Ein bisschen Wehmut

Da stehst Du im Drogeriemarkt, umgeben von Shampoo aller Art – gegen Schuppen, für strapaziertes und dünnes Haar, mit Coffein-Komplex und allem möglichen Trallala – und völlig unerwartet erinnerst Du Dich an die Pulle, die in der Kindheit immer auf dem Badewannenrand gestanden hat: Riesengroß und gelb und in großen Lettern stand „Ei-Shampoo“ drauf. Damals hatte man noch keine Schuppen, die Haare wurden einmal die Woche gewaschen (samstags beim Bade) und das Eierzeug verhieß gesunden Glanz. Mehr brauchte man seinerzeit nicht. Ein Liter von der dünnflüssigen Materie kostete noch nicht mal eine Mark und die große Pulle reichte für viele Wochen und alle Köpfe. 🙂
Das war in den Sechzigern.

Irgendwann bekamen wir Fernsehen und erfuhren erstmals von so schrecklichen Sachen wie Schuppen und Spliss und dass man dagegen ja etwas tun könne. Ich hatte keine Ahnung, was Spliss ist und wenn ich mir meine Haare betrachtete, fand ich die ganz normal. Was uns da in der Werbung unter dem Mikroskop gezeigt wurde, konnte ich in echt auf meinem Kopf nicht feststellen. Trotzdem wollten natürlich auch wir unserem Schopf etwas Gutes tun und griffen fortan zu den beworbenen, modernen Produkten.
An meiner Haarpracht hat sich nichts Wesentliches verändert, aber das „Eierschammbong“ – wie es von der unwissenden Bevölkerung genannt wurde – ist verschwunden. Einfach weg aus dem Regal.

Just for fun hab’ ich mal nachgeschaut, ob es heute noch so etwas ganz Simples zum minimalen Preis gibt.
Ich hab’ nix gefunden. Heutzutage scheint jeder irgendwelche Probleme auf dem Kopf zu haben. Ich hab’ immer noch keine Schuppen und keinen Spliss, aber meine Haare sind gefärbt („Drama, Baby! Drama!“). Dafür gibt’s aber gottlob das richtige Waschmittel.

Coffein kommt bei mir übrigens nur im Kaffee vor und da gehört es auch hin! ;D