Brasilien wird international

Als wir vor fast zehn Jahren zum ersten Mal hier waren, war die Kommunikation ausgesprochen schwierig. Wir sprachen kein portugiesisch, die Brasilianer kein englisch. Lediglich ein paar gut ausgebildete Leute oder solche, die daran interessiert waren und Eigeninitiative gezeigt hatten, konnten englisch. An den Rezeptionen der guten Hotels in den Großstädten gab es jeweils einen, der ein paar Brocken konnte, ansonsten musste man sich mit Händen und Füßen verständigen.
Inzwischen hat sich das gewandelt; man trifft immer mal wieder – meist völlig unerwartet z.B. auf dem Markt – auf Leute, die sich diese fremde Sprache angeeignet haben.

2014 – zur Fußball-WM und anschließend zur Olympiade in Rio – wird hier die Welt zu Gast sein und vermutlich hat man eingesehen, dass nicht alle Athleten, Betreuer und Gäste erst einmal einen Sprachkurs belegen werden, bevor sie anreisen. Also musste man selbst tätig werden und nun schießen hier die Sprachschulen wie Pilze aus dem Boden; überall werden Englischkurse angeboten.

Wenn man alle Sprachbarrieren überwunden und z.B. ein Elektrogerät gekauft hat, bekommt man ein dünnes Blättchen mitgeliefert, das die Gebrauchsanweisung darstellt. In Portugiesisch, versteht sich. In keiner anderen Sprache!
Bei uns sind die Gebrauchsanleitungen inzwischen dick wie der Otto-Katalog. Es wird in alle europäischen Sprachen übersetzt, Asien wird bedient und natürlich die arabische Welt. Mir sind diese Kataloge lästig; ich reiße mir die paar deutschen Seiten raus und schmeiße den Rest ins Altpapier. Hilfreich sind sie natürlich schon, zumindest wenn die Übersetzungen verständlich sind, was beileibe nicht immer der Fall ist.

Kürzlich habe ich ein paar Kochtöpfe gekauft (Made in Brazil) und war sehr gestaunt, dass das Zettelchen, das zum Kauf des Produktes beglückwünscht, auch in Englisch verfasst war. Guck an, geht doch! Aber es kommt noch besser: eine gestern erworbene Puddingform (ebenfalls ein brasilianisches Produkt) erschlägt mich mit einer Gebrauchsanleitung in zig verschiedenen Sprachen, unter anderem in Russisch, Ungarisch und in astreinem Deutsch! Jetzt bin ich restlos baff!

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Bauen brasilianisch

Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie die Menschheit an ein Dach über dem Kopf kommt. Früher suchte man sich eine Höhle, meißelte den Namen an den Eingang und fertig. Später wurden Holzhütten gebaut und irgendwann kam man auf die Idee, Steine übereinander zu setzen und ein Dach anzubringen. Diese Form der Wohnraumerschaffung hat sich inzwischen weltweit durchgesetzt und trotzdem ist die Art und Weise, wie das geschieht, völlig unterschiedlich.

Bei uns betoniert man erst einmal eine Bodenplatte, setzt dann die Wände am Rand entlang und noch ein paar dazwischen, die die einzelnen Räume bilden. Ein Dach kommt drauf, Rohre und Leitungen werden verlegt, Fenster gesetzt und schon hat man ein abgeschlossenes Gebilde, in dem sich der Trockenbau austoben kann.

Hier ist das anders: Erst werden Wände gesetzt, dann der Fußboden gegossen (sonst wüsste man ja gar nicht, wie viel Boden man braucht), ein Dach kommt drauf. Dann tauchen Männer auf, die die neuen Wände wieder kaputt machen und Schlitze für Leerrohre kloppen (diagonal über die Wände).
Fliesen werden auf die Böden und an die Wände gepappt, der Verputzer kommt und macht das Bauwerk schön. Gartentore und Geländer werden angebracht. Fenster und Türen sind noch keine da – wahrscheinlich wegen der besseren Belüftung. 😉

In etwa diesem Zustand befindet sich gerade ein Haus in unserer Nachbarschaft. Heute habe ich das Auto des Glasers vor dem Haus stehen sehen und der Schreiner war auch schon mal da und hat die Türen ausgemessen.
Die Haustür wurde schon vorab geliefert; sie stand erst in der Garage eines der Nachbarhäuser, wurde aber jetzt auf die Baustelle verbracht. Nun steht sie in der frisch geweißten Garage neben dem Container für den Bauschutt, diversen Farbeimern, einem Sandhaufen und einigen übrig gebliebenen Steinen.

Heute hatten/haben wir heftiges Gewitter und Dauer-Starkregen. Mich würde interessieren, wie es morgen im Innern des Hauses aussieht; bei unserer abendlichen Inspektion haben wir heftiges Wasserrauschen gehört. Vermutlich gleicht der Bau derzeit einer Tropfsteinhöhle … womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären. *grins*

Wahlen

Heute ist Wahltag. Ein neuer Bürgermeister muss her – der alte soll weg, weil er außer Hände schütteln und Events eröffnen nichts tut und außerdem seine Amtszeit sowieso abgelaufen ist.
Schon seit Wochen sind die Straßen mit diversen Mannsbildern – es sind wirklich keine Frauen dabei – „verziert“, Autos mit riesigen Lautsprecherboxen fahren durch die Stadt und bewerben die Kandidaten, Zettel werden verteilt.
Der Hammer aber sind die Cheerleader artig gekleideten jungen Damen, die bei einer roten Ampelphase ein Transparent über die gesamte Straßenbreite spannen. Die müssen wahnsinnig schnell sein, weil es an den Ampeln keine Gelbphase gibt und die Brasis beim Auto fahren keine Freunde kennen. Eine der beiden Damen rennt also kurz vor knapp los und schwupp, schon ist das Transparent über die Querstraße gespannt und die Fahrer in der Pole-Position können der Werbebotschaft nicht mehr entgehen. Zeitgleich springen junge Burschen mit Handzetteln auf die Straße und wehe, Du hast Dein Autofenster offen! :))
Irgendwie recht skurril das Ganze.

Wenn ich das richtig kapiert habe, werden heute im ganzen Bundesland die Bürgermeister neu gewählt, es ist also in allen Städten das gleiche Procedere. Der Vorteil für uns: in Brasilien herrscht Wahlpflicht und jeder muss in seiner Heimatstadt an die Urne. Der in unserer Stadt am Wochenende übliche Touristenansturm hält sich also in Grenzen, was durchaus angenehm ist.

Ich bin gespannt, wie die Wahl ausgeht. Jeder unserer Freunde ist für einen anderen Kandidaten und gute Gründe haben sie alle: Der eine ist ein alter Kumpel, die andere will lieber einen Jungen wählen, etc.
Politik spielt da wohl nur eine untergeordnete Rolle! ;D

Wenn einer eine Reise tut

Ein langer Flug ist schon nervig und so kann man es verstehen, wenn – kaum dass die Räder den Boden berührt haben – die ersten Handys eingeschaltet, die Gurte gelöst und sofort nach dem Handgepäck gegriffen wird. Kaum ist das Flugzeug zum Stillstand gekommen, stehen die ersten an der Tür und wollen endlich, endlich Bewegung und festen Boden unter den Füßen. Und dann dauert es und dauert und dauert, bis endlich die Tür aufgeht und man tatsächlich den Boden des Ziellandes betreten kann.

Unsere Reise war zwar lang, aber gut. Nur bei der Einreise in Brasilien hat es ewig gedauert. Wir wussten, dass es am Flughafen eine extra Schlage für Ausländer gibt und da haben wir uns auch sofort angestellt – wir sind ja schließlich Profis. Vor uns etwa zehn Leute, in der Schlage für Brasilianer standen etwa 300, die uns mehr oder weniger neidisch beäugt haben.
Blöderweise war für uns nur ein Abfertigungsschalter offen und bei dem funktionierte der PC nicht. Gratulation! Als wir endlich an der Reihe waren, war auch die Brasi-Schlange auf etwa 50 Leute geschrumpft. Das war ja mal ein voller Erfolg!

Immerhin war unser Gepäck schon vollständig da, als wir endlich an das Förderband mit den Koffern gelangten. Wir luden unsere Tonnen auf zwei wacklige Gepäckwägelchen und eierten damit am Zoll vorbei. Es gab noch einmal einen kurzen Stau an der Tür zur Ankunftshalle: freudige Begrüßungsszenen, es wurde geknutscht und geherzt und fotografiert und keine Sau hat es interessiert, dass dahinter ein paar andere Leute vielleicht auch noch nach draußen wollten. 🙄 Das übliche halt.

Aber auch das haben wir überstanden und unsere Wägelchen zum Mietwagenunternehmen gesteuert. Während mein Mann sich um die Formalitäten gekümmert hat, habe ich das Gepäck bewacht und endlich mal wieder geraucht. Boah, tat das gut! Da Papierkram in Brasilien ziemlich umständlich ist, hatte ich locker Zeit für drei Zigaretten! Dann die Koffer und Taschen ins Auto und noch mal für zwei Stunden auf die Piste.

Die erste Abfahrt haben wir wieder sauber verpennt, was aber daran lag, dass die Scheiben beschlagen waren, das Navi noch nicht im richtigen Land und wir mit den Knöpfen am Auto noch uneins. Eine kleine Ehrenrunde (gebührenpflichtig) und schon waren wir auf dem rechten Weg. Um halb zwei Uhr nachts waren wir endlich am Ziel!
Ein eiskaltes Bier, geschwind ins Bad und sofort ab ins Bett.
Wir sind angekommen! 😀