Deutsches Brot und andere Genüsse

Ich muss mal eine Lanze für unser Brot brechen, nach dem ich gestern etwas „Heimweh“ hatte. Nix gegen unseren brasilianischen Bäcker; der backt wirklich tolle Brötchen, die die ersten zwei Stunden richtig knusprig und lecker sind. In anderen Bäckereien gibt’s die auch – in einer von Anfang an knatschigen Variante.

Gestern Morgen waren die Brötchen leider ausverkauft und mein Mann hatte keine Lust, 15 Minuten auf die neue Ladung aus dem Backofen zu warten. Also brachte er ein rundes Brot mit – „Italiener Brot“, wie ihm erklärt wurde. Das sah auch ganz gut aus, bis ich mit dem Messer anrückte. Die Kruste war labberig, der Inhalt weich. Das ganze Ding knatschte zu einem flachen Fladen zusammen, von dem ich nur mühsam Scheiben absäbeln konnte. Im Brotkorb entfalteten sich die Teile wieder und gaben riesige Löcher Preis, um die herum wir Butter und Marmelade drapieren mussten. Beim Abbeißen flutschte die Marmelade dann runter, die Scheibenfragmente knatschten sich wieder zu einem – gebutterten, klebrigen – Klumpen zusammen. Was nicht im Mund landete, pappte an den Fingern. Nee, das machte wirklich keinen Spaß und geschmeckt hat es nach gar nichts.

Plötzlich überkam mich dann doch die Sehnsucht nach stabilen, knusprigen Brötchen oder nach einer Scheibe dunklem, würzigem Brot. Jedenfalls ein Teil, das seine Form behält und eine ordentliche Krume hat und Biss. Gerne auch mit Körnern drin und drauf!

Ich dachte ja anfangs sowieso, dass ich dieses ewige Weißbrot bald nicht mehr sehen könnte, habe aber die Erfahrung gemacht, dass mir mit den leckeren Bäcker-Brötchen hier nichts abgeht. Ich kann die gut drei Monate lang essen, ohne dass sie mir zum Hals heraus hängen. Wenn ich dann wieder in Deutschland bin, schlage ich allerdings zu: Schwarzbrot und Körnerbrötchen in allen Varianten wandern in den Korb. Ich kaufe ein, als hätte ich eine sechsköpfige Familie zu versorgen. Völlig hemmungslos!

An der Wursttheke in Deutschland werde ich übrigens auch schwach: Leberwurst, Schwarzwälder Schinken, frisches Mett, Fleischwurst, Mailänder Salami … hmmmm!
Hier gibt es Mortadella, Mortadella oder Mortadella (eine Sorte schmeckt gut, den Rest kann man vergessen). Geschmacksneutralen Formschinken gibt es und so etwas Ähnliches wie Salami, die halbwegs gut schmeckt. Ansonsten halten wir uns mit Käse über Wasser. Davon gibt es – zumindest in unserem Bundesstaat – reichlich. Allerdings sind die meist sehr weich und haben bis auf wenige Ausnahmen einen geringen Eigengeschmack. Wir haben inzwischen aber einige Sorten gefunden, die uns munden. Die Käsefrau hier auf dem Markt kennt uns und offeriert uns nur noch die würzigen Sorten.
Bei der Namensgebung sind die Brasilianer übrigens erfinderisch; „típico Gruyere“ oder „típico Parmesan“ ist auf den Schildern zu lesen. Geschmack und Optik haben aber nicht das Geringste mit dem Original zu tun.

Andere Länder, anderes Essen. Es geht uns hier nicht wirklich was ab; wir kommen mit dem Angebot ganz gut klar und sind inzwischen auch erfinderisch geworden, nutzen z.B. gebratene oder geräucherte Lende als Schinkenersatz oder ich kreiere eigene Aufstriche. Trotzdem muss ich sagen: Deutschland ist ein Schlaraffenland, das man wohl erst wirklich schätzen lernt, wenn man mal ein paar Monate weg war!

In diesem Sinne: Genießt das Angebot beim Metzger Eures Vertrauens, erfreut Euch an der Bäckerei-Auslage und greift auch mal zu den Sorten Käse, die Ihr normalerweise links liegen lasst. Ein so vielfältiges Angebot wie in Deutschland gibt es sonst nirgendwo!

 

Hier noch ein paar Impressionen unserer hiesigen Markthalle

   

Warten auf einen freien Parkplatz

Marktstand im Außenbereich

 

Was aussieht, wie ein Laib Käse ist in Wirklichkeit eine Nascherei – hergestellt aus Kürbis. Zuckersüß und deshalb für mich ungenießbar. Die Brasilianer lieben das Zeug; es wird überall angeboten und in Massen gekauft.

Di und Fr gibt’s hier den besten Frischkäse!

4 Gedanken zu “Deutsches Brot und andere Genüsse

  1. Da stimme ich dir zu liebe Caipi,

    denn jedesmal, wenn ich von fernen Ländern aus dem Urlaub zurück kam,
    war mein erster Weg zum Bäcker 😉

    Eine zeit lang geht’s schon, aber dann kommt echt die Sehnsucht nach dem dunklen Roggen oder auch Mischbrot.

    Vielleicht soldet ihr euch so einen Backautomaten zulegen und die Roggenmischungen von Deutschland mitnehmen *grins

    Schick einen ❤ lichen Gruß in die Ferne,

    Uschi

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  2. Hallo Uschi,
    Von diesen Backautomaten halte ich nichts; zu Hause habe ich so ein Ding im Schrank stehen. Ich backe selbst gerne Brot, allerdings herkömmlich im Ofen. Das Problem hier ist, ich finde nirgendwo Roggenmehl und Dinkel oder ähnliches schon gar nicht.
    Vielleicht nehme ich nächstes Jahr wirklich mal eine Backmischung mit … für Notfälle. Ich hab’s jedenfalls schon mal notiert. 🙂
    LG, Caipi

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  3. kkkkk Die verschiedenen Mehlsorten kriegst Du in groesseren Städten in Bioläden. In SP, Rio und sogar Fortaleza, habe ich schon gefunden – Roggen = centeio, Dinkel = farinha de espelta.
    Außer Mortadella, gibt es auch frango e peru, carnes defumadas, rosbife, pastrami, pancetta, prosciutto, pata negra espanhol, foie gras, salmão defumado, salame serrano, presunto parma, presunto „alemão“ (:)) defumado, picanha defumada, etc.
    Käse gibt es auch cheddar, gouda, brie, camembert, St.Paulin, muçarela, queijos de cabra, queijo de minas, etc.
    Ich verstehe dich sehr gut! Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich das frische Obst und Gemüse, Água de côco, Feijao, Picanha, Filet mignon und viele Fischarten zum Beispiel ziemlich vermisst! Es war auch nicht einfach! 😉
    Gut, dass Du nur drei Monate dort bleibst! rsrsrsrs
    LG und schönes Wochenende!
    Claudia

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  4. Du weißt wenigstens, von was ich rede! 🙂
    Das mit den Bioläden ist ein guter Tipp, wenngleich ich in unserem „Kaff“ bewußt noch keinen Bioladen gesehen habe. Außerdem sind die Läden hier schneller wieder zu, als sie aufgemacht haben. Die Business-Pläne waren dann wohl nicht so ausgereift. Ich werde auf alle Fälle die Augen offen halten!

    Dass es in Sachen Wust und Schinken andernorts ein besseres Angebot gibt, weiß ich schon … nur bei uns halt leider nicht. Das Angebot in den Supermärkten ist überschaubar.
    Gestern haben wir drei Supermärkte abgeklappert, um die Zutaten für ein kleines Grillfest zusammen zu kaufen (und haben nicht alles bekommen!). Man kann schon manchmal verzweifeln!
    Außerdem muss man jetzt höllisch aufpassen, was die Preise betrifft. Im Zuge der Inflation schießen manche Märkte jetzt völlig übers Ziel hinaus. Gestern gesehen: Eine Dose Sprühsahne für umgerechnet 7 (in Worten: sieben!) Euro!

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