Baukunst

Dass in anderen Ländern anders gebaut wird, ist klar. Nicht zuletzt die verschiedenen Baustile machen das Reisen ja interessant. Auch als Nicht-Fachmann steht man manchmal sprachlos vor einem Wolkenkratzer, einer riesigen Spannbrücke oder bestaunt alte Baukunst wie Kirchen, Amphitheater oder Pyramiden. Das alles ist von Menschenhand geschaffen und den jeweiligen (oder vermeintlichen) Bedürfnissen angepasst.

Für die Neuzeit bedeutet das, das man in einem Land, in dem es niemals schneit und die Temperaturen nur alle 50 Jahre mal an der 0-Grad-Grenze kratzen, z.B. keine Heizung benötigt, keine Doppelverglasung, keine gedämmten Wände. Es macht einfach keinen Sinn, viel Geld auszugeben für Dinge, die man vermutlich nie benötigt. Uns macht es auch nichts aus, hier an kalten Abenden die Flipflops mal gegen Socken auszutauschen oder eine Strickjacke überzuziehen – was wirklich selten vorkommt.

Etwas schwerer fällt es mir da schon, mich mit den hiesigen Installationen (Wasser, Strom, Gas) anzufreunden. Arbeiten, die bei uns nur von Fachfirmen ausgeführt oder zumindest abgenommen werden müssen, kann hier praktisch jeder machen. Man besorgt sich eine Wasserpumpenzange und ist Installateur, wer mit Isolierband umgehen kann, ist Elektriker. Natürlich gibt es auch hier Leute, die Ahnung von ihrem Gewerk haben. Man weiß halt nur vorher nicht, welche Art Handwerker man gerade vor sich hat. Ich erinnere, dass man hier beinahe den nagelneuen Gasherd ruiniert hat bei dem Versuch, ihn an die Wasserleitung anzuschließen!
Den Elektriker haben wir vom Hof gejagt, nachdem er stundenlang vergeblich versucht hat, einen Deckenventilator so anzuschließen, dass dieser sowohl mit einem Schalter als auch mit einer Fernbedienung zu betätigen war. Mein Mann hat das dann mit ein bisschen Nachdenken (und natürlich einigen Vorkenntnissen) relativ schnell hingekriegt und kümmert sich seit dem auch um Steckdosen, Schalter u.ä. lieber selbst.
Beim Anblick des Installateurs habe ich schon vor Jahren Pickel gekriegt; der hatte die tollsten Ideen überhaupt. Eine führte zur Überflutung der Waschküche!

Zu Strom und Wasser – gerne auch in Verbindung miteinander – haben Brasilianer ein sehr entspanntes Verhältnis, was die folgenden Bilder belegen:

Einen guten Handwerker zu erwischen ist also Glückssache, aber das ist in Deutschland ja nicht anders. Mund-zu-Mund-Propaganda halte ich nach wie vor für die ehrlichste Art der Reklame.

Was mich in Brasilien wirklich entsetzt hat und wovon ich niemals geglaubt hätte, dass es so etwas überhaupt gibt, ist die Art und Weise, wie das Abwasser im Kanal landet. Von unserem eigenen Haus in Deutschland weiß ich, dass vernünftige Rohre z.B. vom Waschbecken oder Klo in ein Fallrohr führen, welches dann irgendwo in einem Kanal landet. Hier ist das anders: alle Rohre enden in einem kleinen, unterirdischen Bassin. Hier sammelt sich alles – vom Spülwasser bis zum großen Geschäft – vermischt sich und läuft dann erst über ein ziemlich dünnes Rohr irgendwo in die Kanalisation. Wenn nun dieses Rohr aus welchen Gründen auch immer (z.B. Bauschutt, der nicht ordnungsgemäß entfernt wurde) verstopft, gibt es einen Rückstau und die ganze Soße taucht irgendwo wieder auf. Rückstauventile oder ähnliches – Fehlanzeige! Dieses System ist übrigens auch der Grund dafür, warum man in Brasilien Klopapier nicht ins Klo werfen darf.

Ich kann es immer noch nicht fassen:
Wir fliegen zum Mond und haben es nach über 2000 Jahren noch nicht geschafft, unsere Fäkalien so zu entsorgen, dass wir ihrer nicht mehr ansichtig werden müssen.

Werbeanzeigen