Unwirtliche Gegend

Am Sonntag besuchten wir einen Freund, der rund eine dreiviertel Stunde Autofahrt von uns entfernt „auf dem Land“ wohnt. Es handelt sich aber schon um einen etwas größeren kleinen Ort, in dem man wohl durchaus leben kann; so richtig mit Geschäften, Restaurants und Dorfgemeinschaftshaus. Mein Ding wäre es nicht, aber wenn man erst einmal dort ist, mag es gehen.

Die Fahrt dorthin erscheint mir immer endlos. Man kommt durch Wald und Flur und zum Teil winzige Ortschaften, in denen die Zeit einfach stehen geblieben ist. Zumindest macht es so den Eindruck. Samstags wird „die Gass‘ gekehrt“ und sonntags geht man in die Kirche/zum Frühschoppen.

Nun war am Sonntag das Wetter ja unter aller Sau; es regnete ohne Unterlass, war kalt und trübe. Genau das richtige Wetter für so eine Fahrt übers Land. Ein kleiner Ort hat mich besonders beeindruckt. Das Thermometer im Auto zeigte 6° C, es war neblig, die Scheibenwischer gaben alles. Schemenhaft konnte ich das Ortsschild erkennen: Kaltenholzhausen. Nomen est omen.
Da möchte man nicht tot überm Gartenzaun hängen!

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Das Ding vom Dach

23. Mai 2013:

Die Heizung bollert auf Hochtouren, Regen klatscht gegen die Fenster. Die ersten Herbststürme treiben ihr Unwesen. Eine Windböe reißt einen Sonnenschirm aus der Verankerung und befördert ihn zwei Häuser weiter aufs Dach. Der Schirm stand auf einem der neuen Balkone und wartete noch auf seinen ersten Einsatz. :-/

Schirm

Die Spinnen sind übrigens auch schon wieder auf dem Rückmarsch ins Winterquartier. Auch das passt mir ja so gar nicht! >:-[

Die Farbe Grau

fängt an, mir auf den Geist zu gehen. Und zwar gewaltig!

Beim Haupthaar kann man sie ja einigermaßen bekämpfen, aber was soll man machen, wenn der Himmel seit Tagen grau ist und die Wettervorhersage-Artisten auch nicht mehr wissen, wie sie uns das ganze Elend noch schön reden sollen. Außerdem ist es nass-kalt und damit extrem ungemütlich. Morgens springt sogar die Heizung wieder an – auf dass man sich unter der Dusche nicht auch noch den Bibbs holt. Hallo? Wir haben Mitte Mai!

Für Pfingsten hatte ich mir eigentlich ein nettes Grillfest vorgestellt, stattdessen werde ich wohl mit Wolldecke und dicken Socken auf der Couch liegen. Öde!
Überhaupt Pfingsten: Das alljährliche Reitturnier startet heute mit der Pferdenacht, einer wohl recht imposanten Show, die immer ausverkauft ist. Die Zuschauer werden sich bei 12° C schön den Arsch Allerwertesten abfriern. Viel Spaß dabei!

Trotzdem wünsche ich Euch allen ein schönes langes Wochenende. Vielleicht habt Ihr ja noch irgendwo ein ungelesenes Buch rumstehen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, es mal anzugehen.

Johann und ich

Zu Sterneköchen habe ich ja ein eher gestörtes Verhältnis. Es ist nicht so, dass ich ihre Kochkunst nicht schätze, oh nein! Wenn ich mich da an den Tisch setzen und einfach bestellen kann, ist das völlig ok. (Kam bisher leider nicht vor.) Aber nach deren Rezepten kochen, das ist mir einfach zu stressig.

Beim Radiosender SWR 3 gibt’s 2 oder 3 x pro Jahr „Grillen mit Lafer“. Er steht mit einem Promi am Grill und gibt der lauschenden Radiogemeinde Anweisungen, wann was zu tun ist. Die Einkaufsliste gibt’s vorab zum Runterladen auf der Homepage und man kann sogar angeben, mit wie vielen Leuten man zu grillen gedenkt; die Mengenangaben werden dann genau berechnet.

Tagelang habe ich nichts anderes gemacht, als Zutaten zusammen zu tragen. Am Anfang war alles easy: getrocknete Tomaten, Dijonsenf, Kichererbsen, geschälte Nüsse und all so Zeugs. Am Montag habe ich dann Lachs, Seranoschinken, Blätterteig, Sahne und ähnliche Dinge besorgt. Gestern war ich auf der Jagd nach Kräutern, grünem Spargel, Erdbeeren und Kopfsalat.
Ich sag’s Euch, ich kenne jetzt alle Geschäfte im Umkreis! Der Spargel will witterungsbedingt nicht so richtig, und für gescheite Erdbeeren ist es sowieso zu früh. Ich hab‘ dann italienische Erdbeeren bekommen, die natürlich nicht so toll waren. Einen einzigen Spargelstand habe ich gefunden, der überhaupt grünen Spargel hatte; da habe ich die Reste aufgekauft und das mit dem Kopfsalat habe ich mir auch einfacher vorgestellt. Den gab es früher überall. Heute gibt es nur noch Lollo in allen Farben oder irgendwelches Schickimicki-Grün. Drei Stunden und eine halbe Tankfüllung Sprit und schwupp, schon hatte ich alles.

Heute Morgen habe ich – noch im Nachthemd – alle Zutaten genau abgewogen und alles bereitgestellt. Ab 10.00 Uhr gab es im Internet auch die Rezepte zum Runterladen, womit ich meinen Mann beauftragt habe. Ich hab mich derweil endlich mal angezogen und gästefein gemacht. Als ich wieder ins Wohnzimmer komme, liegt der ganze Tisch voll mit Zetteln. Jedes Rezept geht über mehrere Seiten und alle sind zu meiner großen Freude nur für vier Personen berechnet. Also kann man alles erst einmal umrechnen. Die ersten Gäste schlugen auf und alle haben sich interessiert über die Zettel hergemacht. Schön, dass auf den Folgeseiten nicht steht, zu welchem Rezept die Anweisungen gehören und es auch keine Seitenzahlen gibt. Top! Nachdem alle in den Zetteln rumgewühlt haben, weiß niemand mehr, was wohin gehört. Also habe ich erst mal wieder System in die ganze Sache gebracht und die Seiten nummeriert. 🙄

Dann ging’s ans Schnibbeln. Ich sag mal so: Meine Küche ist so winzig, dass jede zweite Person eine zu viel ist. Außerdem kenne nur ich mich aus und es bringt mir nichts, wenn jemand da steht und nach einem Brettchen und einem Messer in genehmer Größe verlangt. Bis ich dem alles hergerichtet habe, habe ich das Zeug auch selbst kleingehackt. Außerdem gibt es Leute, mit denen kann man zusammen arbeiten und solche, mit denen das eher nicht klappt. Ich hatte heute beide Sorten Mensch neben mir.
Jedenfalls haben wir geschnibbelt, gerieben und ausgepresst, was das Zeug hielt. Nach einer halben Stunde schrie meine Küche nach einer Grundsanierung. Zitronenspritzer, breitgelatschte Gurkenschalen, Öltropfen und abgestürzte Knobizehen haben eine nette Patina auf den Fußboden gezaubert, verziert mit ein paar Kräutern und Zwiebelschalen. Der Boden korrespondierte aber perfekt mit der Arbeitsfläche. Dazwischen noch ein paar scharfe Messer und sonstiges Werkzeug.

Als Vorspeise gab es Wraps mit Guacamole und Räucherlachs, dazu einen bunten Salat. Alles hat sehr lecker geschmeckt und wir hatten inzwischen auch ordentlich Hunger. Besteck und Geschirr wanderte danach in die Spülmaschine. Ich erwähne das nur, weil während des Einräumens die Küche praktisch nicht mehr begehbar ist. Die Klappe der Spülmaschine ragt in den Eingangsbereich der Küche und da lauerten schon die nächsten Schnibbeler und begehrten Einlass. Ich war ein klein wenig genervt.

Der zweite Gang bestand aus Spaghetti (in einer Aluschale auf dem Grill in Hühnerbrühe gegart) und einer Soße aus klein geschnittenen getrockneten Tomaten, Paprika und was weiß ich nicht noch alles. Die Tomaten hätte man gut schon vor drei Wochen klein schneiden können, aber nein … wir haben ja gerade erst erfahren, dass und wie sie geschnitten werden müssen. *mit den Augen roll*
So etwas nervt und frisst unnötig Zeit. Wir gerieten irgendwie ins Hintertreffen. Lafer und seine Gehilfin waren schon beim nächsten Gang, als wir gerade mal das Essen auf dem Teller hatten.

Wieder das Spielchen mit der Spülmaschine und den mit den Hufen scharrenden Leuten vor der Küchentür. Draußen kam neue Kohle auf den Grill, die ja auch erst einmal durchglühen muss.

Als nächstes wurden vorher eingelegte Hühnerbrüste gegart, die es zusammen mit Kichererbsenpampe/püree/soße gab. Dazu mit Seranoschinken umwickelten grünen Spargel. Das Fassungsvermögen unseres doch recht großen Grills war längst erreicht. Ich hatte die Faxen schon geraume Zeit dicke und hab‘ den Backofen angeworfen. Die Schale mit dem Spargel kam erst einmal da rein. Irgendwann war auch dieser Gang fertig und wurde gefuttert.
Da wir den Anschluss an Lafer inzwischen verloren hatten und etwas improvisieren mussten, waren die Hühnerbrüste etwas zu lange über dem Feuer und entsprechend trocken. Der Rest hat aber ganz gut geschmeckt, wenn man mal davon absieht, dass ich keinen Seranoschinken mag und mit dem grünen Spargel was Besseres hätte anfangen können.

Während des ganzen Trubels und der Hektik in der Küche haben wir beschlossen, den Lafer Sternekoch sein zu lassen und den Nachtisch frei Schnauze und nach unseren Ideen zu machen. Wir haben die Erdbeeren schön mit Zucker und Allohol mariniert und aus Quark und Sahne eine Creme hergestellt. Alles zusammen ergab einen leckeren Nachtisch ohne Firlefanz. Dafür habe ich jetzt noch zwei Rollen Blätterteig im Kühlschrank liegen, für deren Verwendung ich mir noch etwas einfallen lassen muss.
Ach ja, und die sechs leeren Klopapierrollen, die wir seit Tagen gesammelt haben und die für die Herstellung des Laferschen Nachtisches benötigt worden wären, habe ich dem Altpapier zugeführt. Die Anweisung, was mit den Papprollen zu tun wäre, war sowieso unverständlich. :-/

Alles in allem war das ein total chaotischer Tag, der aber mit den anwesenden Leuten trotzdem Spaß gemacht hat; zumindest in der Nachschau. Mit Grillen allerdings hatte das alles rein gar nichts zu tun. Alle Speisen hätten einfacher im Backofen bzw. auf dem Herd hergestellt werden können und die Massen von Aluschalen wären dann auch unnötig gewesen.
Beim nächsten Mal grillen wir wieder richtig: Ein Fetzen Fleisch direkt auf dem Rost (man will ja auch ein paar Schadstoffe abkriegen), eine Schüssel Salat und Brot dazu. :yes: Vorspeisen und Nachtisch werden so geplant, dass sie vorbereitet werden können und bereits fertig sind, wenn die Gäste eintreffen. Das ist dann ein bisschen mehr Arbeit im Vorfeld, aber der Nachmittag/Abend ist streßfrei und auch ich kann mal eine Zeit lang gemütlich am Tisch sitzen. Die einzelnen Rezepte werden wir sicher in unseren Speiseplan aufnehmen und irgendwann noch einmal machen. Geschmeckt hat es nämlich gut.

So, und jetzt gehe ich ins Bett. Ich hab‘ Rücken und dicke Füße und jede Menge Müll am Bein. Die Küche ist ein Trümmerfeld, die Spülmaschine ächzt unter den Strapazen. Morgen kommt meine Perle und wie ich ihr den Fußboden erklären soll, das weiß ich wirklich noch nicht. ;D