Mundraub

Vor gut 30 Jahren haben wir aus einem Baugrundstück einen Garten gezaubert, der sich in all den Jahren mehrmals erheblich verändert hat. Damals hatten wir nicht nur keine Vorstellung, wie der Garten einmal aussehen sollte, wir hatten schlicht auch kein Geld für eine aufwendige Gestaltung. Die schweren Baugeräte waren gerade erst ab- und die meisten Nachbarn noch gar nicht eingezogen; man konnte also noch mit dem Lkw über die Nachbargrundstücke fahren und das wollten wir ausnutzen und bestellten drei Fuhren Muttererde. Blöd halt, dass der Fahrer die Erde vorm falschen Haus abkippte. Mein Mann und mein damals noch rüstiger Vater karrten das ganze Material mit Schubkarren durch unwegsames Gelände bis zu unserem Grundstück(chen) und verteilten es gleichmäßig. Meinem Vater machte Gartenarbeit riesigen Spaß und hier konnte er sich austoben. Stellkanten wurden gesetzt, Richtschnüre gespannt und alles pikobello eingeebnet. Unser Grundstück war das erste, das einen ordentlichen Eindruck machte und hob sich wohltuend von den Nachbargrundstücken ab. Rasen wurde eingesät und drei Büsche gepflanzt, es wurde brav gewässert und gedieh prächtig. Alles so schön grün hier und … langweilig.

Irgendwann sahen alle Gärten aus wie unser: mehr oder weniger gepflegter Rasen, ein paar Büsche, ein paar Blumen. Neubau-Einerlei.

Freunde von uns hatten einen Gartenteich und das gefiel mir. Da unser Grundstück für einen Teich viel zu klein war, musste ich mich jedoch bescheiden. Im Baumarkt wurde eine Speiswanne gekauft und neben der Terrasse eingebuddelt. Ein paar Kieselsteine rein, Wasser drauf und zwei kleine Pflänzchen eingesetzt. Ich war stolz wie Bolle und staunte nicht schlecht, als sich nach ein paar Tagen zwei winzige Goldfische in meinem Miniteich tummelten. Unsere Freunde (gleichzeitig Verwandtschaft unserer direkten Nachbarn) hatten sie heimlich dort hinein gesetzt und damit den Anstoß für einen richtigen Teich gegeben. Der entstand dann auch hälftig auf unserer Seite und hälftig beim Nachbarn, die ebenfalls von der Idee begeistert waren. Also: Rasen und Muttererde wieder weg und buddeln, buddeln, buddeln.

Was haben wir nicht alles aus dem ehemaligen Baugrund herausgeholt! Teile einer Kloschüssel, ein halbes Fahrrad, einen großen alten Schlüssel, der wohl mal zu einem mächtigen Hoftor gehört hat, und massenhaft Filmrollen und –abschnitte als Hinterlassenschaft einer Filmentwicklungsfirma, die hier einst ansässig war.

Viele Stunden in brütender Hitze (wir haben uns einen der heißesten Sommer für diese Arbeit ausgesucht) sind draufgegangen, bis unser Teich endlich fertig war und Max und Moritz – die beiden Goldfische – umziehen konnten. Damit sie sich nicht so einsam fühlten, haben wir ihnen noch ein paar Artgenossen spendiert und alle zusammen haben sich sichtlich wohl gefühlt und auch für Nachwuchs gesorgt.

Inzwischen ist alles anders. Die Nachbarn sind vor vielen Jahren in einen anderen Stadtteil gezogen, der neue Eigentümer lässt seinen Garten verwildern und mit Teichpflege hat er schon gar nichts am Hut. All die Jahre haben wir uns gekümmert, das Wasser sauber gehalten und ggf. aufgefüllt, den Pflanzenwuchs im Zaum und die Fische am Leben gehalten.

Mit den ersten Sonnenstrahlen und den etwas wärmeren Temperaturen tauchten auch in diesem Jahr die Goldfische wieder auf und tummelten sich an der Wasseroberfläche – für mich immer das Zeichen, dass die Gartensaison losgeht. Bis gestern. Als ich gegen Abend noch mal kurz auf die Terrasse bin, erhob sich ein riesiger Vogel aus dem Teich und landete auf einem der Nachbardächer. Ich schwöre, ich habe ihn da oben noch schmatzen hören. Dieser verdammte Reiher hat tatsächlich alle Fische weggefressen!
Wir haben alle möglichen Vogelarten hier, die regelmäßig in unserem Teich baden und Enten, die mal eine Runde drehen. Selbst frei laufende Katzen haben unseren Fischen bisher nicht so zugesetzt wie eben dieses Mistviech von Reiher. Ich bin stinkesauer!

Im Übrigen geht es im Garten sowieso gerade rückwärts: Die Kaffeepflanze haben die Schnecken auf dem Gewissen, die Bananenstaude ist abgesoffen und den letzten Buchs nebst seinen gefräßigen Raupen (Buchsbaumzünsler) habe ich der städtischen Müllverbrennung übergeben.
Manchmal ist es auch frustrierend.

6 Gedanken zu “Mundraub

    • Oh Gott, NEIN!!!
      Bisher sind wir mit der Gestaltung des Gartens noch ganz gut allein zurecht gekommen; ein Fernsehteam mit schrägen Vorstellungen lasse ich da nicht ran. 😉
      Liebe Grüße, Caipi

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  1. Ach Gott, das ist aber großer Mist liebe Caipi *soifzzz

    So viel Arbeit reingesteckt und dann solchen Kummer mit dem Teich und dem Garten.
    Ich kann deinen Frust gut nachvollziehen und da vergeht einem echt die Lust.

    Eine Freundin von mir ist auch grad am verzweifeln, wegen so vieler Nacktschnecken, die ihr alles wegfressen.

    Lass dich mal ganz lieb virtuell drücken
    und ich halte fest die Daumen, dass auch wieder bessere Gartenzeiten kommen.

    Herzliebe Grüsse,

    Uschi ♥

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    • Schnecken und Unkraut sind eine ständige Plage im Garten, damit muss man leben. Ich fackel da auch nicht lange – Schneckenkorn habe ich schon gekauft und dem Unkraut rücke ich händisch zu Leibe.
      Gegen den blöden Reiher fällt uns auch noch was ein, ganz bestimmt. :yes:
      LG, Caipi

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