(Un-)Glückstag

Fünfundzwanzigster Mai.

Hab‘ ich mir notiert – nächstes Jahr bleibe ich im Bett!

Seit zwei Tagen verhielt sich mein frisch getüvtes und neu bereiftes Autochen merkwürdig. Es ruckelte und muckte und weil mich so etwas nervös macht, bat ich meinen Bruder, mal eine Probefahrt zu machen. Typischer Vorführ-Effekt: keine Probleme. „Ohne Befund“, meinte mein Auto-Doc und gab mir den Tipp, mal kurz über die Autobahn zu jagen. Hab ich gleich am Mittwoch gemacht; einmal Hochheim und zurück sollte reichen. Anschließend wollte ich zum Supermarkt, zur Bank, zur Post und in die Stadt. Die todo-Liste war lang. Ich hatte in Hochheim die falsche Abfahrt erwischt und musste erst einmal durch die Stadt, um wieder auf die Autobahn in Richtung Wiesbaden zu kommen und wie es der Teufel so will: das Auto ging mitten in der Stadt aus und wollte nicht mehr anspringen! Ich hab‘ geflucht wie ein Rosskutscher! Der freundliche Lkw-Fahrer hinter mir traktierte seine Hupe, wovon sich meine Karre jedoch gänzlich unbeeindruckt zeigte. Schei … benkleister!
Der Lkw fuhr dann an mir vorbei und ein paar nachfolgende Autos auch. Ich hatte Glück im Unglück, weil es direkt neben meinem Auto eine freie Parkbucht gab. Da galt es jetzt, das Auto hineinzuschieben. Also Leerlauf rein, Handbremse los und die Muckis spielen lassen. Keiner der Autofahrer machte Anstalten, mal eben zu helfen. Aber was soll’s, selbst ist die Frau! Nur den letzten Meter habe ich nicht mehr geschafft, weil die blöde Parkbucht zur Straße hin abfiel und ich somit „bergauf“ schieben musste. Ich bin ja nicht Kingkong. Ein Radfahrer hat dann angehalten und geholfen.

Dann habe ich mich erst einmal orientiert, wo ich eigentlich bin. Breslauer Ring, Ecke Rüdesheimer Straße. Gar nicht weit von der Autobahnauf- bzw. Abfahrt entfernt. Das sollte zu finden sein. Also habe ich meinen Bruder angerufen und ihn gebeten, sich in Bewegung zu setzen. Nun hatte ich mindestens 45 Minuten Zeit. Gegenüber war ein Bäcker, bei dem ich mir erst einmal ein belegtes Brötchen und einen Kaffee besorgte. Damit und mit einigen Zigaretten konnte ich die Wartezeit ganz gut überbrücken.

Mein Bruder setzte sich dann mit fachmännischer Miene hinters Steuer, drehte den Zündschlüssel rum und das Auto sprang an. Ich hätte kotzen speien können! Das gleiche hatte ich wenige Minuten zuvor nämlich auch probiert. Erfolglos.
Wir vereinbarten, Richtung Heimat zu fahren. Er in meinem und ich in seinem Auto. Wieder in Wiesbaden bockte die Karre erneut, was mich mit einer gewissen Genugtuung erfüllte. Siehste! Mein Auto-Guru konnte das Problem jetzt wenigstens genau analysieren. Inzwischen steht das bockige Ding in der Garage und ist zerlegt. Das hat er jetzt davon. Glücklicherweise hat mein Bruder ein weiteres Auto, das gerade wenig genutzt wird und das ich jetzt fahren kann. Ohne Auto wäre ich im Moment ziemlich aufgeschmissen.

Nachdem mich die ganze Aktion einiges an Zeit gekostet hat, habe ich meine todo-Liste auf das Nötigste zusammen gestrichen. Supermarkt und Post erledigte ich noch und fuhr dann nach Hause. Beim Wegräumen meiner Einkäufe führte mein Weg auch in den Keller und was sehen meine entsetzten Augen: Wasser an einer Stelle, wo es nicht hin gehört, nämlich dem Fußboden. Ich krempelte die Jeans hoch und riss die Tür zum Heizungskeller auf, der bereits geflutet war. Nee, oder?! Ich konnte nicht lokalisieren, wo es eigentlich herkam und es gelang mir auch nicht, den Haupthahn zu schließen. (Warum gehen diese Hähne eigentlich immer so schwer?)
Ich griff zum Telefon und beorderte meinen Mann nach Hause und den Installateur herbei. Dann begann ich, mittels Kehrblech (übrigens eine bewährte Methode!) das Wasser in einen Eimer zu schaufeln. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Herren eintrafen und wenigstens das Wasser mal abgestellt werden konnte. Ich hatte inzwischen schon etliche volle Eimer in den Ausguss gekippt und hatte Rücken. Der Rest war jetzt Männersache. Der Installateur behob das Problem und mein Mann saugte das Wasser weg (ohne bücken).

Jetzt haben wir einen blitz-sauberen Heizungskeller, in dem auch die Fugen so langsam aber sicher abtrocknen.
Und ich hab‘ Muskelkater und fühle mich, als sei ich in eine Schlägerei verwickelt gewesen! Eine Mucki-Bude brauche ich in nächster Zeit jedenfalls nicht.

Es gibt Tage, da steht man besser gar nicht erst auf!
25. Mai 2017: Du kannst mich mal!

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