Strandschönheiten

Immer wieder verblüfft es mich, mit welcher Selbstverständlichkeit Brasilianerinnen ihren Körper zur Schau stellen. Die Winzigkeit der hiesigen Bikinis ist legendär; sie bestehen aus einem äußerst knappen Oberteil, einem Kördelchen durch den Hintern und vorne ein winziges Dreieck als Höschen. Bei einem jungen, knackigen Körper sieht das toll aus, keine Frage! Aber, lieber Gott, warum lässt Du zu, dass auch Matronen mit Größe 48 solche Teile tragen? 88|

Das Oberteilchen schafft es nicht, massigen Brüsten Herr zu werden und vom Unterteil ist gar nichts zu sehen, weil die Wampe drüber hängt. Das Kördelchen verschwindet in einem gewaltigen, mit Orangenhaut überzogenen Mors, der bis zu den Knien reicht. Beim Gehen wogen die Massen, dass einem vor Staunen der Mund offen bleibt.

Ich bin ganz entschieden nicht der Meinung, dass alle Leute jung und schön sein müssen und natürlich gestehe ich auch Leuten mit breiterem Speck drum zu, an den Strand oder ins Schwimmbad zu gehen. Keine Frage! Aber: muss es wirklich soo knappe Badebekleidung sein? Wobei das Wort Badebekleidung hier völlig unangebracht ist; erstens kann man bei einem Kördelchen nicht von Bekleidung sprechen und zweitens ist das Gebilde zum Baden schlicht ungeeignet. Zumindest bei der hiesigen Brandung. :)) Da hat schon so manches Körperteil ungewollt die Sonne gesehen.

Ich weiß ja nicht. Einerseits bewundere ich das Selbstbewusstsein der Damen, andererseits frage ich mich, warum die sich (und anderen) das antun müssen.

Eigentlich haben Brasilianer ja ein ausgeprägtes Körperbewusstsein. Die Jungen rennen in die Muckibuden, joggen wie wild oder quälen sich und ihr Mountainbike. Entsprechend gestählt ist der Body und wenn das noch nicht ausreicht, wird nachgeholfen. Aufgeblasene Möpse und angehobene Hintern sind die häufigsten Schönheitsoperationen, die zumindest junge Brasilianerinnen an sich vornehmen lassen. Ein ausgeprägter Apfelhintern ist das Maß aller Dinge und wer es sich leisten kann, der lässt sich halt einen machen.
Den Strandschönheiten, von denen ich eingangs berichtet habe, würde eine solche OP auch nicht mehr helfen. Die müssten tiefer in die Tasche greifen. Viel tiefer!

Die Herren der Schöpfung sind übrigens nicht besser. Die ganz jungen, dürren Typen tragen XL-Shorts bis an die Knie. Die älteren Semester mit Wohlstandsbauch tragen normale Badehosen zu Sonnenbrille und goldener Armbanduhr. Die etwas Jüngeren – die mit dem gestählten Körper – packen ihr Gemächt in knappe Slips. Goldkettchen und Tattoos sind Pflicht, die Sonnenbrille wohnt auf dem glatt rasierten Schädel.
Ach ja, und das Handy haben sie natürlich alle dabei! Telefoniert wird ununterbrochen, auch von den Frauen.

Warum ich Euch das alles erzähle? Weil draußen dicker Nebel ist und der Strand noch menschenleer. Ich hab‘ also gerade nix besseres zu tun …!

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Mein Essproblem

Nee, es geht nicht um eine Essstörung, zu geringe oder zu hohe Kalorienaufnahme verbunden mit mutwillig herbeigeführten Kotz-Sessions. Das Problem mit der übermäßigen Kalorienzufuhr hab ich auch (gelegentlich), aber ohne kotzen. Das hat dazu geführt, dass ich rundum ein bisschen mehr geworden bin, was mich aber meist nur dann stört, wenn ich in einer neonbeleuchteten Umkleidekabine stehe und Bademoden anprobiere. 🙄

Nein, es geht um mein Problem mit dem Buchstaben „S“ und das auch nicht in Deutsch, sondern ausschließlich in Portugiesisch – der Sprache, die ich seit Jahren mit mehr oder weniger großen Erfolg versuche, zu erlernen.
Ich lispele nicht; in Deutsch hören sich meine Esse ganz normal an. Nur in Portugiesisch krieg’ ich’s nicht auf die Reihe. Es sind auch nicht nur die Esse, es sind auch die Ces mit dem Haken unten dran, die wie Esse ausgesprochen werden sollen. Die allein sind schon eine Herausforderung für eine Deutsche, die bisher mit romanischen Sprachen nix am Hut hatte. Ich finde ja, so’n Alphabet hat gerade genug Buchstaben, da muss man nicht noch neue erfinden oder irgendwelche Schlangen obendrauf oder Haken unten drunter packen. ’ne Sprache, die mit 26 Buchstaben nicht auskommt, gehört eigentlich abgeschafft. ;D

Aber gut, auf mich hört ja eh keiner. Also schleppe ich mich einmal die Woche in diesen Kurs und versuche mich an komischen Worten. Reden ist ja nun eher nicht mein Ding und so tobe ich mich im Schreiben aus. Das kann ich zu Hause machen, wenn ich Lust drauf habe und mir grad’ ganz viele Worte einfallen. Dann schreibe ich alles auf, muss meine Ergüsse im Kurs vorlesen … und dann kommt’s: mein Essproblem.
Jedes Mal dasselbe. Es heißt „loussssa“, „almosssso“, „ssobremesa“.

Boah ey! :>
Vorlesen oder gar reden ist einfach nicht meins (zuhören übrigens auch nicht, dasistnämlichallesamStück. Ich kann nur lesen und schreiben!). Da bemühst Du Dich, das „l“ am Ende wie ein „u“ auszusprechen (Brasiu), versuchst, diese komischen Schlangenvokale durch die Nase zu quetschen und das „x“ mal wie ein „sch“, „s“, „ss“ oder auch mal wie ein „ks“ klingen zu lassen, erinnerst dich, dass ein „t“ gerne ein schwaches „sch“ wäre. Nutzt alles nix.

Unerwartet und nach Jahren kommt dieses Sche>:XX-Ess daher und will schärfer ausgesprochen werden. Ich mache es wohl immer zu lasch und kriege regelmäßig einen Anschiss – ganz einfach mit „ss“.

Hat jemand eine Idee, wie ich das in den Griff kriegen könnte? Schauspielunterricht oder irgendwelche Übungen mit Korken zwischen den Zähnen? Ich bin grad’ ein bisschen ratlos und auch einigermaßen frustriert.

Nach dem Kurs gestern hab’ ich mir erstmal eine Caipirinha gegönnt; mit gaaanz viel Cachasssa – den kann ich nämlich richtig aussprechen. Ätsch