Internationales Bier

Dass wir als Deutsche einer Hopfenkaltschale nicht abgeneigt sind und gutes Bier zu schätzen wissen, ist in unserem hiesigen Freundeskreis bekannt und so kam es, dass uns eine Freundin in eine neu gegründete Micro-Brauerei einlud. Der Chef der Brauerei sei ein Freund ihres Sohnes und habe die Braukunst richtig erlernt (studiert), erfuhren wir im Vorfeld des sonntäglichen Frühschoppens. Wir waren ein bisschen früh dran und damit die ersten Gäste des Tages, aber wir hatten einen ordentlichen Durscht mitgebracht und wurden auch sofort mit vollen Gläsern beliefert.
Und was soll ich sagen: Es schmeckt toll! Herrlich frisch und fein-herb. Deutlich besser als das brasilianische Dünnbier, das es sonst so zu kaufen gibt.

 

Für die Gäste ist ein kleiner Bereich in der großen Halle abgetrennt; durch eine Glaswand hat man freien Blick auf die Braukessel. Der Chef, der wenig später an unseren Tisch kommt, erzählt, dass er den Hopfen aus Bamberg bezieht und die Gerste aus Belgien. Nur das Wasser, das nehmen sie von hier und das ist – wie wir wissen – sehr gut. Das alles ist eine perfekte Kombination.

 

Geschäftstüchtig scheint der junge Mann auch zu sein, denn man kann bei ihm das Bier in 10L-Fässern kaufen und dazu eine kleine Zapfanlage mieten. Sogar einen Mitarbeiter, der das Bier zapft, kann man ordern. Für Feten ist das toll und wir bedauern, dass es dieses Angebot im letzten Jahr noch nicht gab, als wir hier den 60. Geburtstag meines Mannes mit einer zünftigen Fete gefeiert haben.

 

 

Wir werden hier sicher noch das ein oder andere Bierchen (es wird aus wirklich kleinen Gläsern getrunken) zischen und wir wünschen dem jungen Mann, dass seine Geschäftsidee aufgeht und der Laden bald so richtig brummt!

Im Oktober soll übrigens Bock-Bier gebraut werden, das wir natürlich auch probieren müssen.

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Im Land des Kaffees

Als alte Kaffeetante und Gartenfreundin wollte ich – da ich einige Monate im Jahr im Land des Kaffees verbringe – endlich auch eine Kaffeepflanze besitzen. Zu Hause hatte ich mein Glück damit schon versucht, aber das zarte Pflänzchen war schnell den Schnecken zum Opfer gefallen.
Vor zwei Jahren schenkte mir eine brasilianische Freundin zwei kleine Pflanzen, die ich sofort in größere Gefäße umtopfte und die ersten Wachstumsschritte genauestens beobachtete.

Vor unserer Abreise wurden die Pflanzen in das automatische Bewässerungssystem eingebunden und nun hieß es hoffen, das alles funktioniert. Es klappte und als ich im Folgejahr nach Brasilien kam, waren aus den kleinen Pflänzchen schon ansehnliche Büsche geworden.

Eigentlich geht es mir ja mehr um die Pflanzen als solche, weil ich die Blätter so schön finde; der Ertrag ist für mich irrelevant – Kaffee gibt’s hier wirklich zur Genüge! Deshalb hat es mich auch nicht gestört, dass es drei Jahre dauert, bis die Pflanzen tragen. Umso erstaunter war ich, als ich in diesem Jahr – pünktlich zur Kaffee-Ernte – hier eintraf und tatsächlich die ersten Früchte (sagt man da eigentlich Früchte oder doch Bohnen? Keine Ahnung) entdeckte. Ganze sieben Stück!

Obwohl sich mein Zutun ja doch in Grenzen hält, bin ich mächtig stolz und überlege jetzt, ob ich nicht doch ins Kaffeegeschäft einsteigen soll! 😉

 

 

 

Touristen-Fänger

Eine Fußgängerzone in Lissabon, auf beiden Seiten reiht sich Restaurant an Restaurant. Die Tische vor den Lokalen sind eingedeckt und warten auf Kundschaft, große Aufsteller geben bebildert Auskunft über das Angebot an Speisen. Die abgebildeten Teller gleichen einander, wie ein Ei dem anderen, bei den Preisen ist es nicht anders. Es wäre also völlig egal, vor welchem Lokal man sich nieder lässt – über die Qualität des Essens kann man sowieso erst hinterher urteilen.
Da die Wirte auf Kundschaft angewiesen sind und ihre Kellner auch dann bezahlen müssen, wenn nichts zu tun ist, müssen die armen Kerle mit einer Speisekarte in der Hand vor dem Lokal stehen und Kundschaft einfangen. Es ist es völlig egal, ob die Passanten Hunger haben oder nicht – jeder wird angesprochen. Die Masche ist immer dieselbe; sie variiert zwischen freundlich und aggressiv nur ein bisschen. Es empfiehlt sich, an diesen Läden eiligen Schrittes vorbei zu laufen. Riskiert man auch nur einen winzigen Blick in Richtung der Tische oder der Aufsteller, springt einem der Kellner vor die Füße und hält einem die aufgeschlagene Speisekarte vor die Nase. Den wird man so schnell nicht mehr los, der klebt an einem bis zur nächsten Straßenecke.
Wir meiden diese Lokale schon aus Prinzip. In dem ganzen Restaurant-Gewühl hatten wir vor Jahren eines entdeckt, bei dem alles anders war. Ein ganz kleiner Laden, nur wenige Tische, eine aufgeschlagene Speisekarte, in der Interessierte in Ruhe blättern konnten. Der Kellner stand am Eingang und kam erst, wenn man sich an einen der freien Tische gesetzt hatte. Leckere Speisen, zivile Preise und guter Service – fortan unser Stammlokal in Lissabon.
Zielstrebig sind wir auch in diesem Jahr wieder dorthin marschiert und waren enttäuscht: Das Lokal ist modern umgebaut und vergrößert, viele Tische, Aufsteller, Fänger vor der Tür. Der alte Wirt hatte sich zur Ruhe gesetzt und den Laden verkauft. Nix wie weg hier!
Wir mussten einige Zeit suchen, haben dann aber ein Lokal gefunden, das uns zusagte: Eine Tafel mit einem Auszug der Speisekarte war aufgestellt und die Empfangsdame kam erst auf uns zu, als wir das Areal des Lokals betreten hatten. Unsere Suche wurde mit sehr leckerem Essen belohnt. Auch wenn wir dem alten Lokal nachtrauern, im nächsten Jahr haben wir bei unserer Durchreise wieder ein Ziel vor Augen!