Drei, zwei, eins …

Mein Auto – Baujahr 1998 – zeigt langsam aber sicher Auflösungserscheinungen und wir tragen uns mit dem Gedanken, es bald gegen ein neues Altes auszutauschen. Mir tut das in der Seele weh, weil es gerade immer anspringt und auch beim Fahren keinerlei Macken zeigt. Blöd ist halt, dass die Schlösser sämtlich nicht mehr funktionieren und ich nie weiß, ob ich überhaupt rein komme. Abschließen ist nicht so wichtig – die Karre klaut niemand mehr. Im Innenraum baumeln ein paar Kabel rum, deren Bedeutung mir nicht klar ist; bei feuchter Witterung ist auch der Fahrgastraum feucht, weshalb ich immer mehrere Pakete Salz spazieren fahre, die regelmäßig ausgetauscht werden. Die Scheibenwischer ruckeln. Von außen betrachtet, hat man den „Ritter von der traurigen Gestalt“ vor sich. Diverse Beulen (nur eine davon ist von mir!) und Roststellen zieren den praktisch nicht mehr vorhandenen Lack. Das Auto war in seiner Jugend ein Baustellenfahrzeug und ich vermute, dass der Lack da schon einiges an Schaden genommen hat. Der Zahn der Zeit hat ihm dann den Rest gegeben. Alles in allem ist mein Wägelchen ein Bild des Jammers. Das ist die Vorgeschichte.

Nun hatte mein Mann eine Überraschung für mich: Er hat via Internet einen Zweisitzer für mich bestellt!
Allerdings kein rassiges Sportwägelchen, sondern eine Trabi „Winterpritsche“ aus NVA-Beständen. In kack-braun. Eine kleine, eckige Kiste mit offener Ladefläche, auf der früher vermutlich Streusalz von A nach B gefahren wurde. Also … wenn es welches gab. Davor ein Bänkchen für Fahrer und Beifahrer, Lenkrädchen, Windschutzscheibchen, Rasenmäher-Motor. Fertig.
Ich bin aus allen Wolken gefallen und habe getobt! Was ihm einfallen würde, mir so ein Ding vor die Tür zu stellen! Er versuchte, mir das das Gefährt schmackhaft zu machen: Wie einfach ich alle Einkäufe auf der Pritsche unterbringen könne und nie mehr Ärger mit Rost haben würde. Auch könne man das Fahrzeug ohne große Kenntnisse selbst reparieren und die Unterhaltung wäre auch günstig. Schließlich würde er ja auch ein sparsames Auto fahren.
Da bin ich ja bald geplatzt – er hat ein nagelneues Auto mit allem Schnickschnack, ringsum Sensoren/Kameras, Sitzheizung und was weiß ich nicht alles, und ich soll mit so einem Witz durch die Gegend fahren?! Nie im Leben werde ich da einsteigen! Und überhaupt, ob er aufgeweichtes Brot essen möchte oder ob ich nur noch bei schönem Wetter einkaufen solle. Die Pritsche hat nicht mal eine Abdeckplane. Außerdem: wie soll ich meine Mutter z.B. mal zum Arzt fahren … vielleicht auch auf der Ladefläche?

Hat der Mann eigentlich kein Hirn? Für so einen Mist wirft er Geld zum Fenster raus, nur weil er den Finger auf der Maus nicht unter Kontrolle hat. Nun kann er weiteres Geld investieren, um die Welt von diesem Ding zu befreien. Und nur damit er’s weiß: Ich gehe mir jetzt ein AUTO kaufen. Und zwar ein richtiges! Er kann derweil zusehen, wie er dieses kackfarbene Teil vom Hof kriegt. Ich hab‘ ihm so die Hölle heiß gemacht, dass ich selbst Schweißausbrüche bekommen habe.

Gott sei Dank bin ich dann aufgewacht. Völlig benommen habe ich mich ans offene Fenster gestellt und erst einmal tief durchgeatmet. Das Blut rauschte so durch meine Ohren, dass ich freiwillig zum Messgerät (seit geraumer Zeit mein ständiger Begleiter) gegriffen habe: 178. Um halb zwei Uhr nachts und ca. 20 Minuten nach dem erlösenden Erwachen. Glückwunsch! Warum zum Henker, muss ich eigentlich immer so einen Mist träumen???

2 Gedanken zu “Drei, zwei, eins …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s