Endlich zurück!

„Neues aus der Anstalt“ – endlich ist die Sommerpause vorbei!
Dieter Hildebrand war sensationell! :yes:

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Brasilien wird umweltfreundlich

Noch im letzten Jahr habe ich mich über die Flut an Plastiktüten aufgeregt, mit der man hier zugeschmissen wird und für die kein Mensch Verwendung hat … jedenfalls nicht für diese Menge. Inzwischen haben auch die Brasilianer eingesehen, dass es auch anders geht.

Bereits vor ein paar Monaten kam mir zu Ohren, dass z.B. in Belo Horizonte die Plastiktüten abgeschafft und die Leute nun daran gewöhnt werden sollen, eigene Einkaufstaschen mitzubringen. Ich habe keine Ahnung, wie weit das dort inzwischen gediehen ist, aber mir ist aufgefallen, dass es hier in den Supermärkten jetzt stabile Beutel zu kaufen gibt, die dann immer wieder verwendet werden können. Natürlich haben diese Tüten den Aufdruck des jeweiligen Supermarktes und einen Slogan „Ein Herz für … (Name der jeweiligen Stadt)“.

Die Verpackungs-Boys an den Kassen gucken auch nicht mehr irritiert, wenn ich ihnen meinen stabilen Nylonbeutel unter die Nase halte und stopfen bereitwillig alle meine Einkäufe hinein. Im letzten Jahr war das noch ein ziemlicher Kampf.
Guck an, es geht doch! 😀

Allerdings hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass es auch ohne Plastik geht. Beim Bäcker und in der Markthalle kriegt man immer noch genug, so dass wir inzwischen schon wieder über einen veritablen Vorrat an Mülltüten verfügen.

Gut Ding will eben Weile haben!

Nur ein bisssen !

Kurz vorm Urlaubsantritt, wenn das wichtigste erledigt und alle Punkte abgehakt sind, gönnst Du Dir mal was, dachte ich mir und machte kurzentschlossen einen Termin aus. Ich hatte noch einen Gutschein für eine einstündige thailändische Ganzkörpermassage, der schon längst hätte eingelöst werden sollen. Jetzt war ich reif dafür! :yes:

Ich hatte vorher schon einiges erledigt und war flott unterwegs. Forschen Schrittes erklomm ich die drei Stufen und stieß die Tür auf … und fand mich sofort in einer anderen Welt wieder. Ein dezentes Bimmeln kündigte mich an und flugs lugten mandelförmige Augen hinter einem Vorhang hervor.
Ich wurde in eine Kabine gebeten, in der eine Matratze auf dem Boden lag. Ich sollte mich aus- und die bereitliegenden Klamotten anziehen: eine weite Buxe mit Bindegürtel und ein T-Shirt, beides in XXL. Ich legte mich bäuchlings auf die Matratze und lauschte der leisen Entspannungsmusik, die mich sofort einlullte.

Dann kam das zarte Wesen und bemächtigte sich meiner Füße, die erst einmal mit einem warmen Tuch bearbeitet wurden. Ach Gott, das ist ja angenehm!
Sie begann, meine Zehen zu kneten und die Fußsohlen zu bearbeiten. Ich bin ziemlich kitzlig an den Füßen, aber ich war tapfer und riss mich zusammen. Ihre kleinen Hände wanderten langsam hoch zu den Waden und drückten auf die einzelnen Muskelstränge, die sich dort befinden (die kenne ich noch aus dem Biologieunterricht).
„Gans ssön hart“, meinte sie und ich dachte mir ‚warte mal, bis du an meine Schultern kommst‘. Ich fand ja, dass sie sich ein bisschen sehr ins Zeug legte bei meinen Waden, wollte mir aber nix anmerken lassen.

Ich weiß, dass ich Oberschenkelmuskulatur habe. Ja, doch. Dass es so viele sind, habe ich entschieden nicht gewusst! Ich habe keine Ahnung, was die da auf meinen Beinen veranstaltet hat – ich hab‘ ja hinten keine Augen. Es tat jedenfalls richtig weh. Sie drückte hinten unten und oben schnellte mein Oberkörper in die Höhe. „Tut ein bisssen weh, ja?“ ‚Verdammt, ja doch.‘
Sie war kein bisschen beeindruckt.

Von meinem Hintern dachte ich, dass der überwiegend aus Speck besteht … und wurde eines Besseren belehrt.
Inzwischen bekam ich richtig Schiss. Rücken und Schulterpartie sind meine Schwachstellen und genau die nahm sie sich jetzt lüstern vor. Ich hielt die Luft an. „Is alles gans hart! Muss ein bisssen locker machen.“ Sie kniete über mir und bohrte mir Ellbogen, Finger und was weiß ich nicht alles in die Muskulatur. Reflexartig schrie ich ein lautes „Au!“, bei dem mein gerade in der Heilung begriffener Mundwinkel erneut aufriss. Scheiße!

Sie war erbarmungslos, legte meine Arme in eine bestimmte Haltung und drehte meinen Kopf zur Seite. „Müssen viele Smerssen habe, is alles gans hart!“ ‚Ja! Verdammt noch mal, eben gerade – du Sadistin!‘, schoss es mir durch den Kopf. Ich rollte die Augen und ergab mich stöhnend. ‚Aus diesen Fängen kommst du nie mehr raus, Caipi!‘ Sie bohrte mit ihren kleinen dünnen Fingern unter meinem Schulterblatt rum. Woher nimmt die zarte Person diese Kraft? Mir schwanden fast die Sinne.
„Tut jetzt weh, aber nur ein bisssen. Morgen Musgelgader, aber dann alles gut!“ ‚Warte nur, bis ich mich wieder bewegen kann!‘ Ich sann nach Rache.

Habt Ihr eine Ahnung, wie lange eine Stunde dauern kann?!
Ich war Matsch.

„Lege auf die Rücke!“, befahl sie mir.
‚Nee. Keinesfalls! Ich habe vorne gar keine Muskeln. Ehrlich nicht!‘ Ich sortierte vorsichtig meine malträtierten Gliedmaßen und bevor ich mich versah, hatte mich das Schlitzaugenmonster erneut in die Matratze gedrückt.
Sie begann wieder unten. Hallo? Wade und so hatten wir doch schon! Boah nee! Jaul! Aua! Sie renkte mir gerade die Beine aus. Wenigstens meinen Bauch ließ sie in Frieden. Dafür bemächtigte sie sich jetzt meiner Arme. Hingebungsvoll. Dann die Hände und jeden einzelnen Finger. Ok, das war nicht schlecht.

Sie stand auf, schnappte sich mein linkes Bein und bog es Richtung Kopf, während sie mit ihrem Fuß das andere Bein auf der Matratze fixierte.
Hallo? Ich bin doch nicht aus Gummi!
Jetzt sollte ich das T-Shirt ausziehen und mich hinsetzen. ‚Fein‘, dachte ich, ‚jetzt hast Du es überstanden‘!
Von wegen!
Sie kniete hinter mir und bearbeitete erneut meine Schulterpartie. Ich schwöre es: diese kleinen Fingerchen kommen überall hin! Gerade bohrten sie sich in meinen Hals. Kurz darauf griff sie nach meinen Armen und drehte sie auf den Rücken. Meine Hände berührten meine Schulterblätter. Das taten sie – glaube ich – zuletzt im dritten Schuljahr. Meine angehaltene Luft entwich zwischen den zusammen gebissenen Zähnen.

Ich sollte die ausgestreckten Arme auf die Beine legen. Sie stand wieder hinter mir und drückte meinen Oberkörper nach vorne. Gott, hab‘ ich lange Arme! Die reichten ja bis an die Füße. Zumindest beinahe … der Bauch war irgendwie im Weg. ‚Früher ging das mal‘, schoss es mir durch den Kopf und kurz darauf: ‚Gleich knackt es im Rücken! Das kann nicht gut gehen!‘
Doch, es ging gut.

Sie verrieb noch etwas Tigerbalm auf meinem Rücken. „So, fertig! Morgen Musgelgader, aber nur ein bisssen. Dann alles gut. Jetzt sön locker alles!“
Ich war völlig ausgeleiert und am Ende meiner Kräfte! Ich traute mich auch nicht, ihr meine Meinung zu dieser Art der Folter zu sagen oder gar meine Mordgelüste auszuleben. Diese halbe Portion war ja viel stärker als ich!
Ich schlüpfte eingeschüchtert wieder in meine eigenen Klamotten und nahm dankbar lächelnd den Tee entgegen, den sie mir reichte.

… und jetzt warte ich darauf, dass irgendwo was weh tut!

Weiter geht’s …

mit der Basketballmeisterschaft

Ich hasse Sport im Fernsehen, das schon mal vorneweg. Ein Mensch in meinem Umfeld guckt alles, was die Flimmerkiste an sportlichen Veranstaltungen überträgt … und das ist eine ganze Menge. Tagsüber Leichtathletik, abends Basketball und dazwischen noch ein bisschen Formel irgendwas. Fußball gibts auch, aber das stört mich inzwischen nicht mehr, da gucke ich mit. Richtig auf den Zeiger geht mir derzeit aber diese bescheuerte Basketballmeisterschaft, die ich zwangsläufig akustisch mitkriege, während ich mit dem Notebook auf dem Schoß versuche, dem Leben irgendwas Interessantes abzugewinnen.

Ich hab‘ ja nix gegen Basketball an sich, aber die beiden Moderatoren dieser Veranstaltung machen mich völlig bekloppt! Diese zwei Experten sind so was von negativ und hektisch – das hält man im Kopp nicht aus. Mit ihren pessimistischen Äußerungen spielen sie sich gegenseitig die Bälle zu und es gelingt mir nicht, diese Ergüsse auszublenden. Ich krieg‘ Ohrenkrebs, wenn ich denen zuhöre!

„Oh, oh, oh … das ist kein guter Einstand für die deutsche Mannschaft!“
„Ja, so kann man ein Spiel nicht für sich entscheiden … da muss noch was passieren!“
„Na ja, bisher wurde noch kein Spiel in den ersten drei Minuten entschieden.“ (Der eine versucht mal, ein bisschen zu beschwichtigen.)

„Bisher kontrolliert der Gegner das Spiel!“
„Wann gelingt es Nowitzki, in das Spiel reinzukommen?!“ (Es sind erst ein paar Minuten gespielt!)
„Ja, von dem wissen wir ja, dass er es kann … dass er ein Spiel drehen kann … solche Würfe haben wir ja schon von ihm gesehen!“

„Ja … aber nein … schade, das wäre es gewesen.“
„Oh je, oh je, oh je … die Mannschaft muss sich jetzt zusammenreißen. Schon wieder neun turn over (was immer das ist)!“
„Eijeijeijeijei! Aber gut gespielt vom Gegner, man muss ja fair sein.
Das ist alles andere, als die große Nowitzki-Show hier.“
„Aber ich glaube schon, dass der sich hier noch einbringen kann … ich hoffe es!“ (Ich hoffe, dass die Leitung zusammenbricht und ich diesen Mist nicht mehr hören muss!)

Nowitzki trifft.

„Ja, ja … jetzt ist er da, jetzt ist er im Spiel!“

Haman trifft. Es steht inzwischen 38 : 26 für den Gegner.

Die beiden schnappen gleich über! Es hört sich an, als seien wir soeben Welt- oder sonst irgendein Meister geworden.
„Das ist es, jetzt ist die deutsche Mannschaft aufgewacht, sie sind da!“

Der gegnerische Trainer faltet seine Mannschaft zusammen, der ist stinkesauer. Übrigens hasse ich diese bescheuerten Auszeiten; da lobe ich mir den Fußball – zweimal 45 Minuten und anschließend noch mal ein paar Minuten drauf und fertig. Bei dem blöden Basketball weiß man nie, wie lange so ein Drittel eigentlich dauert.

Jetzt kommt Werbung und anschließend ein nichtssagendes Interview (zwei Sätze) mit einem Spieler im verschwitzten Shirt. Der hat keinen Bock, will seine Ruhe und in die Kabine.

Zwei Herren im Anzug überbrücken die Spielpause. Meine Ohren erholen sich ein wenig. Die sind cool und ruhig und reden in ganzen Sätzen.

Die ersten Spieler sind schon wieder auf dem Platz. Noch ‘ne kurze Werbepause: Küchengeräte, Sparkasse, Auto, irgendein Wettportal, Bank, Poker, In-Getränk, Auto, Traubenzucker, Kino. Weiter geht’s mit Basketball.

Schon die ersten drei Sätze der meiner beiden Freunde treiben mich in die Küche. Ich richte jetzt noch einen kleinen Nachtisch und verabschiede mich danach ins Bett. Mir geht das einfach auf den Geist und es ist mir auch grad‘ egal, ob wir das Spiel gewinnen oder verlieren. Die beiden Nervensägen verleiden es mir wirklich. Vielleicht gibt’s ja irgendwo noch ein bisschen Rosamunde Pilcher oder was ähnlich seichtes, bei dem man einfach so einschlafen kann, ohne etwas versäumt zu haben.

Gute Nacht Deutschland!