren Nachbarn. Wer zuerst an der Tür ist, kriegt alle Pakete in die Hand gedrückt und darf sie dann in der Straße verteilen – was dazu führt, dass ständig irgendwelche Nachbarn mit irgendwelchen Paketen unterwegs sind. Das hat fast schon was von Wichtelspielchen!
Früher oder später kommt man also an sein Päckchen. Trotzdem war ich froh, heute schnell genug gewesen zu sein. In meinem Paket waren dringend benötigte Druckerpatronen, die mich jetzt in die Lage versetzen, meine Weihnachtspost auszudrucken und endlich auf den Weg zu bringen. Bei der Gelegenheit werde ich mir auch das Abenteuer Postamt geben; die Briefmarken sind nämlich auch alle! Ich weiß, dass man sich die selbst ausdrucken kann und normalerweise machen wir das auch. Aber ich habe noch ein Paket auf den Weg zu bringen. Das muss zwar nicht zu Weihnachten beim Empfänger sein, aber ich will es endlich aus den Füßen haben.

Danach kümmere ich mich um die letzten Kleinigkeiten (wir schenken uns ja nix! Nur Kleinigkeiten … für die man dann genauso lange rumrennen muss, wie wenn man ein richtiges Geschenk kauft). Anschließend noch zum Supermarkt und ins Fischgeschäft und wenn ich dann noch Lust habe, haue ich mir auf dem Weihnachtsmarkt noch eine Portion Kartoffelpuffer rein.
Der Countdown läuft jedenfalls auch bei mir.

Ach ja, und dann gibt es da auch noch die Leute, deren Silvesterprogramm schon steht. Die sind mir ja schon ein bisschen suspekt! :-/

Ich war im Paradies

Ein Flugzeug spuckte uns am Mittwochabend am Frankfurter Flughafen aus und ehe wir es uns versahen, befanden wir uns wieder in unserem eigentlichen Leben, also dem mit beruflichen Verpflichtungen, Familie, alten Freunden und dem Zuhause, das in unseren Pässen eingetragen ist. Ein komisches Gefühl. Immerhin begrüßte uns die alte Heimat diesmal nur mit normalem Feierabendverkehr und nicht obendrein noch mit einem Schneesturm.

Ich bin wieder hier, in meinem Revier!
Die Heizung tat, wie ihr befohlen und auch das Wasserbett hatte die bestellte Temperatur erreicht. Es war also einigermaßen heimelig. Ein Gebirge aus Post, Katalogen und Zeitungen erwartete uns auf dem Esstisch. Dazu kamen nun nach und nach die Dinge, die aus den Koffern stammten und denen nicht unmittelbar eine neue Heimstatt zugewiesen werden konnte. Vor der Tür zum Keller wuchs ein Wäscheberg, die Treppe war belagert von diversen Mitbringseln und auf der Küchenanrichte stapelten sich die Geschenke für Nachbarn und Freunde, die sich während unserer Abwesenheit um Haus und Hof gekümmert hatten und die nun bald verteilt werden sollten.
Ruckzuck hatten wir das schönste Chaos zu Hause. Irgendwo dazwischen fand sich auch noch ein Plätzchen für zwei Pizzaschachteln, geliefert vom Italiener unseres Vertrauens.

Das Chaos dauert noch an, zumindest in Teilen. Dazwischen befindet sich aber nun auch noch ein bisschen Weihnachtsdeko … wir müssen uns ja sputen; wenn Heiligabend die Familie anrückt, soll es so aussehen wie immer. Übrigens habe ich festgestellt, dass es nach dem zweiten Advent die weihnachtlichen Gestecke zum halben Preis gibt und das ist doch auch mal fein. Ok, die Tannennadeln rollen sich schon ein bisschen, aber das täten sie auch, wenn sie schon zwei Wochen vorher bei mir im Wohnzimmer gewesen wären.

Am Donnerstag bin ich als aller erstes zum Supermarkt – ungefrühstückt! – und was soll ich Euch sagen: es war die Wursttheke, die mir leuchtende Augen beschert hat! Zwei Rentner waren noch vor mir an der Reihe (seit wann gehen die eigentlich morgens einkaufen?) und ich hatte genügend Zeit, das Angebot auf mich wirken zu lassen.
Leberwurst! Muss ich haben!
Schwarzwälder Schinken auch.
Ebenso saftig gegarten Schweinebraten und natürlich Fleischsalat. Hmmm.
Ach, und von den Mettbrötchen will ich auch noch eins, natürlich mit Zwiebeln drauf!
Ich kam mir vor, wie im Paradies. Eine Auswahl, die mich fast erschlagen hat, beschied mir Gelüste, die ich monatelang nicht hatte. Ich habe eingekauft, als hätte ich eine Großfamilie zu versorgen!

Wir haben in Brasilien wirklich nichts vermisst. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es außer Mortadella, Pseudo-Salami und nach nichts schmeckendem gekochten Schinken noch eine weitere Option gegeben hätte, aber das war immer nur kurz. Meistens haben wir sowieso Käse gegessen und da ist die Auswahl wirklich groß. Von Camembert, Gorgonzola und solchen Dingen mal abgesehen. Diese Köstlichkeiten wanderten jetzt natürlich auch noch in meinen Einkaufswagen und lagen neben dem Sortiment dunklem Brot, mit und ohne Körner.
Dazu kamen dann noch die Basics, Kartoffeln, Zwiebeln, Eier, Obst, Milchprodukte. Ratz fatz war der Einkaufswagen voll und ich stellte mich an der Kasse an.

Mann sind die hier schnell! Bevor ich raffte, dass ich schon an der Reihe war, hatte die Kassiererin all meine Einkäufe über den (funktionierenden!) Scanner gezogen und in die Ablage geschoben. Blöd halt, dass hier keiner war, der meine Einkäufe in Tüten verpackte. Da muss ich mich von jetzt an wieder selbst drum kümmern. Ich kramte in den ungewohnten Geldscheinen und stopfte mit der anderen Hand meine frisch erworbenen Schätze zurück in den Einkaufswagen. Irgendwie fühlte ich mich plötzlich überfordert. Hier ging alles so schnell und alle waren irgendwie hektisch. Ich war das alles nicht mehr gewohnt.

Inzwischen bin ich – leider – schon wieder auf der richtigen Betriebstemperatur. Vorbei ist das gemütliche Leben, wo jeder Zeit für ein kleines Schwätzchen hat und man einfach langsamer geht, weil alle langsam gehen. Man passt sich halt an und die nächsten neun Monate werde ich mich wieder etwas schneller drehen.

Euch allen einen geruhsamen dritten Advent!

PS: Das Mettbrötchen hat übrigens die Heimfahrt nicht überlebt!

Begegnungen

Was hier so am Wegesrand wächst:

Kaffee

Ananas

Mango

Wer einem so alles begegnet:

Kuehe

Maradona
Blöd, wenn nach einem kurzen Stop auf sehr einsamer Landstraße das Auto nicht mehr anspringen will; gut, wenn Maradona zufällig vorbei kommt und hilft!

Wie man wohnen kann (aber nicht muss!):

DDR_Charme
Hotel in bester Lage und der Versuch, im laufenden Betrieb den DDR-Charme los zu werden und umzubauen. Hier möchte ich nicht wohnen!

Weihnachten jetzt doch auch hier

Kaum hatte ich mich darüber mokiert, dass die Stadt dieses Jahr nix weihnachtliches auf die Reihe kriegt, schon geht es auch hier los. Auf dem Weg zum Bäcker las mein Mann morgens die Ankündigung, dass die Stadt am Abend von Papai Noel heimgesucht werden würde und dann auch der offizielle Startschuss für die städtische Illumination fiele. Da sin’ mer dabei …!

Über Nacht war vor dem Kurhotel eine Bühne entstanden oder besser gesagt sogar zwei, wobei eine aus mehreren aneinander gereihten Zelten bestand und bestuhlt war. Hier fand das Orchester Platz. Zwei Videowände waren aufgebaut und dazwischen hatten auch noch ein paar Leuchtengel sowie ein großer Weihnachtsbaum aus Lichterketten Platz. Alles war noch dunkel, als wir um kurz vor 20.00 Uhr eintrafen. Selbst der Cristo auf dem Berg war ohne Beleuchtung. Wenn nicht ein paar Techniker an der Lichtanlage herumgefummelt und immer mal etwas ein- und wieder ausgeschaltet hätten, hätten wir einen Stromausfall vermutet.

Alles, was irgendwie laufen konnte, war auf dem Platz versammelt und starrte Richtung Bühne, auf der ein Ansager die Leute auf die Ankunft des Weihnachtsmannes einstimmte. Dazwischen sprachen dann auch alle möglichen wichtigen Leute, drei Pfarrer, der Bürgermeister und was weiß ich nicht, wer noch alles. Es zog sich hin und ich vermutete, dass Papai Noel den Weg zu uns gar nicht finden könne, weil es viel zu dunkel ist. Man sah die Hand vor Augen kaum!

Um halb neun ist uns das zu doof geworden und wir beschlossen, nun irgendwo ein Bier trinken zu gehen. Wir bahnten uns einen Weg durch die Menschenmassen und plötzlich war es soweit: Der Weihnachtsmann erschien wahrhaftig auf der Bühne! Also … erst einmal kam eine ordentliche Ladung aus der Nebelmaschine und als der Dunst endlich abgezogen war, stand er leibhaftig da und wurde jubelnd begrüßt. Zwei Kanonen spukten rote Folienflocken in die Luft, die dann auf die Menschheit hernieder fielen. Das ist im Moment der neueste Schrei; das kann man auch im Fernsehen dauernd bei irgendwelchen Shows sehen. Egal, jedenfalls vergaßen sie vor lauter Aufregung, das Licht endlich einzuschalten und so tappten wir weiter im Dunkeln, bis wir endlich in eine ruhigere Gegend kamen. Hier war dann auch wieder die normale Straßenbeleuchtung an.

Wir marschierten durch die Stadt und landeten schließlich in der schrillsten Kneipe im Ort, der „Bar do Dutti“. Jene Eckkneipe, die immer rappelvoll ist, obwohl es nichts gibt außer eiskaltem Bier und in einer alten Tonne gegrillten, salzigen Fleisch- oder Käsespießen.
Wir fanden einen Platz und konnten uns von dem Weihnachtsrummel erst einmal ausruhen.

Auf dem Nachhauseweg sahen wir schließlich, dass man inzwischen auch den Lichtschalter gefunden hatte und nun der Platz vor dem Hotel im hellen Glanz erstrahlte. Es wird also doch Weihnachten, auch wenn die Dekoration bei weitem nicht so üppig ist, wie im letzten Jahr. Angeblich soll aber Woche für Woche irgendetwas dazu kommen, sagte man uns. Vermutlich wird dann bei jedem neuen Leuchtobjekt eine große Party veranstaltet. Uns nützt das alles leider nichts mehr; wir müssen ans Koffer packen denken und werden nur wieder einen Sonderposten „städtische Weihnachtsbeleuchtung“ auf der Stromrechnung finden. :-/

Weihnachten light

So aufwändig die Weihnachtsdekoration im vergangenen Jahr in unserem Urlaubsort war, so sparsam ist sie in diesem Jahr! Zwar sind schon seit geraumer Zeit Arbeiter damit beschäftigt, Strommasten und Bäume mit bunten Lichterketten zu umwickeln, aber die Sache nimmt so recht keinen Fortgang. Wenn die in dem Tempo weiter machen, sind sie vermutlich erst zu Ostern fertig. Einen kurzen Probelauf der Illumination haben wir immerhin schon mal miterlebt: lila ist dieses Jahr angesagt!

Die Straße vor dem Kurhotel – da, wo sich die Touristen tummeln – ist mit Weihnachtssternen geschmückt, die in Blumenkübel gepflanzt wurden. Blöd halt, dass diese Kübel von parkenden Autos verdeckt werden und die Wirkung damit gleich Null ist. Das Ende der Touristenzone ist mit einer windschiefen Pyramide, ebenfalls aus Weihnachtssternen, markiert. Bis hier hin und nicht weiter; dahinter ist nämlich … nichts!

Der Weihnachtsmann in der Badewanne vor dem Kurhaus muss dieses Jahr wohl auf seinen Auftritt verzichten; an seinem Stammplatz befindet sich jetzt eine Baustelle und im Kurpark ist auch nichts los.
Wenn man bedenkt, dass im letzten Jahr schon Mitte November die ganze Stadt ein einziges Lichtermeer war, ist das ziemlich mickrig, was uns diesmal geboten wird. Ich bin mal gespannt, ob sich auch dieses Jahr auf der Stromrechnung ein Sonderposten „Städtische Weihnachtsbeleuchtung“ finden wird. Sonderlich teuer kann das bisschen Lichterglanz ja nicht sein.

Auch die Privathäuser, die im letzten Jahr zum Teil aberwitzig dekoriert waren, sind heuer nicht zu finden. Bei unserer Nachbarin hängt gerade mal ein Nikolausstiefel an der Tür und sonst gibt es nichts, was auf das Fest der Feste hinweist. Im Shopping-Center steht immerhin ein Weihnachtsbaum, versteckt hinten in der Ecke zwischen den Fressständen.
Fällt Weihnachten dieses Jahr aus? Gab es einen Aufruf, den wir nicht mitgekriegt haben? Klar gibt es Xmas-Shops und private Weihnachtsmärkte, mit deren Hilfe z.B. das Altenheim versucht, die Kasse aufzubessern. Es gibt einen Fotoladen, in dem stolze Eltern ihre Sprösslinge in rote Jäckchen und Mützen stecken und ablichten lassen können, das war es aber dann auch schon.

Alles in allem: so richtig Weihnachten will es hier nicht werden und bei Temperaturen um 25° fühlt sich das für uns ja sowieso komisch an.

Trotzdem: ich habe Plätzchen gebacken und Stollen, einen Adventskranz gebastelt und unsere (aus Deutschland mitgebrachte und VDE geprüfte!) Lichterkette erhellt des Nachts den Balkon. Ist mir doch grad’ egal, ob die hier Weihnachten machen oder nicht!