Eine chaotische Fete

Letzten Freitag waren wir zu einem privaten Essen im Haus eines unserer brasilianischen Bekannten eingeladen. Ich war schon ein bisschen gespannt darauf, wie das Zuhause des jungen Mannes – der in der Baubranche tätig ist – wohl aussieht. Er bewohnt mit seiner Schwester zusammen ein Haus am anderen Ende der Stadt, soviel wusste ich schon.

Als wir pünktlich (typisch deutsch) um 20.00 Uhr mit einer Packung Trüffelpralinen – für unvorhergesehene Ereignisse am Flughafen Lissabon erstanden – unterm Arm an seinem Gartentor klingeln, schallt uns helles Hundegebell entgegen. Ich glaub’ das nicht: der Typ „Hans Dampf in allen Gassen“ hält sich doch tatsächlich ’ne kleine Töle, die im ungeschorenen Zustand wohl ein Pudel sein will. Fabio – so heißt der junge Mann – begrüßt uns und stellt uns seinem Vater vor, der irgendwo in der Nähe eine kleine Kaffeeplantage betreibt und ebenfalls zum Essen eingeladen ist. Außerdem erklärt er mir freudestrahlend, er habe extra für mich eine Flasche Frizzante-Wein gekauft und die auch in den Kühlschrank gestellt. Ich freue mich – mal was anderes als immer dieses brasilianische Dünnbier.

Auf dem großen Esstisch im Wohnzimmer sind sehr schön arrangierte Platten aufgestellt. Eine mit grünem Salat, Tomaten, Pilzen und Mozzarella, eine mit Wurst, Schinken und Käse. So etwas gibt es hier immer als kleinen Snack vor dem Essen. Über dem Tisch bammeln eine normale und eine Energiesparlampe einfach so in der Fassung. 8| Sehr dekorativ! Der Rest des Wohnzimmers ist sehr nett eingerichtet und wie immer in Brasilien stehen alle Türen und Fenster weit auf, was bei der Beleuchtung und der Nähe zum Wald einige kleine Flugobjekte in die Wohnung gezogen hat. Außer mir scheint das niemanden zu stören. Rund 50 kleine Mücken haben ihr Leben an der brutal hellen Glühbirne schon gelassen und liegen jetzt tot auf der nicht ganz glatt gebügelten, weißen Tischdecke.

In der Küche steht ein schöner rustikaler Tisch mit Stühlen drum herum und auf dem monströsen Herd viele Töpfe. Fabio scheint wirklich gerne zu kochen! Ich gucke mal ein bisschen in die Töpfe und entdecke selbstgemachte Hühnerbrühe, die er für das Risotto braucht, Kartoffeln und Reis sowie zwei Pfannen, die bislang aber leer sind.

Wir sitzen erstmal artig am Esstisch im Wohnzimmer. Ich kriege das erste Glas Wein und nehme mit jedem Schluck auch ein paar von den toten Mückchen zu mir. Das stört aber wirklich nur am Anfang. 😐

Kurze Zeit später tauchen weitere Gäste auf, die wir zum Teil schon kennen. Einer der Herren ist Bauleiter und der Chef und Freund von Fabio. Außerdem erscheint Fabios Schwester auf der Bühne, die mit der Fete aber nix am Hut zu haben scheint. Inzwischen sitzen wir in der Küche und hier nehmen wir auch die Käse-Wurst-Schinken-Häppchen zu uns, die inzwischen irgendjemand hergetragen hat. Der Opa labt sich mit mir am Wein, die anderen trinken Bier und Fabio zieht sich gemütlich mit einer Art Whisky zu. Nebenher kocht er ein bisschen. In der Küche geht es zu, wie in einer Kommune: jeder guckt mal in den Kühlschrank, holt irgendwelche Gläser aus Schränken, rührt mal in den Töpfen oder spielt mit dem Hund, der übrigens auch Purzelbäume schlagen kann. Alles schnattert durcheinander, die Schwester schmiert sich eine Stulle und verschwindet dann wieder.

Nach dem zweiten Glas Wein finde ich irgendwie Gefallen an dem Chaos. Der Bauleiter, der sehr gerne Angeln (und Saufen) geht, lädt meinen Mann für nächstes Jahr zu einem mehrtägigen Angeltrip ein und uns beide für die nächste Woche in sein Haus, zum Fischessen. Ich grinse und stelle mir meinen Göttergatten auf einem Angelhockerchen vor, stumpfsinnig aufs Wasser blickend und von Mücken umschwärmt. Innerlich klopfe ich mir auf die Schenkel.
In der Küche ist es chaotisch und gemütlich zugleich. Der Bauleiter seziert inzwischen kleine Chilischoten, die Töle schlägt Purzelbäume, Fabio rührt das Risotto.

Irgendwann gibt jemand einen Startschuss und nun ziehen einige von uns wieder ins Wohnzimmer um. Ich fege mal unauffällig eine Hundertschaft Mücken vom Tisch, dann gibt es Salat. Fabio und der Bauleiter sind weiter in der Küche und braten das Fleisch, das es zusammen mit einer wenig scharfen Pfeffersoße gibt. Aus den Kartoffeln ist inzwischen eine Suppe geworden, die hier als Püree gilt. Das Risotto hat ein bisschen viel Käse abgekriegt und ist in seiner Konsistenz jetzt leider nicht mehr „schlotzig“. In Verbindung mit der Püreesuppe geht es aber und es schmeckt auch sehr gut. Der Hammer aber ist das Fleisch – super saftig und ganz zart! Inzwischen ist es übrigens 22.00 Uhr und wir haben auch ordentlich Hunger. :-/

Während des Essens sind noch weitere Freunde aufgetaucht, die aber direkt in die Küche marschiert sind. Die kamen wohl eher der Getränke wegen. Der Opa füllt ihnen trotzdem ein paar Teller und nötigt sie ihnen auf. Er kennt die Meute wohl schon. Als mein Mann sich irgendwann in der Küche noch ein Bier organisiert, ist die erste Pulle Whisky längst leer. |-|

Alles in allem war es ein sehr vergnüglicher Abend mit leckerem Essen und einem guten Schuss brasilianischem Chaos. Muss man mal erlebt haben!
Zum Abschied habe ich übrigens noch ein Kilo Kaffee von der eigenen Plantage geschenkt bekommen und bin jetzt erstmal gut versorgt mit meinem Muntermacher.

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Reis und Bohnen

Schon wieder! Nachdem wir beides im Urlaub ja täglich genießen durften (und ich sie nicht mehr sehen konnte), gab es gestern Abend mal wieder das brasilianische Nationalgericht Feijoada – Bohneneintopf mit Reis. Und was soll ich sagen: es schmeckt schon wieder. Gott sei Dank! 😀

Unsere Portugiesischlehrerin hatte zum Essen geladen. Wohl um uns bei Laune zu halten, hat sie sich tapfer den ganzen Tag in die Küche gestellt und ein Drei-Gänge-Menue gezaubert.
Ach ist das schön, wenn man sich einfach nur an den gedeckten Tisch setzen darf und nichts machen muss. :yes: Dazu noch nette Gespräche (stressfrei, weil in Deutsch) mit den anderen Gästen und zwei Gläser Caipirinha – ein perfekter Abend! :>>

Essgewohnheiten

Brasilien ist das Land der Bohnen. Nirgendwo sonst habe ich so viele verschiedene Bohnensorten gesehen wie hier. In der örtlichen Markthalle gibt es einen Stand, der alle erdenklichen Farben, Formen und Größen anbietet. Besonders beliebt sind die schwarzen Bohnen, die in einer relativ dünnen Soße schwimmen und über den Reis gekippt werden. Sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber gut. Mit diesen Bohnen wird auch das Nationalgericht Feijoada gekocht, eine Art Eintopf mit verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten. Sehr lecker! :yes:

Das Essen bei unseren Gastgebern ist sehr abwechslungsreich. Es gibt Geflügel, Fisch oder Fleisch, verschiedene Gemüsesorten, Salate, gelegentlich Kartoffeln. Dazu gibt es immer – also wirklich jeden Tag – Reis und Bohnen. Allmählich kommt mir beides zu den Ohren wieder raus und die Portionen, die ich davon nehme, werden immer kleiner. :-/

Was es praktisch auch täglich gibt, ist farofa. Das ist in Butter gebratenes Maniokmehl, gelegentlich mit Eiern, Wurst- oder Schinkenstückchen drin. Je nach Zubereitung hat es die Konsistenz von Sägespänen bis Rührei. Wenn es ordentlich gewürzt ist, schmeckt es gut. Mir dient es dazu, die Bohnenbrühe etwas anzudicken, aber auch zu gegrilltem Fleisch ist es lecker.

Ach ja, und Käse! Ich habe noch nie soviel Käse gegessen, wie hier. Das Bundesland Minas Gerais ist das, was Holland oder die Schweiz für Europa ist; seine Bewohner mithin Käs’köppe. :))
Es gibt alle Sorten, die wir von zu Hause auch kennen, mit Ausnahme von Brie oder Camembert. Besonders lecker ist eine Sorte, die hier einmal in der Woche auf dem Markt bei einem Bauern gekauft wird. Jeden Samstag ein Wagenrad in der Größe eines großen Esstellers, ca. 6 cm hoch. Anfangs hat er die Konsistenz von etwas festerem Frischkäse, im laufe der Woche verfestigt sich das ganze noch. Am Freitagabend ist er alle (wir sind vier Personen) :oops:, am nächsten Morgen wird ein neuer Laib gekauft.
Der wird mir fehlen, wenn ich wieder zu Hause bin. Ebenso das frische knusprige Weißbrot, das man rund um die Uhr beim Bäcker kaufen kann.
Und noch vieles mehr! :yes: