Flugobjekte

Beija-flor („Blütenküsser“, Kolibri)

Seit einiger Zeit haben wir eine kleine Tränke für die Kolibris, die mit einem in Wasser angerührtem Pulver befüllt wird. Die armen Kolibris haben sich immer über unsere Holzblumen hergemacht, die als Deko an der Wand hängen und garantiert keinen Nektar abgeben. Inzwischen haben sich die Vögelchen an die Tränke gewöhnt und kommen regelmäßig. Kürzlich ist meinem Mann von der Hängematte aus ein echter Schnappschuss gelungen:

Der Bursche ist eine durstige Seele. Er trinkt, fliegt dann auf den Elektrozaun, trinkt wieder … das geht drei oder vier Mal so, dann macht er die Biege und fliegt weg. Es macht Spaß, die Winzlinge zu beobachten – obwohl ich es ja nicht so mit fliegendem Getier habe!

Bruxas

Weit weniger angenehm finde ich folgende Spezies, die hier Bruxas (Hexen) genannt werden:

Die tun zwar nix, aber ich finde sie eklig und dieses Jahr scheinen viele von ihnen unterwegs zu sein. Das vorliegende Exemplar hatte sich ins Wohnzimmer verflogen und hat an der Gardine übernachtet. Es hatte ungefähr eine Spannweite von 15 cm, was schon beachtlich ist. Die Viecher gibt es aber auch noch größer. Einer saß mal oben am Kamin auf der Terrasse, der reichte über zwei Klinker, eine dicke und zwei dünne Fugen und ragte darüber noch hinaus. Die Klinker messen 6 cm, die große Fuge drei und die kleinen 1,5 cm. Der Bursche kam locker auf 20 cm Spannweite! Da hört es für mich auf, lustig zu sein. Geräte dieser Größe mag ich dann auch im Außenbereich nicht mehr haben … und in der Wohnung schon gar nicht. Gruselig!

Im Übrigen gibt es dieses Jahr enorm viele Stechmücken, was daran liegen mag, dass die Temperaturen höher als normal sind. Klimawandel also auch hier. Da mich diese Biester besonders lieben, sehe ich mittlerweile aus wie ein Streuselkuchen. Es juckt, dass man aus der Haut fahren könnte! Fliegenklatsche und Spray habe ich immer in Griffweite. Gestern Abend mussten drei dieser Viecher ihr Leben in unserem Schlafzimmer lassen, was mir eine große Genugtuung bereitet hat. Endlich mal wieder ohne Surren in den Ohren einschlafen und aufwachen, ohne mit neuen Quaddeln übersäht zu sein. Eine richtig gute Nacht!

Advertisements

Blog-Geburtstage

Da hab‘ ich doch kürzlich jemandem zum 9. Blog-Geburtstag gratuliert und gesagt, dass ich ja auch schon bald sieben Jahre als Blogger hinter mir habe. Jetzt habe ich festgestellt, dass mein erster Eintrag vom Mai 2006 stammt! Hallo??? Da sind mir wohl ein paar Jahre einfach so durchgeflutscht! Ich fass‘ es nicht, wo sind die Jahre geblieben??

Ich werde mir einen Eintrag im Kalender machen, damit ich wenigstens meinen 10. Geburtstag nicht verpasse!

Übrigens trauere ich Blog.de, das am 15.12. endgültig geschlossen wird, schon heute nach! Ich fand das dort alles viel übersichtlicher als bei WordPress, das überfrachtet ist mit Möglichkeiten, die ich nicht brauche. Eine vernünftige Textverarbeitung, mal ein paar Bildchen und hie und da mal ein Smiley, mehr brauche ich nicht fürs Blogger-Glück. Aber die geruhsamen Zeiten sind wohl endgültig vorbei!

Klobürstenbäume

Habe ja gerade im Seppolog gelesen, dass morgen Welttoilettentag ist. Da hätte mein letzter Eintrag „Baukunst“ ja auch dazu gepasst, aber ich wusste bis dato gar nicht, dass man auch fürs Klo einen weltweiten Tag eingerichtet hat. Nee, was es nicht alles gibt!
Da das Thema also schon gefrühstückt ist, werde ich mich einem anderen, ebenfalls gerade aktuellen Thema zuwenden: Weihnachten.

Man kann zu dem Thema stehen wie man will, das Fest feiern oder es bleiben lassen; man kommt zumindest in der westlichen Welt nicht daran vorbei. In den USA gibt es Xmas-Shops, in denen man das ganze Jahr über Weihnachtsgedöns kaufen kann und dabei mit Jingle bells und ähnlich süßen Ergüssen der Musikbranche berieselt wird. Für mich gehören diese Shops in die Abteilung „Dinge, die der Mensch nicht braucht„, aber sie machen offensichtlich gute Geschäfte und haben dann halt doch eine gewisse Daseinsberechtigung. Mir reicht es schon, wenn ich Ende August im Supermarkt über die ersten Christstollen- und Lebkuchentürme stolpere. Nein, ich kaufe im Hochsommer nichts davon … höchstens mal ein paar Dominosteine. 😉

Im Übrigen oute ich mich jetzt mal als Weihnachtsmarkt-Liebhaberin. Aber nur in Regionen, in denen es kalt oder zumindest so kühl ist, dass man Glühwein, Glögg oder Feuerzangenbowle trinken kann, ohne gleich einen Schweißausbruch zu bekommen. Ich liebe die Gerüche auf den Märkten (von einigen Pommesbuden mal abgesehen), den Lichterglanz am Abend, das Zusammenstehen mit Freunden, die kalten Füße. Das gehört für mich ebenso zu Weihnachten, wie ein geschmückter Baum und Plätzchen zum Adventskaffee. Und Kitsch. An Weihnachten darf es ruhig kitschig sein! Aber es muss schön kitschig sein!! Es gibt ja auch Kitsch, der einfach nur gruselig ist. Den mag ich natürlich nicht.

Gewöhnungsbedürftig finde ich auch, die Vorweihnachtszeit in Ländern zu verbringen, in denen es um diese Jahreszeit warm oder sogar sehr warm ist. Ich erinnere mich an einen 1. Advent im Krüger Nationalpark – zehn Uhr morgens, 40° C! Das macht nicht wirklich Laune auf Weihnachten. Selbst in Brasilien, wo (zumindest hier in den Bergen) die Temperaturen nicht ganz so hoch sind, empfinde ich die Dekoration mit stilisierten Tannen, Rentierschlitten und sogar Pappmaschee-Schneemännern als befremdlich. Überhaupt geht es mir auch hier zu früh los mit den ganzen Dekorationen. In Deutschland wird traditionell der Totensonntag abgewartet und erst danach begonnen, alles auf Weihnachten zu trimmen. Hier fangen sie schon Anfang November damit an, die Stadt zu illuminieren, jeden Baumstamm und Laternenpfahl mit Lichtschläuchen zu umwickeln und sonderbare Leuchtgebilde über den Straßen anzubringen. Ok, das alles ist viel Arbeit und man muss beizeiten damit beginnen, aber hier leuchten und blinken diese Dinger auch, sobald sie angebracht sind. Da wird die Vorweihnachtszeit locker auf acht Wochen ausgedehnt. Bezahlen dürfen den Spaß die Bürger der Stadt; auf der Stromrechnung taucht dann einfach ein Posten „Weihnachtsbeleuchtung“ auf, den man ebenfalls berappen muss. By the way: Der Strompreis wurde im November von einem Tag auf den anderen um 25% (in Worten: Fünfundzwanzig!) erhöht. Und das in einer Zeit, in der die Normalverdiener sowieso kaum wissen, wie sie über die Runden kommen sollen!

Was ich auch ganz gruselig finde, sind künstliche Weihnachtsbäume! Ok, hier gibt es keine Tannen, da bleibt einem nichts anderes übrig, als auf einen künstlichen Baum zurückzugreifen oder den Ficus benjamini kurzerhand umzufunktionieren. In beiden Fällen geht einem aber der harzige Geruch einer frisch geschlagenen Tanne ab und den mag ich halt auch sehr. Und jetzt kommt mir nicht damit, dass es Tannennadel-Duft auch aus der Sprühdose gibt. Das ist kein Vergleich!
Weil wir gerade bei künstlichen Bäumen sind: Vor zwei, drei Jahren waren hier Bäume schwer en vogue, die aussahen, als seien sie aus mehreren Klobürsten zusammen gesteckt. Geschmacklosigkeit vom Feinsten, aber immerhin sind wir mit den Klobürsten jetzt schon fast wieder beim Welttoilettentag und damit schließt sich der Kreis.

Baukunst

Dass in anderen Ländern anders gebaut wird, ist klar. Nicht zuletzt die verschiedenen Baustile machen das Reisen ja interessant. Auch als Nicht-Fachmann steht man manchmal sprachlos vor einem Wolkenkratzer, einer riesigen Spannbrücke oder bestaunt alte Baukunst wie Kirchen, Amphitheater oder Pyramiden. Das alles ist von Menschenhand geschaffen und den jeweiligen (oder vermeintlichen) Bedürfnissen angepasst.

Für die Neuzeit bedeutet das, das man in einem Land, in dem es niemals schneit und die Temperaturen nur alle 50 Jahre mal an der 0-Grad-Grenze kratzen, z.B. keine Heizung benötigt, keine Doppelverglasung, keine gedämmten Wände. Es macht einfach keinen Sinn, viel Geld auszugeben für Dinge, die man vermutlich nie benötigt. Uns macht es auch nichts aus, hier an kalten Abenden die Flipflops mal gegen Socken auszutauschen oder eine Strickjacke überzuziehen – was wirklich selten vorkommt.

Etwas schwerer fällt es mir da schon, mich mit den hiesigen Installationen (Wasser, Strom, Gas) anzufreunden. Arbeiten, die bei uns nur von Fachfirmen ausgeführt oder zumindest abgenommen werden müssen, kann hier praktisch jeder machen. Man besorgt sich eine Wasserpumpenzange und ist Installateur, wer mit Isolierband umgehen kann, ist Elektriker. Natürlich gibt es auch hier Leute, die Ahnung von ihrem Gewerk haben. Man weiß halt nur vorher nicht, welche Art Handwerker man gerade vor sich hat. Ich erinnere, dass man hier beinahe den nagelneuen Gasherd ruiniert hat bei dem Versuch, ihn an die Wasserleitung anzuschließen!
Den Elektriker haben wir vom Hof gejagt, nachdem er stundenlang vergeblich versucht hat, einen Deckenventilator so anzuschließen, dass dieser sowohl mit einem Schalter als auch mit einer Fernbedienung zu betätigen war. Mein Mann hat das dann mit ein bisschen Nachdenken (und natürlich einigen Vorkenntnissen) relativ schnell hingekriegt und kümmert sich seit dem auch um Steckdosen, Schalter u.ä. lieber selbst.
Beim Anblick des Installateurs habe ich schon vor Jahren Pickel gekriegt; der hatte die tollsten Ideen überhaupt. Eine führte zur Überflutung der Waschküche!

Zu Strom und Wasser – gerne auch in Verbindung miteinander – haben Brasilianer ein sehr entspanntes Verhältnis, was die folgenden Bilder belegen:

Einen guten Handwerker zu erwischen ist also Glückssache, aber das ist in Deutschland ja nicht anders. Mund-zu-Mund-Propaganda halte ich nach wie vor für die ehrlichste Art der Reklame.

Was mich in Brasilien wirklich entsetzt hat und wovon ich niemals geglaubt hätte, dass es so etwas überhaupt gibt, ist die Art und Weise, wie das Abwasser im Kanal landet. Von unserem eigenen Haus in Deutschland weiß ich, dass vernünftige Rohre z.B. vom Waschbecken oder Klo in ein Fallrohr führen, welches dann irgendwo in einem Kanal landet. Hier ist das anders: alle Rohre enden in einem kleinen, unterirdischen Bassin. Hier sammelt sich alles – vom Spülwasser bis zum großen Geschäft – vermischt sich und läuft dann erst über ein ziemlich dünnes Rohr irgendwo in die Kanalisation. Wenn nun dieses Rohr aus welchen Gründen auch immer (z.B. Bauschutt, der nicht ordnungsgemäß entfernt wurde) verstopft, gibt es einen Rückstau und die ganze Soße taucht irgendwo wieder auf. Rückstauventile oder ähnliches – Fehlanzeige! Dieses System ist übrigens auch der Grund dafür, warum man in Brasilien Klopapier nicht ins Klo werfen darf.

Ich kann es immer noch nicht fassen:
Wir fliegen zum Mond und haben es nach über 2000 Jahren noch nicht geschafft, unsere Fäkalien so zu entsorgen, dass wir ihrer nicht mehr ansichtig werden müssen.

Deutsches Brot und andere Genüsse

Ich muss mal eine Lanze für unser Brot brechen, nach dem ich gestern etwas „Heimweh“ hatte. Nix gegen unseren brasilianischen Bäcker; der backt wirklich tolle Brötchen, die die ersten zwei Stunden richtig knusprig und lecker sind. In anderen Bäckereien gibt’s die auch – in einer von Anfang an knatschigen Variante.

Gestern Morgen waren die Brötchen leider ausverkauft und mein Mann hatte keine Lust, 15 Minuten auf die neue Ladung aus dem Backofen zu warten. Also brachte er ein rundes Brot mit – „Italiener Brot“, wie ihm erklärt wurde. Das sah auch ganz gut aus, bis ich mit dem Messer anrückte. Die Kruste war labberig, der Inhalt weich. Das ganze Ding knatschte zu einem flachen Fladen zusammen, von dem ich nur mühsam Scheiben absäbeln konnte. Im Brotkorb entfalteten sich die Teile wieder und gaben riesige Löcher Preis, um die herum wir Butter und Marmelade drapieren mussten. Beim Abbeißen flutschte die Marmelade dann runter, die Scheibenfragmente knatschten sich wieder zu einem – gebutterten, klebrigen – Klumpen zusammen. Was nicht im Mund landete, pappte an den Fingern. Nee, das machte wirklich keinen Spaß und geschmeckt hat es nach gar nichts.

Plötzlich überkam mich dann doch die Sehnsucht nach stabilen, knusprigen Brötchen oder nach einer Scheibe dunklem, würzigem Brot. Jedenfalls ein Teil, das seine Form behält und eine ordentliche Krume hat und Biss. Gerne auch mit Körnern drin und drauf!

Ich dachte ja anfangs sowieso, dass ich dieses ewige Weißbrot bald nicht mehr sehen könnte, habe aber die Erfahrung gemacht, dass mir mit den leckeren Bäcker-Brötchen hier nichts abgeht. Ich kann die gut drei Monate lang essen, ohne dass sie mir zum Hals heraus hängen. Wenn ich dann wieder in Deutschland bin, schlage ich allerdings zu: Schwarzbrot und Körnerbrötchen in allen Varianten wandern in den Korb. Ich kaufe ein, als hätte ich eine sechsköpfige Familie zu versorgen. Völlig hemmungslos!

An der Wursttheke in Deutschland werde ich übrigens auch schwach: Leberwurst, Schwarzwälder Schinken, frisches Mett, Fleischwurst, Mailänder Salami … hmmmm!
Hier gibt es Mortadella, Mortadella oder Mortadella (eine Sorte schmeckt gut, den Rest kann man vergessen). Geschmacksneutralen Formschinken gibt es und so etwas Ähnliches wie Salami, die halbwegs gut schmeckt. Ansonsten halten wir uns mit Käse über Wasser. Davon gibt es – zumindest in unserem Bundesstaat – reichlich. Allerdings sind die meist sehr weich und haben bis auf wenige Ausnahmen einen geringen Eigengeschmack. Wir haben inzwischen aber einige Sorten gefunden, die uns munden. Die Käsefrau hier auf dem Markt kennt uns und offeriert uns nur noch die würzigen Sorten.
Bei der Namensgebung sind die Brasilianer übrigens erfinderisch; „típico Gruyere“ oder „típico Parmesan“ ist auf den Schildern zu lesen. Geschmack und Optik haben aber nicht das Geringste mit dem Original zu tun.

Andere Länder, anderes Essen. Es geht uns hier nicht wirklich was ab; wir kommen mit dem Angebot ganz gut klar und sind inzwischen auch erfinderisch geworden, nutzen z.B. gebratene oder geräucherte Lende als Schinkenersatz oder ich kreiere eigene Aufstriche. Trotzdem muss ich sagen: Deutschland ist ein Schlaraffenland, das man wohl erst wirklich schätzen lernt, wenn man mal ein paar Monate weg war!

In diesem Sinne: Genießt das Angebot beim Metzger Eures Vertrauens, erfreut Euch an der Bäckerei-Auslage und greift auch mal zu den Sorten Käse, die Ihr normalerweise links liegen lasst. Ein so vielfältiges Angebot wie in Deutschland gibt es sonst nirgendwo!

 

Hier noch ein paar Impressionen unserer hiesigen Markthalle

   

Warten auf einen freien Parkplatz

Marktstand im Außenbereich

 

Was aussieht, wie ein Laib Käse ist in Wirklichkeit eine Nascherei – hergestellt aus Kürbis. Zuckersüß und deshalb für mich ungenießbar. Die Brasilianer lieben das Zeug; es wird überall angeboten und in Massen gekauft.

Di und Fr gibt’s hier den besten Frischkäse!

Favelakinder

Am Eingang zur Favela „Morro do Papagaio“ – eines der großen Elendsviertel in Belo Horizonte – gab es bis zum letzten Jahr einen Polizeiposten, der etwas erhöht in einer Art Wachturm thronte. Der Turm ist jetzt weg, nun stehen nur noch volle Müllcontainer rum, neben denen wir tapfer unser Auto abstellen. In einem der Container liegt obenauf ein toter Hund, von Mücken umschwärmt. Es stinkt zum Himmel; Armut kann man riechen! Wir nehmen die drei kleinen Tüten mit Geschenken aus dem Kofferraum und stapfen die steile Gasse bis zum Gebäude der Kindertagesstätte GAC (Grupo de Amigos da Criança) hinauf. Die Gasse ist eng, trotzdem quält sich hier noch ein Bus durch. Als Fußgänger muss man schleunigst Schutz in einem der Hauseingänge suchen, was mir nicht ganz gelingt. Er streift mich und reißt mich fast um. Pech gehabt. Wer zu langsam ist …!

Unsere Gäste aus Deutschland sind selbst Paten für eines der Favela-Kinder, die unser Verein Kinderhorizonte e.V. unterstützt und fördert. Von weiteren Paten hatten wir Geschenke dabei und auch unser eigenes Patenkind wollten wir endlich persönlich kennen lernen. Bei unserem letzten Besuch war sie krank und musste das Bett hüten. Sophia ist vier Jahre alt und besucht die Gruppe der Vorschulkinder, die ganztags betreut werden, geregelte Mahlzeiten erhalten und sicher und behütet spielen können. Die großen Kinder gehen halbtags zur Schule, bekommen in der Tagesstätte ihr Mittagessen und können in Ruhe und unterstützt durch einen Nachhilfelehrer ihre Hausaufgaben machen, spielen oder an einem der vielfältigen Workshops teilnehmen.

Gerade die kleinen Kinder drehen immer völlig auf, wenn Besuch aus Deutschland kommt. Sie winken und rufen, man wird umarmt und bekommt jede Menge Fragen gestellt. Jedes Kind versucht auf seine Weise, auf sich aufmerksam zu machen. Wir waren zum Kindertag da, der dort gleich eine ganze Woche lang gefeiert wird. Es gibt Kuchen und Süßspeisen, besondere Spiele und Aktivitäten und jedes Kind darf in „zivil“ kommen (normalerweise gibt es eine Art Uniform, die bei den Kleinen in Trainingsanzügen mit dem Aufdruck der Tagesstätte bestehen). Da sieht man dann schon mal kleine Prinzessinnen, Clowns oder Cowboys und mich haut jedes Mal die Lautstärke um, die die rund 100 Vorschulkinder beim Spielen und Toben entwickeln. Das ist der absolute Wahnsinn!

Sophia und die beiden anderen Patenkinder wurden von einer Betreuerin in das Büro der Leiterin der Tagesstätte gebracht, damit die Übergabe der Geschenke nicht vor den Augen der anderen Kinder passiert und kein Neid aufkommt. Das Auspacken der Kuscheltiere, Malbücher und –stifte machte den Kleinen anfangs noch etwas Mühe, aber mit ein bisschen Unterstützung durch die Erwachsenen klappe es dann doch und die Geschenke fanden großen Anklang. Mich begeistern immer wieder die Augen der Kinder; sie sind unglaublich: Erstaunen, Fragen, Glückseligkeit – alles zeichnet sich darin ab! Die Kleinen blieben bei uns, bis zum Essen gerufen wurde. Die Geschenke wurden wieder in die Tüten gepackt und diese mit Namen versehen. Am Abend durften sie sie mit nach Hause nehmen.

 

Die Zeit des Mittagessens (mit anschließendem Schlaf) haben wir genutzt, um mit der Leiterin der Tagesstätte die anstehenden Projekte zu besprechen und die Verwendung der Gelder, die Kinderhorizonte e.V. an die Einrichtung überweist. Schließlich sind wir unseren Paten und Spendern ja Rechenschaft schuldig und sie sollen wissen, für was das gespendete Geld ausgegeben wird.

Bevor die Kleinen aus dem Mittagsschlaf erwachten, haben wir noch die Gruppe der Schulkinder besucht, die in einem anderen Gebäude untergebracht sind. Dort hatte man auch für uns ein einfaches Mittagessen gerichtet, das sehr gut schmeckte. Die großen Kinder erzählten uns, was ihnen an der Einrichtung am besten gefällt und warum sie die Tagesstätte gerne besuchen. Ganz hoch im Kurs steht natürlich der kleine Pool, der mit Hilfe von Kinderhorizonte e.V. gebaut wurde und in dem die Kinder Schwimmunterricht erhalten. Eine kleine Sensation in einer Favela, die anfangs auch Missgunst bei den Nachbarn erweckte. Mittlerweile ist das Schwimmbad überdacht und der Eingang gut gesichert.

 

Die GAC-Kinder profitieren von den Angeboten an Workshops und dem Nachhilfeunterricht. Sie sind besser in der Schule, lernen leichter, machen ihre Hausaufgaben. Leider können sich viele Eltern den Unkostenbeitrag für die Unterbringung in der Tagesstätte (35 Reais pro Monat, derzeit noch keine zehn Euro pro MONAT) nicht leisten und schicken ihre Kinder lieber in die kostenlosen Ganztagsschulen, in denen die Kinder mehr oder weniger verwahrt werden. Zwar bieten diese Schulen inzwischen auch so etwas wie Workshops an, erreichen dabei aber nicht die Qualität, wie sie in der Tagesstätte geboten wird. Wir haben daher beschlossen, die Beiträge hälftig zu übernehmen und hoffen, dass sich so wieder mehr Eltern zu einer Unterbringung ihrer Kinder bei GAC entschließen und gewillt sind, die verbleibenden fünf Euro im Monat zu zahlen. Bei der derzeitigen Inflation in Brasilien ist das noch schwer genug.

Und wir als Verein hoffen, weitere Paten und Spender für dieses wunderbare Projekt zu finden! Wer Interesse hat, sollte sich unsere Homepage www.kinderhorizonte.org anschauen – die zwar nicht auf dem neuesten Stand ist (und gerade überarbeitet wird), aber einen Eindruck vermittelt, wie wir arbeiten, für was wir stehen und was uns von anderen Organisationen unterscheidet.