Belästigungen

Morgens halb neun in Deutschland. Das Telefon klingelt und eine ätzend freundliche und offenbar schon hellwache Schnellsprechmaschine überrollt mich mit einem Superangebot an Billigstrom. Ich soll nur mal eben kurz angeben, wie hoch unser letzter Jahresverbrauch war.
Ja ticken die noch richtig? Erstens hab‘ ich kein Interesse an einem Anbieterwechsel, zweitens unseren Jahresverbrauch natürlich nicht im Kopf und drittens überhaupt keinen Bock mal geschwind in irgendwelchen Ordnern zu wühlen. Sie soll mich in Ruhe lassen.
„Ja wollen Sie denn nichts sparen?“ „NEIN!“ >:-[

Wenn ein Tag schon so losgeht, kannst Du sicher sein, dass da noch mehr kommt.

Vor einiger Zeit habe ich eine Dame des magentafarbenen Telefonanbieters abgebügelt und immerhin dazu gebracht, dass sie uns endlich aus der Anrufliste löscht. Die sollen ihre Angebote gefälligst per Email schicken. Ich hab‘ mich auch schon gefreut, dass das offenbar geklappt hat, denn seit dem bleiben wir von den nervigen Anrufen verschont. Doch was passiert?
Ein Überfallkommando steht vor der Tür!
Der Leiter der Kundenfangabteilung höchst persönlich geht Klinken putzen. 8| Wieder einmal bin ich dankbar für die segensreiche Erfindung der Gegensprechanlage.

Ob wir denn zufrieden seien mit den Leistungen seines Unternehmens, will er wissen. Mal mehr, mal weniger, weiche ich aus und verweise gleich darauf, dass sich meine bessere Hälfte um die Details unserer Verbindung zur Außenwelt kümmert und ich davon nix wissen will.
„Nutzen Sie denn schon unser Angebot für 49 Euro im Monat?“

Hallo? Rede ich eigentlich in irgendeiner fremden Sprache? >:-[

Irgendwann hat auch er gerafft, dass er bei mir auf Granit beißt und angedroht, telefonisch einen Termin mit dem Hausherrn zu vereinbaren. Dann stehen wir wohl wieder drauf auf der Anrufliste. 🙄

Nächstes Highlight: Bürotelefon. Frau Sowieso von der Firma XY will wissen, ob ich die Geschäftsinhaberin bin. Immerhin hat sie zugehört und die Namensgleichheit bemerkt. Ich verneine, worauf sie gern den Chef sprechen möchte. Ich rieche den Braten und erkläre, dass der nicht da sei und frage an, ob ich denn behilflich sein könne.
Das könne sie nur mit dem Chef besprechen tut sie wichtig und erkundigt sich, wann der denn da sei. „Nur in den Abendstunden“, lasse ich sie wissen. „Tagsüber ist er bei seinen Kunden.“ Das ist locker-flockig gelogen, aber soll sie doch abends anrufen – da gehen wir sowieso nicht mehr ans Bürotelefon.

Ob sie denn einen Termin vereinbaren könne, zu dem ihr Chef meinen Chef aufsuchen könne. „Selbstverständlich! Allerdings muss ich auch dann wissen, um was es eigentlich geht.“ Allmählich macht es mir Spaß, sie zu quälen. Sie habe aber Anweisung, da nur mit dem Geschäftsinhaber drüber zu sprechen, windet sie sich erneut.
Jetzt werde ich ernst und erkläre ihr freundlich aber bestimmt, dass sie an mir nicht vorbei kommt und dass sie unser beider Zeit und Nerven spart, wenn sie endlich mit der Sprache herausrückt. Im Geiste gehe ich die Möglichkeiten durch: Anlageberatung, Privat-Krankenkasse oder Versicherungen stehen in solchen Fällen zur Auswahl.
Zögernd und nur im Flüsterton gab sie „Anlageberatung“ preis. Aha, dachte ich es mir doch! :>
Ich habe auch ihr geraten, uns von der Liste zu streichen und mal beiläufig das Wort Wirtschaftskrise fallen lassen.

Nun ist der Tag bald rum und ich hoffe, das war es dann für heute.

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