Feuchte Träume

Wenn es nachts warm und feucht wird zwischen den Beinen, hatte man entweder einen erotischen Traum oder … schlicht ins Bett gepullert. Ich träume ja meist sehr intensiv, aber die Feuchtigkeit, die ich im Halbschlaf verspürte, schien mir für einen erotischen Traum doch ein bisschen viel. Oh Gott, bin ich etwa schon undicht??? Brauche ich jetzt diese im Werbefernsehen angepriesenen Einlagen, mit denen man auch als älteres Semester noch abtanzen kann wie ein junger Hüpfer und niemand etwas sieht oder gar riecht? Oder Pillen gegen Blasenschwäche, die mit den Kürbiskernen gar? Schock im Morgengrauen!
Ich versuchte, meine wirren Gedanken zu sortieren und etwas wacher zu werden. Ich realisierte, dass mein Schlafanzug komplett nass war, die Bettdecke und sogar das Kopfkissen und überlegte, was ich am Abend zuvor getrunken hatte. Ein Glas Wein und ein Glas Wasser. Wenn man oben nur 0,5 l Flüssigkeit reinschüttet, können unten nicht 5 l rauskommen! Erstaunlich, zu welch mathematischen Höchstleistungen mein Gehirn schon zu so früher Stunde fähig war. Das Glücksgefühl darüber tröstete aber über mein Problem nur kurz hinweg. Was ist passiert, wenn der erotische Traum nicht stattgefunden und meine Blase ihre Funktionsfähigkeit nicht über Nacht verloren hatte?

Ganz einfach: Das Wasserbett ist kaputt. Plötzlich war ich hellwach! Das ist ja blöd. Saublöd sogar! Ich tastete nach dem Lichtschalter und wuchtete die schwere, nasse Decke zur Seite und versuchte halbwegs grazil der Wanne dem Bett zu entsteigen (was bei einem Wasserbett sowieso nicht einfach ist, aber das nur nebenbei) und dabei keinen unnötigen Wellengang zu erzeugen. Der triefende Schlafanzug verursachte sofort eine kleine Pfütze um meine Füße. Ich riss mir das nasse Zeug vom Körper, kramte nach einem Handtuch und einem frischen Nachtgewand und versuchte dann, die Decke so zusammen zu raffen, dass das Wasser nicht gleich ablief. Alles wurde erst einmal im Treppenhaus deponiert. Das Kopfkissen war nur im unteren Bereich feucht und landete auf dem Deckenberg.

Die ganze Aktion rief dann auch meine bessere Hälfte auf den Plan, der einen solchen Tumult im Schlafzimmer nicht gewöhnt ist. Er murmelte irgendetwas unverständliches, wälzte sich aus dem Bett und taperte aufs Klo. Er kam zurück, fiel ins Bett und drehte sich zur Seite; wild entschlossen, die Nacht schlafend fortzusetzen.
Der spinnt wohl!
„Hey“, rief ich einigermaßen angefressen, „ab sofort schlafen wir getrennt!“
„Hm? Was ist los?“
„Wir schlafen getrennt. Mein Bett ist kaputt.“
„Scheiße.“ Und zack, weg war er.

Das ist ja wohl das Allerletzte! Wütend zog ich die Tür hinter mir ins Schloss und schnappte meinen nassen Wäscheberg. Es war 4.07 Uhr, die Nacht war gelaufen. Ausnahmsweise waren unsere Gästebetten nicht bezogen, sonst wäre ich vielleicht direkt umgezogen. Ein Mützchen Schlaf hätte ich ja schon noch vertragen können. Aber ich hatte echt keine Lust, um diese Uhrzeit auch noch Betten zu beziehen. Also wanderte ich mit meiner nassen Fracht zur Waschmaschine und startete um zehn nach vier den ungeplanten Wasch- und Trockentag. Ein Stockwerk höher gab es dann erst einmal Kaffee und da die neue Zeitung noch nicht da war, kramte ich im Altpapier nach den Prospekten hiesiger Möbelhäuser. In einem dieser Werbeblättchen hatte ich doch kürzlich Schlafzimmereinrichtungen/Betten/Matratzen entdeckt. Ziemlich lustlos blätterte ich darin herum und es dauerte auch nicht lange bis der Herr Göttergatte in der Tür stand.
„Jetzt kann ich auch nicht mehr schlafen!“ Es klang irgendwie vorwurfsvoll.
Warum soll es ihm besser gehen als mir? *Grins* Wahrscheinlich hatte er nur Schiss, im Schlaf zu ersaufen. *Doppelgrins*

Wir sind dann zusammen wieder ins Schlafzimmer und haben das gemeinschaftliche Laken von den (getrennten) Matratzen gerissen, das mit Reißverschlüssen versehene Abdeckflies entfernt und versucht, irgendwo ein Loch in der Kunststoffhaut zu entdecken. Nada. Da war nichts. Außerdem war alles noch mit Wasser bedeckt, so dass man sowieso nichts hätte finden können. Ich wuchtete den nächsten Wäscheberg in den Keller und mein Mann beschloss, den Stecker für die Bettheizung zu ziehen. Man weiß ja nie. Da wir im Moment eh nichts mehr machen konnten, ist der Göttergatte ins Bad und anschließend ins Büro. Kollegen erschrecken. So früh war er noch nie!

Mein Tag bestand im Wesentlichen daraus, Wäsche von der Maschine in den Trockner zu befördern und die Waschmaschine neu zu befüllen. Ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Material im Bett haben!

Inzwischen haben wir einen winzigen Riss im Kunststoff meiner Matratze gefunden. Erstaunlich, dass aus so einem kleinen Löchlein so viel Wasser austreten kann! Wir schlafen nun im Gästezimmer und fühlen uns im eigenen Haus wie zu Besuch. Dafür wissen wir nun aber, dass man in den Betten ganz ordentlich liegt und man sie lieben Gästen guten Gewissens als Schlafstatt anbieten kann. *freu* Nur meinen Einschlaf-Fernseher, den vermisse ich und außerdem sind die Geräusche andere, als wir sie des Nachts gewohnt sind. Aber was soll’s; immerhin müssen wir nicht auf der Couch pennen oder ins Hotel ziehen.

Nun müssen wir ins Möbelhaus stürmen und mal die Angebote checken. Das alte Schlafzimmer hat seine besten Zeiten nämlich auch schon hinter sich.

 

 

    
 


 

6 Gedanken zu “Feuchte Träume

    • Wir haben unser Bett schon 15 Jahre und waren immer höchst zufrieden damit. Irgendwann geht halt alles einmal kaputt und zwangsläufig merkt man das erst, wenn man drin liegt. 😉
      Gute Nacht,
      Caipi

      Gefällt 1 Person

  1. *puuuuuh,
    na das war ja eine Überraschung liebe Caipi und ich kann mir vorstellen, wie erschrocken man da so im Halbschlaf ist 😉
    Deine Schilderung dazu, hat mir wieder voll das *Schmunzeln beschert

    Nur gut, dass ihr ein Gästezimmer habt und ein neues Schlafzimmer gibt’s auch *grins

    Ärgerlich sind solche Sachen aber trotzdem und die viele Arbeit, die du damit hattest, allemal 😦

    Einen ganz lieben Gruß
    und einen Freitag ohne Pech &Pannen,
    wünscht dir Uschi ❤

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    • Hallo Uschi,

      ich hab mir ja schon immer vorzustellen versucht, wie das einmal sein wird, wenn das Bett kaputt geht. Die Variante „nächtliche Badewanne“ war auch dabei, fühlte sich aber anders an, als gedacht. 😀

      Bei einem Wasserbett rechnet man mit einer Lebensdauer von 10-12 Jahren. Unseres ist 15 Jahre alt und da kann man eigentlich nicht meckern. Nur der Zeitpunkt ist extrem schlecht, da ich ja gerade noch ein paar andere Sachen zu erledigen habe. Die Planung und das Aussuchen eines neuen Schlafzimmers erledigt man ja auch nicht so nebenher und an das Ausräumen der Schränke will ich noch gar nicht denken.
      Langeweile kommt im Augenblick jedenfalls nicht auf! *grins*
      Liebe Grüße u. gute Nacht,
      Caipi

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  2. Kann man das Ding nicht mit Reifenflickzeug reparieren? Ist doch sowas wie“n „Platten“….;)

    Ja, ist schon doof. Soooooo feuchte Träume möchte dann doch keiner haben…viel Erfolg bei der Ersatzbeschaffung!

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