Wir bauen

Also nicht wir direkt (wir planen nur), aber unsere Stadt baut und private Wohnungsgesellschaften und das Land und überhaupt alle, die in irgendeiner Schatulle noch ein paar Euros gefunden haben und entschlossen sind, die noch schnell unters Volk zu bringen.

Normalerweise würde mich das nicht aufregen und an manchen Stellen ist es auch wirklich erforderlich, weil jahrelang gar nichts passiert ist und man nur interessiert zugeschaut hat, wie z.B. die Schlaglöcher in den Straßen immer größer wurden. Jetzt tut sich was und es tut sich an allen Stellen gleichzeitig. Der Erfolg: Wir kommen aus unserem Stadtteil gar nicht mehr weg bzw. müssen riesige Umwege fahren.
Auf der kurzen Strecke zu meiner Mutter – normalerweise fünf Minuten Fahrtzeit – passiere ich jetzt sieben Baustellen und stehe ewig im Stau. Selbst die Schleichwege durch kleine Gassen oder am Friedhof vorbei sind inzwischen verstopft. Erschwerend kommt hinzu, dass bei den kleinen Gassen durch alte Wohngebiete die Rechts-vor-Links-Regelung gilt, die offenbar heutzutage in den Fahrschulen nicht mehr gelehrt wird. Großes Chaos, ungläubige Gesichter, genervtes Gehupe. Ganz toll!

Ich weiß ja nicht, welche Witzbolde da mit der Planung betraut waren. Von hier jedenfalls können die nicht sein, sonst wären sie nicht auf die Schnapsidee gekommen, zwei der wichtigsten Straßen gleichzeitig komplett lahmzulegen. Eine Straße allein wäre schon Chaos genug, jetzt ist die zweite hinzugekommen und dazwischen gibt’s auch noch einige Buddellöcher. Es ist völlig egal, in welche noch so versteckte Gasse man abbiegt, man landet immer vor einem Bagger!

Super auch die Idee mit den Bonsai-Kreiseln. „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bau‘ ich ‘nen Verteilerkreis!“
Ich liebe diese Dinger und ich liebe auch die Autofahrer, die beim Einfahren in den Kreisel wie wild blinken (links oder rechts; wenn man keine Ahnung hat, betätigt man halt irgendwas), aber beim Rausfahren vor einem plötzlich und unangekündigt einen Haken schlagen! Boah, nee!

Ganz dicke hat es mein Mann gestern erleben dürfen: Ein Autofahrer kannte eine Abkürzung und ist mal eben schnell links rum durch den Kreisel gefahren – er wollte sich die Dreiviertel-Runde ersparen, kam ihm im Kreisel munter entgegen und nahm ihm obendrein noch die Vorfahrt! Da kann man sich nur noch an den Kopf greifen! Der hatte auch überhaupt kein Unrechtsbewusstsein; als mein Mann sich zu hupen erdreistet hat, wurde er noch blöd angemacht und genötigt. Ich hab’s nicht glauben wollen, aber da er mittlerweile eine Kamera im Auto hat, konnte er mir das Schauspiel abends am PC vorspielen. Mir ist fast die Spucke weggeblieben!

Auto fahren macht im Moment so richtig Spaß und ich freu‘ mich schon, wenn Eis und Schnee liegt und die Leute mit ihren Sommer-Schläppchen unterwegs sind.
Oh Scotti, beam me up!

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