Voll im Trend

„So viele durchgeknallte Weiber habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen“, meinte mein Mann, als wir uns nach etlichen versäumten (weil nicht gehörten) Anrufen endlich wieder gefunden hatten. Ich hörte das nicht gerne, musste ihm aber unbedingt Recht geben und sein Kommentar wich nur unwesentlich von dem ab, was ich mir kurz zuvor selbst gedacht hatte. Bei mir wäre der Ausspruch noch um einiges deftiger ausgefallen. Was war geschehen?

In unserer schönen Landeshauptstadt war Ostermarkt. Der interessierte mich nicht sonderlich, weil das Angebot dem des gerade absolvierten Weihnachtsmarktes doch sehr ähnlich ist. Aus Nikolausi wird Osterhasi, die Weihnachtskrippen sind esoterischen Klangschalen gewichen, statt Glühwein gibt es Schampus vom Winzer. Am Sonntag allerdings wurde der Ostermarkt um den Holländischen Stoffmarkt erweitert und der fand großen Zuspruch. Um 11.00 Uhr sollte der Markt beginnen und da ich mich ja nicht gerne ins große Gewühl stürze, war ich um viertel vor elf schon auf dem Markt, der zu meinem Entsetzen bereits in vollem Gang war! (Notiz an mich: Nächstes Jahr bin ich um 9.00 Uhr dort; ganz egal, was auf den Werbeplakaten für eine Uhrzeit angegeben ist!!!) Ich wollte nach Gardinen fürs Schlafzimmer Ausschau halten und einen Bezugsstoff für ein Betthaupt, das noch zu bauen ist. Auch ein paar Meter leichten Sommerstoff hätte ich gerne gehabt. Keine Chance! Lediglich Wattierung und drei Meter Klettband habe ich gekauft. Beides war abgepackt und ausgepreist, so dass ich es nur an mich nehmen und das Geld einem Verkäufer in die Hand drücken musste. Alles, was sonst noch auf meinem Zettel stand, steht da auch jetzt noch drauf.

Nähen ist gerade voll im Trend, aber es gibt kaum Geschäfte, die ein gutes Angebot an Stoffen haben. Also rennt frau zu eben diesem Stoffmarkt, der leider nur einmal im Jahr stattfindet. Oder sie bestellt im Internet, wozu ich mich spontan entschlossen habe, nachdem mir eine wild fuchtelnde Dame mittleren Alters beinahe ein Auge ausgestochen hatte. Ich hatte die Schnauze bereits nach 15 Minuten gestrichen voll, stellte mich etwas abseits und beobachtete das Treiben. Spitz gekriegt habe ich dabei, dass man gruppenweise auftreten muss! Fünf bis sechs Frauen machen sich an einem Stand breit und können dann in aller Ruhe in den Ballen wühlen und sich beraten. Als Einzelkämpferin – zumal eine wie ich mit wenig Markterfahrung – hat man da überhaupt keine Chance. Ich kenne keine fünf Frauen die bereit wären, so etwas mit mir durchzuziehen. Und Nerven habe ich dafür sowieso nicht.

10.000 schnäppchengeile kaufwütige Frauen, 1.000 Kinderwägen, dazwischen ein paar verstörte Männer, teilweise schon mit Tüten drapiert – das ist nicht meine Welt!

Übrigens: Die Kinderwägen gleichen heute Kampfpanzern und sie werden auch als solche eingesetzt! Wenn man nicht umgehend zur Seite springt, wird man gnadenlos gerammt, bekommt das geländegängige Modell in die Hacken oder über die Füße gerollt. Super! Klasse auch für die Kinder, so sie denn schon sitzen können: Die bekommen im dichten Gedränge die Einkaufstüten oder Handtaschen ins Gesicht gedrückt, sehen nur Hinterteile und verstehen die Welt nicht mehr. Ähnlich ergeht es übrigens den mitgebrachten Hunden. Den kleinen Menschen und den Hunden gehört mein ganzes Mitgefühl! Ich habe weder Kleinkind noch Hund aber ich denke, ich würde keinem von beiden ein solches Gedränge zumuten. Dann bemühe ich doch lieber das Internet, lass mich von der Qualität überraschen und beute den Paketboten aus.

Übrigens sind wir nach dem Stoff-Desaster dann doch noch mal über den Ostermarkt spaziert und haben anschließend in unserem ruhigen Stadtteil den ersten Eisbecher des Jahres vertilgt. Als Belohung.

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2 Gedanken zu “Voll im Trend

  1. Jetzt denke ich erst mal über deine Überschrift nach, liebe Caipi, was denn nun voll im Trend ist ?

    Die durchgeknallten Weiber, der Markt oder die Kampfeslust der Jägerinnen auf dem Markt ??? *grins

    Ich mag ja solche Märkte schon aus Prinzip nicht so besonders, weil es mehr oder minder, immer das Gleiche ist, was da geboten wird. Dazu die Massen, die bei guten Wetter, unterwegs sind, einfach grauenhaft. Mit schönem Einkaufen hat dies einfach nichts mehr zu tun.

    Aber jeder wie er mag und eigentlich hast du mir grad wieder bestätigt, ich lieg gar nicht so falsch 😉

    Schick dir mal einen sonnigen Gruß aus dem Süden
    und wünsche dir viel Erfolg, bei deinem Einkauf im Internet,

    Uschi

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    • Komisch, ich hatte eigentlich auf Deinen Kommentar schon geantwortet, kann ihn aber nicht sehen. WordPress überrascht mich immer wieder!
      Ich bin jedenfalls froh, dass nicht nur ich solche Menschenmassen verabscheuen.
      Liebe Grüße, Caipi
      PS: Bei uns ist auch Sonne, aber leider weht ein schweinekalter Wind. Langsam könnte es mal wärmer werden.

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