Mein Problembär

Wenn man so am Stricken ist, kann man seine Gedanken schweifen lassen und zum Beispiel darüber sinnieren, was man mit den eigenen Händen schon so alles zustande gebracht hat oder darüber, wie eigentlich alles begann.

Eingefallen ist mir dabei die Geschichte, wie unsere Handarbeitslehrerin, Fräulein Utikal – wirklich ein ältliches Fräulein mit grauem Wuschelkopf und Augen, denen nichts entging – versucht hat, uns das Nadelwerk beizubringen. Als Kind fand ich Häkeln recht einfach und die Topflappen, die ich unter Frl. Utikals Anleitung produzierte, waren gar nicht so schlecht. Ein bisschen klein vielleicht, aber immerhin viereckig und mit Schlaufe zum Aufhängen.

Schwieriger wurde es da schon beim Stricken, das lag mir ja so gar nicht! Ich weiß heute nicht mehr, was wir da produzieren mussten; möglicherweise war es auch nur ein Musterfetzen, der später wieder aufgetrennt wurde. Vielleicht bin ich damit auch nie fertig geworden, weil mir dauernd irgendwelche Maschen von der glatten Nadel gerutscht sind oder ich einfach mittendrin mal in die falsche Richtung gestrickt habe. Lorbeeren waren damit jedenfalls nicht zu verdienen. Aber es kam noch schlimmer: Ein Teddy sollte gestrickt werden, mit FÜNF Nadeln! 88| Und das mir, wo ich mit zweien schon hoffnungslos überfordert war!

Meine Mutter stattete mich mit Wolle und einem Nadelspiel aus und das Elend nahm seinen Lauf. Ich hab’s einfach nicht kapiert und außerdem waren mir über Nacht zwei linke Hände gewachsen! Vorne habe ich die Maschen aufgenommen und hinten sind sie mir von der Nadel gerutscht oder eine oder mehrere Nadeln fielen einfach aus den Riesenmaschen raus und landeten klirrend auf dem Boden. Es war zum heulen und normalerweise hätte ich den Kram einfach in die Ecke gepfeffert, aber es war ja Schule und Fräulein Gnadenlos ließ nix durchgehen!

Abends hat meine Mutter – die sehr gut stricken konnte – den gröbsten Murks, den ich in der Schule produziert hatte, wieder einigermaßen ausgebügelt. Gerade so viel, dass es nicht auf Anhieb aufgefallen ist. In der nächsten Schulstunde hab ich es dann wieder versaut. Es war ein Trauerspiel und ich war heilfroh, als das Thema Stricken endlich beendet war!

Wir hatten vor dem Lehrerzimmer einen großen Schaukasten, in dem die Werke der Schüler für ein paar Wochen ausgestellt wurden. Mein Teddy war nicht dabei. Er war mit Abstand der hässlichste und wäre eine Beleidigung für die Augen der Lehrerschaft gewesen. 😥 Auch ich konnte dem Vieh nix abgewinnen und habe ihn ziemlich schnell in der Alt-Kleider-Sammlung entsorgt … sollten doch die Kinder in Biafra damit spielen!

Inzwischen stricke ich gerne, kann evtl. passierte Fehler selbst auszubügeln und habe auch kein Problem damit, ganze Teile wieder aufzutrennen, wenn sie mir nicht gefallen. Fräulein Utikal kann also noch einen späten Erfolg verbuchen. Wovor ich allerdings immer noch Fracksausen habe, ist das Stricken mit fünf Nadeln. Ich hab es zwischendrin mal wieder versucht, war mit dem Ergebnis aber auch nicht zufrieden.
Irgendwann probiere ich das vielleicht noch einmal, aber dann muss ich sehr gut gelaunt sein!

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Au Backe …

„Letzter Eintrag vor 40 Tagen“ lese ich, als ich blog.de mal wieder aufrufe. Schei …, die zählen mit; die NSA ist nix dagegen! Aber sie haben ja Recht und auch im Bekanntenkreis bin ich schon gefragt worden, warum es denn bei mir nichts mehr zu lesen gäbe. Der Grund dafür ist einfach: erst hatte ich keine Zeit, dann ist nix passiert und anschließend war ich in Urlaub. Da ist zwar was passiert, aber auf meinen Salto auf der Ski-Piste bin ich nicht sonderlich stolz. Jetzt habe ich jedenfalls „Knie“ und bin einigermaßen beschränkt in meinen Bewegungen.

Wenn man so zum Nichtstun verdonnert ist, kommt man ja auf die seltsamsten Ideen. Aus Langeweile habe ich mal ein bisschen in der Vergangenheit gekramt und „hänge jetzt wieder an der Nadel“, wie mein Göttergatte so treffend bemerkte. Will sagen, ich habe wieder mit dem Stricken begonnen und befinde mich momentan in einem absoluten Suchtzustand. Kein Fetzen Wolle ist vor mir sicher. Jahrelang habe ich das Strickzeug nicht mehr angeguckt und nun … in meiner Not habe ich sogar einen vor Jahren gestrickten Pullover – der nur noch hätte zusammen genäht werden müssen – wieder aufgetrudelt, um an meinen „Stoff“ zu kommen. Wie bescheuert kann frau eigentlich sein?

Nachdem ich die Wolle nun zum zweiten Mal in der Mache habe, ist mir auch wieder klar geworden, warum ich das Erstlingswerk nicht fertiggestellt habe – die Wolle fusselt wie Sau! Nach einer Stunde Stricken sieht man aus, als hätte man einen Flokati umhängen! Es könnte also passieren, dass Pullover Nr. 2 das gleiche Schicksal droht, wie seinem Vorgänger. Nochmal allerdings drösele ich das Ding nicht auf, versprochen!

Ich weiß auch nicht, wie lange dieser Sucht-Anfall noch dauert. Von Zeit zu Zeit kriege ich solche Anwandlungen und betreibe das dann ziemlich exzessiv. Erfahrungsgemäß ist aber nach einigen Wochen Schluss damit (spätestens, wenn Beschwerden im Nackenbereich auftreten oder die Finger bzw. Arme nicht mehr mitspielen wollen). Schau’n mer mal, wie es sich entwickelt.

Jedenfalls wisst Ihr jetzt, dass ich noch lebe und es mir auch einigermaßen gut geht. So, und nun werde ich mal in den anderen blogs stöbern und mal nachlesen, wie es Euch so ergangen ist.