Leute gucken

Weinfest2

Es ist wieder einmal Weinfest; 10 Tage lang ist die Stadt rappelvoll. Mittags kommen die Büromenschen, essen eine Kleinigkeit und nehmen dazu einen Schoppen. Nett beschwingt geht die Arbeit dann viel leichter von der Hand. Nachmittags trifft man Familien mit Kindern und ab dem frühen Abend die Geschäftswelt, die ihre Kunden an einem der Stände freihält. Da ist Kampftrinken angesagt, aber holla! Diese Veranstaltungen dauern meist, bis die Winzer ihre Stände schließen und Feierabend machen. Hübsch angesäuselte Schlipsträger sieht man dann zum Taxistand wanken, was unfreiwillig komisch aussieht. Rentner trifft man eher am Nachmittag oder frühen Abend; die wollen zur Tagesschau wieder auf der heimischen Couch sitzen.

Richtig wuselig wird es auf dem Fest so ab 19.00 Uhr, da trifft man dann alle, die tagsüber keine Zeit haben. Zweimal waren wir bisher da und jedes Mal sind mir Paare aufgefallen, bei denen SIE nach Hause wollte und ER nicht. Mutti steht oder sitzt dann da und nippt mit moralinsaurer Mine an einem Wässerchen, währen Vati sich noch einen Roten in die Birne haut. Gesprochen wird nix. Sie guckt stur an ihm vorbei und er versucht durch Nichtbeachtung eine Art Normalität aufrecht zu erhalten. Auch das wirkt ausgesprochen komisch und ich überlege mir manchmal, warum Mutti nicht einfach zu Hause bleibt und er stattdessen mit Gleichgesinnten loszieht. Wäre für beide irgendwie besser, finde ich. Nix gegen Leute, die zwischendrin mal ein Wasser trinken. Das mache ich auch (selten) … aber ich gucke dann anders.

Normalerweise geht man leger gekleidet zu diesem Fest. Jeans und Hemd/T-Shirt, Sommerkleid oder ähnliches … und natürlich die übrig gebliebenen Schlipsträger. Gestern allerdings war uns eine Dame aufgefallen, die völlig deplatziert war: Roter, auffälliger Hut, Sonnenbrille (abends), feines Jäckchen, Edel-Jeans, rote Renn-Pumps und jede Menge Glitzer und Flitter. Die wirkte wie ein Christbaum am Badestrand. Keine Ahnung, was diese Vorstellung sollte. Sie fiel nur jedem ins Auge und jeder schüttelte den Kopf oder grinste. Wir haben sie heimlich die „(Wein)Königin-Mutter“ genannt und so ähnlich muss sie sich auch vorgekommen sein.
Jedenfalls kann man auf dem Weinfest so seine Studien machen! Morgen gehen wir wieder studieren. 😉

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